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Augsburg

09.12.2020

Sensationsfund: Das zeigen die 1000 Jahre alten Wandmalereien im Dom

Im Augsburger Dom wurden 1000 Jahre alte Wandmalereien entdeckt. Dieses Wandbild zeigt die Enthauptung Johannes' des Täufers.
Bild: Angelika Porst

Plus Ein Bauforschungsteam entdeckte in Augsburg das wohl älteste bekannte Zeugnis für die Ausmalung einer frühmittelalterlichen Bischofskirche nördlich der Alpen. Der kunsthistorische Schatz zeigt Schlüsselszenen.

Im Augsburger Dom versteckte sich lange ein unerkannter kunsthistorischer Schatz. Nun wurde er entdeckt und entschlüsselt. Bei Untersuchungen im südlichen Querhaus des Doms stießen Experten auf Wandmalereien zum Leben und Sterben Johannes des Täufers. Sie stammen aus der Erbauungszeit des ottonischen Doms und reichen in das erste Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts zurück. Wie das Bistum Augsburg und das Landesamt für Denkmalpflege mitteilen, handelt es sich bei diesem Bilderzyklus um das älteste bekannte Zeugnis für die Ausmalung einer frühmittelalterlichen Bischofskirche nördlich der Alpen.

Wandbilder im Augsburger Dom waren übertüncht

Die historischen Wandbilder waren übertüncht. Deshalb blieben sie lange Zeit unsichtbar. Sie seien erstmalig in den 1930er Jahren und dann in den 1980er Jahren freigelegt worden, heißt es in der Mitteilung. Damals sei deren Alter und Bedeutung nicht erkannt worden. Die kunsthistorische Erforschung des Gotteshauses machte inzwischen Fortschritte. Bei Restaurierungsmaßnahmen am Dachstuhl des Doms im Jahr 2009 stieß man auf nachweislich bauzeitliche Wandmalereien. Das warf ein neues Licht auf die älteren Entdeckungen im Querhaus. Ein Restaurierungs- und Bauforschungsteam unter der Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege konnte sie jetzt erstmalig untersuchen. Sie wurden dokumentiert, gereinigt und gesichert.

Der obere Bildteil zeigt zwei klagende Jünger stehend, vor ihnen zwei weitere, die das Grab zudecken.
Bild: Angelika Porst

Zwar sind die Farbflächen der alten Malereien stark in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem konnten die Experten zwei Szenen und Reste einer dritten identifizieren: An der Ostwand ist die Hinrichtungsszene mit einem thronenden König Herodes und der von seinen Jüngern beweinten Enthauptung des Täufers erhalten, an der Westwand die Grablegung von Johannes. Vermutlich waren an der Südwand Szenen von der Geburt und Namensgebung Johannes' des Täufers angebracht. Diese seien aber wohl Mitte des 14. Jahrhunderts beim Bau des gotischen Südfensters zerstört worden, vermuten die Fachleute. Kunsthistorisch betrachtet, habe das Dekorationssystem große Ähnlichkeiten zur Georgskirche in Oberzell auf der Insel Reichenau, die auf der Unesco-Welterbe-Liste steht.

Bistum Augsburg lobt Leistung der Restauratoren

Generalkonservator Mathias Pfeil, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, sagt: "Es handelt sich bei den entdeckten Wandmalereien um den neben Oberzell flächenmäßig größten bekannten Zyklus aus der Zeit um 1000 im deutschen Sprachraum."
 

Diese Zeichnung entstand zur Rekonstruktion des Wandbildes an der Ostwand des Südquerhauses im Augsburger Hohen Dom. Sie zeigt die Enthauptung Johannes des Täufers.
Bild: Zeichnung: Angelika Porst/ Mari

Auch im Bistum Augsburg ist man von der sensationellen Entdeckung angetan. Domkapitular Armin Zürn sagt, "die neuen Erkenntnisse, besonders die Entdeckung der Johannesvita auf der Südseite nach St. Johannes hin, sind Nachweis für die großartige Gestaltung dieses geistlichen Ortes durch die Jahrhunderte". Er spricht vor allem auch von einer großen Leistung der Restauratoren, die in den vergangenen Monaten präzise gearbeitet hätten.

Die Wandmalereien werden jetzt detailliert ausgewertet. Im Dachraum sollen weitere Untersuchungen erfolgen. Um einen vollständigeren Überblick zu bekommen, sei es wünschenswert, die Untersuchungen auf das nördliche Querhaus auszuweiten. Die aktuellen Maßnahmen wurden finanziert von der Stiftung Beate und Hans Peter Autenrieth, der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung und der Diözese Augsburg.

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