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Augsburg

01.04.2016

Sie bringen Strom nach Äthiopien

Die Ingenieure Christoph Brosinsky (links) und Jonas Riexinger erkundeten die Lage in der äthiopischen Schule. Sie wollen dort eine Fotovoltaikanlage errichten.
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Die Ingenieure Christoph Brosinsky (links) und Jonas Riexinger erkundeten die Lage in der äthiopischen Schule. Sie wollen dort eine Fotovoltaikanlage errichten.
Bild: Ingenieure ohne Grenzen

Ärzte ohne Grenzen kennt jeder, doch was machen Ingenieure ohne Grenzen? Die Augsburger Gruppe arbeitet mit einer afrikanischen Schule zusammen.

Die Technik der Zukunft werden Esel bringen. Die Straßen im Gebiet Onchee in Äthiopien sind so schlecht, dass Autos nicht durchkommen. In dieser Gegend gibt es keine Stromversorgung. Deswegen will die Augsburger Gruppe von Ingenieuren ohne Grenzen in ihrem ersten Projekt dort eine Schule mit einer Fotovoltaikanlage ausrüsten. Die Bauingenieurin Silke Deul gründete die Augsburger Gruppe 2013. Die Hessin hatte bei der Darmstädter Gruppe der Ingenieure ohne Grenzen begonnen, in Kenia eine Zisterne gebaut und indischen Frauen das Mauern beigebracht. Als sie vor einigen Jahren aus beruflichen Gründen nach Augsburg zog, wollte sie dieses Engagement fortführen. Inzwischen ist die Gruppe auf 15 Mitglieder angewachsen: Studenten und Ingenieure sind genauso darunter wie Nicht-Ingenieure. Auch diese können mitmachen, denn bei Ingenieure ohne Grenzen geht es nicht nur um das Aufbauen von technischen Anlagen in Entwicklungsländern, sondern der Verein entwickelt auch langfristige Nutzungskonzepte und schult Menschen in Entwicklungsländern im Umgang mit der Technik. So ist es auch mit der Solaranlage in Onchee.

Im Spalier von Schülern begrüßt

Das Projekt hatte eine äthiopische Entwicklungsorganisation vorgeschlagen. Vor einem Jahr reisten drei Augsburger nach Onchee und erkundeten die Lage. Als sie ankamen, standen über hundert Schüler Spalier. Die Augsburger untersuchten die bestehende Solaranlage, deren Kapazität nicht ausreichte, und erfuhren, wofür die Schule mehr Strom braucht: Die Lehrer möchten einen Computer benutzen und brauchen Strom für Radios, denn im äthiopischen Rundfunk werden viele Unterrichtsstunden ausgestrahlt. Die Schule benötigt außerdem Licht für Abendklassen, in denen Erwachsene Lesen und Schreiben lernen. Deshalb werden die Augsburger Akkus installieren, wenn sie die Fotovoltaikanlage aufbauen.

Sie bringen Strom nach Äthiopien

Damit die Gemeinde das Projekt als ihr eigenes ansieht und dafür Verantwortung übernimmt, muss sie einen Teil der Kosten bezahlen. Sie soll auch Geld für Reparaturen verdienen. Die Idee ist, Filme von DVD abzuspielen und Geld für den Eintritt zu verlangen. Und die Bewohner von Onchee sollen gegen Geld ihre Handys mit Solarstrom aufladen können. Die Augsburger wollen die Menschen vor Ort umfassend schulen, wenn sie die Solaranlage installieren.

Elektriker vor Ort sollen Anlage aufbauen

Die örtlichen Elektriker sollen die Anlage möglichst selbstständig aufbauen, damit sie Sicherheit im Umgang mit der Technik erlangen. Von den Augsburgern werden sie zudem lernen, wie sie die Anlage reparieren. Die Lehrer werden lernen, wie sie diese säubern, wie sie Probleme mit ihr erkennen und wie viele Geräte sie an sie anhängen können. Und den Schülern wollen die Deutschen erklären, wie Solarmodule grundsätzlich funktionieren. Der Leiter der äthiopischen Partnerorganisation, der einst als politischer Flüchtling in Deutschland studierte, soll circa einmal im Jahr nach dem Rechten schauen.

Derzeit sammeln die Augsburger Ingenieure ohne Grenzen noch Spenden, um die Fotovoltaikanlage, den Transport und die örtlichen Helfer zu bezahlen. Sie hoffen, das Geld bis Herbst einzusammeln. Wenn es soweit ist, werden drei von ihnen mit den Solarmodulen nach Äthiopien reisen. Auf den letzten Kilometern werden sie diese von einem Lastwagen auf Esel packen, und mit ihnen die Zukunft nach Onchee bringen.

Veranstaltungshinweis Die Leiterin der Augsburger Ingenieure ohne Grenzen, Silke Deul, hält einen Vortrag über die neuen Trends in der Entwicklungspolitik und konkrete Projekte ihres Vereins. Montag, 4. April, 20 bis 21.30 Uhr im Volkshochschul-Gebäude am Willy-Brandt-Platz (Raum 100/I). Eintritt: 6 Euro.

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