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Augsburg

28.05.2015

Schwabens letzten Paternoster darf nicht mehr jeder nutzen

Paternosteraufzug im Augsburger Finanzamt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Beschäftigte und Besucher des Finanzamts lieben den letzten Paternoster Schwabens. Ab Juni darf ihn nicht mehr jeder nutzen. Warum das Kinder traurig machen wird.

Nostalgie und Nervenkitzel – im Paternoster ist jede Aufzugfahrt ein kleines Abenteuer. Das letzte Exemplar Bayerisch-Schwabens dreht seine Runden im Finanzamt Augsburg. Und das schon seit 1955. Die Mitarbeiter hängen an ihrem Original, wie Geschäftsstellenleiter Holger Hämmerlein bestätigt: „Der Paternoster ist überaus beliebt, vor allem, weil er wesentlich schneller ist als die normalen Aufzüge.“

Am Einstieg gilt es, eine von 14 kleinen Kabinen bei laufender Fahrt zu erwischen. Die Wartezeit beträgt nur wenige Sekunden. Links geht’s rauf, rechts geht’s runter. Und dazwischen? Ein Überschlag der Fahrkörbe – wie beim Filmkomiker Charlie Chaplin – ist nicht zu befürchten. An einer Umlaufkette wechseln die Kabinen aufrecht in den anderen Schacht. „Es kann so gut wie nichts passieren“, sagt Hämmerlein. „Nach zwei Tagen ist das Gewohnheit wie Treppensteigen.“

Viele bedauern die Entscheidung

Das Bundesarbeitsministerium sieht das offenbar anders. Der öffentliche Betrieb der Paternoster, deren Name auf den Rosenkranz zurückgeht, soll aus Sicherheitsgründen auf Beschäftigte mit Einweisung beschränkt werden. Ab 1. Juni gilt die Verordnung bundesweit. Im Finanzamt Augsburg ändert sich damit jedoch nichts. Der Paternoster ist seit 2012 ohnehin durch eine Glaswand vom Servicecenter im Erdgeschoss getrennt. Seitdem nutzen fast ausschließlich Angestellte den Umlaufaufzug.

Mitarbeiterin Andrea Rohn bedauert die Verordnung: „Das ist schade für Besucher. Unser Paternoster ist etwas Besonderes. Teilweise kommen Kinder extra mit ihren Eltern vorbei.“ Rohn fährt seit 1977 leidenschaftlich Paternoster. „Manchmal war ganz unten beim Wenden die Lampe kaputt. Dann wurde es dunkel und ganz schön unheimlich“, erzählt sie. Ein Unfall sei in all den Jahren aber nicht passiert.

Augsburgs letzter Paternoster bleibt auch künftig bestehen. Laut Geschäftsstellenleiter Hämmerlein stehe das altbewährte Original unter Denkmalschutz und ist kaum wartungsanfällig.

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