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Augsburger Geschichte

26.02.2020

Sensation: Das erste elektrische Licht im Hotel Drei Mohren

Der mit vielen elektrischen Lampen ausgeleuchtete Festsaal des Drei-Mohren-Hotels sorgte 1882 für viel Bewunderung.
Bild: Sammlung Häußler

Plus Das "Lichtwunder" sorgte im Jahr 1882 für Aufsehen weit über die Stadt hinaus. Hessings Kurhaus-Theater in Göggingen erstrahlte 1886 in feenhaftem Licht.

Elektrisches Licht ist selbst am Fahrrad Standard. Ein Dynamo erzeugt den Strom. Radeln im nächtlichen Augsburg ist keine Fahrt im Dunkeln: Die Straßen sind durch Hochleistungs-Lampen teilweise taghell ausgeleuchtet. Elektrischer Strom macht’s möglich. Elektrizität wird als etwas Selbstverständliches, stets Verfügbares angesehen. Fällt er aus, ist Chaos angesagt.

Elektrizität ist ein brisantes aktuelles Thema: In welcher Weise soll Strom erzeugt, transportiert und genutzt werden? Elektrischer Strom ist eine Sekundärenergie. Das heißt: Stromgeneratoren benötigen zum Antrieb eine Primärenergie. Das sind heute meist Dampfturbinen. Den Wasserdampf können Atomkraft, Kohle, Öl, Gas, Abwärme aus der Müllverbrennung oder Hackschnitzel erzeugen. Alternativen dazu sind Gas- und Dieselmotoren, Wasserturbinen, Wasserschnecken und Windräder. Solarzellen erzeugen Strom ohne Umweg über einen Generator.

Elektrischer Strom als Energie hat eine relativ junge Geschichte. Ein entscheidender Schritt in der Stromerzeugung war die Entdeckung des dynamo-elektrischen Prinzips durch Werner von Siemens im Jahre 1866. Stromgeneratoren konnten nunmehr das nötige Magnetfeld mithilfe elektrischer Spulen selbst aufbauen. Zuvor waren dafür schwergewichtige Eisenmagnete nötig. „Licht und Kraft durch Elektrizität“ hieß nun die Devise. Die damaligen „Dynamomaschinen“ wurden von Wasserturbinen, Dampfmaschinen oder Gasmotoren angetrieben.

Sensation: Das erste elektrische Licht im Hotel Drei Mohren

Riedinger war Eigentümer des Drei Mohren

Die erste internationale Elektrizitätsausstellung fand im Jahr 1881 in Paris statt. Faszination löste dort die abendliche Illumination aus: Das Ausstellungsgelände war mit 1000 Glühlampen – Edison-Lampen genannt – in helles Licht getaucht. Es war eine ungeheure Werbeaktion für elektrischen Strom. Sie zeigte in Augsburg Wirkung. Der Augsburger Großindustrielle August Riedinger (1845-1919) war von der Ausstellung in Paris beeindruckt. Er orderte ein kleines Kompaktkraftwerk: Eine fahrbare Dampfmaschine mit einem durch Ledertreibriemen verbundenen Dynamo. Riedinger war Eigentümer des Augsburger Nobelhotels „Drei Mohren“. Dort ließ er die erste Hauslichtanlage Süddeutschlands einrichten.

Im überglasten Lichthof des Hotels Drei Mohren erzeugten 1882 vier elektrische Lampen eine „fabelhaft kräftige Wirkung“.
Bild: Sammlung Häußler

Am 31. März 1882 erfolgten die ersten Beleuchtungsproben. Elektrische Lampen hatten im Festsaal, im Lichthof, im Treppenhaus und am Portal die Gaslampen abgelöst. Im überglasten Lichthof „zauberten“ Zeitungsberichten zufolge Lampen eine „fabelhaft kräftige Wirkung“. Als „Lichtwunder“ wurde diese technische Errungenschaft bestaunt. Sie sorgte für Aufsehen weit über Augsburg hinaus. Das fahrbare Kleinkraftwerk wurde durch eine stationäre Anlage abgelöst. Wegen des Lärms der Dampfmaschine war sie gegen den Hoteltrakt abgeschirmt. Erst ab 1902 gab es in Augsburg Strom aus Fernleitungen. 1882 nutzte als erstes Augsburger Industrieunternehmen die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS) elektrisches Licht: Sie stellte ihre Fabrikbeleuchtung von feuergefährlichen Gasbrennern auf Elektrolampen um. Auch die AKS musste den Strom auf dem Werksgelände erzeugen. Hier stand Wasserkraft zur Verfügung.

Augsburgs Strom wurde in hauseigenen Kraftwerken erzeugt

Das Jahr 1882 ist auch für den Strom-Ferntransport bedeutsam. Die erste deutsche „Electricitäts-Ausstellung“ in München ab 16. September 1882 wurde über eine 57 Kilometer lange Fernleitung mit Gleichstrom versorgt. Damit betrieb man auf der Ausstellung als Demonstrationsobjekt die Pumpen eines Wasserfalls. Die Fernleitung bewies, dass Strom über große Entfernungen transportierbar war. In Augsburg hatte zwar 1882 Strom den Durchbruch geschafft, doch Elektrizität musste noch 20 Jahre lang in hauseigenen Kraftwerken erzeugt werden. Das hinderte Friedrich Hessing in Göggingen nicht, 1886 sein neues Kurhaus-Theater elektrisch zu beleuchten. Die Dampfmaschine zum Antrieb eines Generators befand sich im Park.

Das Aquarell überliefert das viel bewunderte „feenhafte Licht“. In ihm erstrahlte ab 1886 Hessings Kurhaus-Theater dank des elektrischen Stroms.
Bild: Sammlung Häußler

So erstrahlte das Theater in „feenhaftem Licht“, wie es 1886 hieß. 1886 fand die „Schwäbische Kreisausstellung“ auf dem heutigen Stadtgarten-Gelände statt. Auch sie war eine Demonstration für elektrisches Licht, und auch hier trieb eine Dampfmaschine einen Generator an. Er lieferte „eine Lichtmenge von 53000 Normalkerzen“.

Ab 1902 bezog Augsburg Strom aus einer Fernleitung

Die Lichteinheit „Normalkerze“ oder „Normallichtstärke“ entsprach der Helligkeit, die eine 50 Millimeter hohe Flamme einer zwei Zentimeter starken Paraffinkerze verbreitete. Die abendliche Illumination durch 23 Bogenlampen mit 500 bis 1800 „Normallichtstärken“ sowie eine große Zahl von Glühlampen in Restauration und Café sorgten für Bewunderung. Ab 1902 stand in Augsburg Strom aus einer Fernleitung zur Verfügung. Erzeugt wurde er in einem Wasserkraftwerk am Lechkanal in Gersthofen. Es ist heute noch in Betrieb und bildete die Urzelle der Lechwerke AG. Die Wasserkraft war bei der Elektrifizierung Augsburgs die wichtigste Primärenergie.

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