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Porträt

14.01.2020

Seit 18 Jahren im Augsburger Radio: Walter Ranzmayr ist jetzt volljährig

Der Augsburger Kabarettist Silvano Tuiach gibt seit 18 Jahren den „Walter Ranzmayr“ – eine Kunstfigur, die in Augsburg längst zu einer Kultfigur geworden ist.
Bild: Silvio Wyszengrad

Vor 18 Jahren hat Silvano Tuiach die Kunstfigur erschaffen. Heute ist er damit noch immer erfolgreich – und hat mehr als 5000 Folgen für das Radio produziert.

Er ist sehr konservativ, bodenständig und tut sich schwer mit Toleranz: Die Rede ist von Walter Ranzmayr, einer Kunstfigur, mit der Silvano Tuiach vor 18 Jahren die ersten bissigen Gags durchs Radio schickte. Heute ist aus der Kunstfigur eine Kultfigur geworden. Wer Hitradio RT1 hört, der kommt um den motzigen Augsburger Ranzmayr nicht herum.

Über 5000 Folgen sind es mittlerweile, in denen Walter Ranzmayr Geburtstage, Weihnachten, aber vor allem auch den normalen Wahnsinn des Alltags erlebt und vorzugsweise mit seinen Stammtischkumpels bespricht. „Wenn man alle Augsburger über 55 durch einen Fleischwolf dreht, in Scheiben schneidet und rausbäckt, dann kommt der Ranzmayr raus“, sagt sein Erfinder Silvano Tuiach. 2002 lief die erste Folge im Radio. Als Tuiach die hörte, traute er zunächst seinen Ohren nicht. „Der Moderator damals hat den Ranzmayr unabgesprochen angekündigt mit ,Walter Ranzmayr aus dem Hochfeld‘“, erinnert sich Tuiach. „Ich dachte, wieso denn aus dem Hochfeld. Wenn, muss er aus Lechhausen oder Kriegshaber sein.“ Ranzmayr blieb aus dem Hochfeld. „Ja mei, ich dachte, ist ja wurscht für die drei Wochen, die es läuft.“

Augsburg: Silvano Tuiach hat mit 5000 Ranzmayr-Folgen produziert

Aus den drei Wochen wurden dann bekanntlich einige mehr. Inzwischen ist die Kunstfigur 18 Jahr alt - und damit quasi volljährig. Langweilig sei es nie geworden und die Ideen seien auch nie ausgegangen, sagt Tuiach. Sein Buch für Notizen hat er immer dabei und typische „Augschburger Szenen“ lassen sich überall beobachten, in der Straßenbahn, beim Bäcker oder im Wartezimmer – und die Zeitung ist ebenfalls eine Fundgrube. Aber auch die Stadtpolitik bekommt am Stammtisch immer wieder ihr Fett weg. „Ich lasse ab und zu meine eigene Meinung einfließen. Zum Beispiel, wenn die Abschaffung der Semmeltaste diskutiert wird“, sagt Tuiach.

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Wenn Tuiach von seiner Figur redet, klingt es, als würde er von einem guten Bekannten sprechen. Er kennt Ranzmayrs Essgewohnheiten – viel Fleisch – , weiß, dass er die Boshaftigkeiten seiner Frau Mathilde gegenüber im tiefsten Innern seines Herzens gar nicht so meint und ist sich sicher, dass sich Walter Ranzmayr in diesem Leben nicht mehr ändern wird. Und was haben Ranzmayr und Tuiach gemeinsam? „Ich würde mich schon als wertkonservativ beschreiben“, sagt Tuiach. „Ich hinterfrage viele Entwicklungen und sehe sie teilweise kritisch.“

Immer wieder bewegt sich die Ranzmayr-Satire nur noch knapp über der Gürtellinie. Ärger gab es aber nie. Zumindest fast nie. „Einmal habe ich meinen Text über einen Versicherungsvertreter geschrieben, der krumme Geschäfte macht, und habe ihm einen fiktiven Namen gegeben“, erinnert sich Tuiach. „Leider gab es dann jemanden im Versicherungsgeschäft, der wirklich so hieß und nicht drüber lachen konnte.“ Ein andermal musste er wegen Beleidigung Strafe zahlen. „Das würde mir heute nicht mehr passieren. Ich bin da etwas moderater geworden.“ Silvano Tuiach ist selbst in Augsburg aufgewachsen. Von sich sagt er, es gebe kaum jemanden, der den Augsburger Dialekt so gut beherrsche wie er. Dann sagt er „Schdrossaba“ und hebt bei der letzten Silbe zur Betonung den Zeigefinger.

Die Figur Walter Ranzmayr hat Kultstatus, nicht nur in Augsburg

Dass Walter Ranzmayr mittlerweile Kultstatus unter den Augsburgern besitzt, liegt wohl auch daran, dass die mürrische Art viele an Menschen erinnert, die sie kennen. „Jeder in Augsburg kennt oder begegnet mal einem Ranzmayr“, so Tuiach. Der Kabarettist geht mit seinem Programm „Geisterfahrer“ seit vielen Jahren auf Tour. Fester Bestandteil ist natürlich auch der Ranzmayr. Sein persönliches „Waterloo“, wie er sagt, erlebte Tuiach kürzlich bei einem Auftritt in einer Firma. „Im Publikum saßen fast nur junge Leute. Die fanden mich einfach nicht witzig.“

Und wo soll es noch hingehen, mit dem Ranzmayr, seiner Frau Mathilde und den Stammtischbrüdern Niederreiter und Co.? „Ich denke, der Ranzmayr wird irgendwann aussterben, genauso wie die Ranzmayrs im echten Leben“, sagt Tuiach. Im April ist Tuiach alias Ranzmayr auf Tour – natürlich auch in Augschburg.

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