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31.07.2017

Seit Jahrzehnten am Altar

Die Seniorenministranten bereiten sich auf die Messe vor.
Bild: Karmann, dpa

Religion Ministranten – das sind nach landläufiger Meinung Kinder und Jugendliche. In Stöckach ist das anders

Stöckach Wenn die Glocken der Stöckacher Kirche am Sonntagabend um 18 Uhr läuten, kommen sie zu ihrem Dienst: die Senioren-Ministranten, die in dem Ort im Landkreis Forchheim den Pfarrer bei der Liturgie unterstützen. Dass die Männer zwischen 56 und 80 Jahren beim Gottesdienst nicht in den Kirchenbänken sitzen, sondern mit dem Priester einziehen, ihm Hostien und Wein zur Gabenbereitung bringen oder bei Festgottesdiensten das Weihrauchfass schwenken, ist ein ungewöhnliches Bild in der katholischen Kirche.

Messdiener sind landläufig Kinder und Jugendliche, die nach der Erstkommunion mit dem Dienst beginnen und etwa im Alter von 18 Jahren wieder aufhören. Tatsächlich sind bundesweit etwa 98 Prozent der Ministranten Kinder und Jugendliche. Nicht so in Stöckach. 1967 hatte der damalige Pfarrer die Idee, Erwachsene als Messdiener einzusetzen. Bis heute wird das so gehalten. „Es ist eine Tradition“, sagt der 77 Jahre alte Wolfgang Riegler. „Wir machen das aus innerer Überzeugung“, ergänzt Harald Jobst. Mit 56 Jahren sei er der Junior der Truppe. „Klingt komisch – in dem Alter noch irgendwo der Jüngste zu sein“, sagt er schmunzelnd.

Der Älteste ist Richard Ruppenstein mit 80 Jahren. Sogar einen eigenen Namen hat die Gruppe: „SMS“ – Seniorenministranten Stöckach, so hat sie ein früherer Pfarrer einmal getauft. Zuweilen ministrieren die „Ü50“-Messdiener auch zusammen mit Kindern und Jugendlichen. Es ist also nicht Nachwuchsmangel, der die erwachsenen Ministranten in Stöckach Woche für Woche zu ihrem Dienst führt. Obwohl sich das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen natürlich verändert habe, räumt Riegler ein. Es gebe am Wochenende eben viele andere Freizeitangebote. Umso mehr freut es Pfarrer Andreas Hornung, dass er auf die Ministranten mit der jahrzehntelangen Erfahrung zählen kann. Wenn in Stöckach die älteren Messdiener mit den jüngeren gemeinsam am Altar stünden, sei das ein besonderes Bild: „Diese Mischung symbolisiert sehr schön die Pfarrfamilie.“

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Auch wenn er zugibt: „Zunächst war es etwas Außergewöhnliches für mich, dass die Ministranten älter sind als ich selbst.“ Zugleich praktizieren die Seniorenministranten Multi-Tasking am Altar – sie helfen dem Priester auch dabei, die Kommunion auszuteilen und tragen die Lesung vor. Einen Exoten-Status haben die Stöckacher Messdiener im Erzbistum Bamberg natürlich schon. „Ältere Ministranten sind die Ausnahme“, sagt Ministranten-Referent Tobias Bienert. In der Regel seien Messdiener zwischen 9 und 21 Jahre alt. Ältere ministrierten aber hin und wieder, wenn zum Beispiel Gottesdienste morgens während der Schulzeit seien.

Einen Nachwuchsmangel könne er überhaupt nicht feststellen: Mehr als 10000 Ministranten seien in der Erzdiözese aktiv, älter als 18 Jahre seien davon nur 702. Im größeren Erzbistum München-Freising ergab eine Zählung 22500 Messdiener. Nur ein Prozent ist älter als 27. Etwas höher als in normalen Pfarreien ist der Altersschnitt der Messdiener im Liebfrauendom in München, wie ein Sprecher bestätigt. „Viele davon sind zwischen 18 und 25 bis 30 Jahre alt, einige wenige auch älter.“

Die Senioren am Altar von Stöckach wollen ihren Dienst auf alle Fälle fortsetzen – solange es die Gesundheit zulässt. „Irgendwann wird das Hinknien nicht mehr funktionieren“, sagt Ruppenstein. Für Pfarrer Hornung wäre das aber kein Grund, die Messdiener aus ihrem Dienst zu entlassen: „Ach, auch dafür lässt sich dann eine Lösung finden, das wäre so schlimm nicht.“ Kathrin Zeilmann, dpa

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