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Augsburg

21.01.2020

Sie arbeiten am neuen Amerika-Haus

Harm Ritter, Georg Feuerer und Max Lohrmann präsentieren vor dem 5. Bay der Halle 116 einen Teil ihrer gesammelten Schätze für das Amerika-Haus. Feuerer sitzt auf dem Stuhl, auf dem General Patton die Lizenz Nr. 7 erteilte.
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Harm Ritter, Georg Feuerer und Max Lohrmann präsentieren vor dem 5. Bay der Halle 116 einen Teil ihrer gesammelten Schätze für das Amerika-Haus. Feuerer sitzt auf dem Stuhl, auf dem General Patton die Lizenz Nr. 7 erteilte.
Bild: Bernd Hohlen

Zwei Vereine wollen in der Halle 116 auf dem Pferseer Sheridan-Areal ihre Leidenschaft mit ihren Besuchern teilen. Wie es mit dem „Lernort Frieden“ weitergeht.

Seit Jahren residieren die Vereine „Amerika in Augsburg“ und „American Car Friends“ in der Halle 116 der ehemaligen Sheridan-Kaserne in Pfersee. Bei einer Sonderschau auf der Frühjahrsausstellung afa im vergangenen Jahr machten sie das Publikum in einem gemeinschaftlichen Kraftakt mit dem „Augsburger American Way of Life“ und geschichtlichen Details der 50-jährigen amerikanischen Präsenz in der Stadt vertraut. Künftig wollen die beiden Vereine dieser Aufgabe das ganze Jahr über nachgehen.

Max Lohrmann von „Amerika in Augsburg“ und sein Vorstandskollege Harm Ritter von den Autofreunden sind froh über die Zusage der Stadt, ihr gemeinsames Projekt „Das neue Amerika-Haus“ in drei Abschnitten (sogenannten Bays) der lang gestreckten Halle 116 verwirklichen zu können – und das zu einer „niedrigschwelligen Miete“. Den Begriff Museum wollen sie nicht verwenden, denn er ist für sie „zu kurz gegriffen und verstaubt“. Mit dem Namen Amerika-Haus werde ohnehin an eine Tradition angeknüpft. „Die alten Augsburger kennen noch das 1. Amerika-Haus am Schmiedberg, in dem sich die Militärregierung befand“, sagt Lohrmann.

Max Lohrmann ist seit seiner Kindheit ein Amerika-Fan

Auch wenn der heute 72-Jährige wegen seiner Flugangst noch niemals den Boden der USA betrat, ist er seit seiner Kindheit ein Amerika-Fan. Die Einladung zu einer Weihnachtsfeier in der Flakkaserne legte sozusagen den Grundstein für seine Sammel- und Recherchierleidenschaft.

Riesig ist der Fundus des Vereins mit Schrift- und Fotodokumenten und einzigartigen Requisiten – so auch der Stuhl, auf dem General Patton im Oktober 1945 die Lizenz Nummer 7 für die Schwäbische Landeszeitung, die Vorgängerin unserer Zeitung, erteilte. Nur ein Teil der Sammlung habe im Amerika-Haus Platz, ist sich Lohrmann bewusst. Auch die Autofreunde um Harm Ritter müssen sich genau überlegen, welche ihrer Straßenkreuzer und Jeeps sie ausstellen wollen.

In einem ersten Schritt renovieren die Aktiven einen Hallenabschnitt, besorgen Stellwände, Vitrinen und vieles mehr. Ziel ist es, diese Themenschau – vom Einmarsch der Amerikaner über den Kalten Krieg bis zum deutsch-amerikanischen Miteinander – im April zu eröffnen. Anschließend sollen die beiden weiteren Bays hergerichtet und in Betrieb genommen werden: Dort finden sich dann einige Straßenkreuzer der „Car Friends“.

Vorschusslorbeeren für das Augsburger Amerika-Haus

Diesem Verein gehört auch Edgar Mathe an, der die Finanzierung des Gemeinschaftsprojekts im Blick hat. „Neben der Arbeitsleitung der Mitglieder und einem geringen Eigenkapital sind wir auf Sponsoren angewiesen“, sagt er. Die Akquise laufe, sei aber noch nicht abgeschlossen. Immerhin: Vom Haus der Geschichte in München habe es bereits Vorschusslorbeeren gegeben für das Vorhaben.

Am Herzen liegt den Initiatoren vor allem eines. „Das Amerika-Haus will der geplanten Erinnerungsstätte für die in Halle 116 untergebrachten Zwangsarbeiter nichts wegnehmen. „Wir werden uns gegenseitig bereichern und es wird beiden Seiten zusätzliche Besucher bringen“, ist Georg Feuerer vom Verein „Amerika in Augsburg“ überzeugt.

Kulturreferent Thomas Weitzel kennt die Vorstellungen der beiden Vereine zum Amerika-Haus. Sie seien neben dem Komplex Zwangsarbeit und KZ-Haft Teil der inhaltlichen Schwerpunkte des Konzepts zum „Lernort Frieden“ von Professor Philipp Gassert. „Wir fokussieren uns in unserer Arbeitsgruppe, der auch die Vereine angehören, ganz auf die Umsetzung einer Interimsausstellung entlang der vorgegebenen inhaltlichen Leitlinien.“ In dieser soll neben der Geschichte der Halle 116 im Nationalsozialismus auch die „amerikanische Nutzungsgeschichte“ ausführlich und facettenreich dargestellt werden.

In der Halle 116 soll es eine Interimsausstellung geben

Die Interimsausstellung soll laut Weitzel dazu dienen, den Ort auf dem Sheridan-Areal mit Inhalt zu füllen und ihn im Bewusstsein der Augsburger zu verstetigen. Denn bis die Halle 116 entsprechend saniert ist, werde noch einige Zeit vergehen. „Alle Akteure und Beteiligten teilen die Auffassung, dass erst aufbauend auf diesem Erfahrungswert eine feste Dauerausstellung sinnvoll ist und angegangen werden kann.“ Für die Sanierungsmaßnahmen an der Halle selbst müssen nach Angaben des Kulturreferenten zunächst zum kommenden Doppelhaushalt 21/22 nach einer Kostenschätzung die erforderlichen Mittel angemeldet werden.f

Einen genauen Zeitplan hat Weitzel zum jetzigen Zeitpunkt weder für die Interimspräsentation noch für die Dauerausstellung parat. Die beiden Amerika-Vereine jedenfalls wollen noch in diesem Frühjahr zumindest einen Teil ihres Amerika-Hauses für Besucher öffnen.

Lesen Sie dazu auch: Little America: Damit die Zeit der Amerikaner lebendig bleibt

Die Halle 116 in Pfersee öffnet sich

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