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Erinnerung

11.03.2015

Sie demütigten ihn bis in den Tod

Der Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer Clemens Högg im Kreis seiner Familie.
Foto: Archiv AWO Schwaben

Vor 70 Jahren ist der Augsburger Clemens Högg von den Nationalsozialisten ermordet worden. Warum wurde der gelernte Schmied gequält und getötet?

Nicht einmal eine menschenwürdige letzte Ruhestätte blieb ihm vergönnt: Clemens Högg ist in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet worden. Zusammen mit 6000 bis 7000 kranken und erschöpften Häftlingen des wegen der nahenden Front aufgelösten KZ Oranienburg-Sachsenhausen wurde er im Viehwaggon dorthin gebracht. Seine Spur verliert sich im Grauen der letzten Tage des NS-Regimes: Irgendwo in der Anonymität der Heide um Bergen-Belsen wird er begraben sein. Die Erniedrigung des Clemens Högg nahm damit auch nach dem Tod kein Ende. Nach der Befreiung des KZ Bergen-Belsen durch die Engländer wird sein Todesdatum von Amts wegen auf den 11. März 1945 – vor jetzt 70 Jahren– festgesetzt.

Bergen-Belsen war für ihn der schreckliche Endpunkt einer langen Leidenszeit. Sie begann im KZ Dachau, ehe er ins Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen deportiert wurde. Dort wurde er so gequält und geschlagen, dass er fast erblindete und ein Bein amputiert werden musste. Warum musste der 1880 im württembergischen Wurzach geborene Clemens Högg diesen Leidensweg auf sich nehmen?

Der gelernte Schmied war damals der bedeutendste Sozialdemokrat in ganz Schwaben und deshalb besonders dem Hass der Nationalsozialisten ausgesetzt. Als Vorsitzender der SPD in Schwaben war er zudem Gründungsinitiator der schwäbischen und der Augsburger Arbeiterwohlfahrt.

Zunächst wirkte er in Neu-Ulm, wo er in schwierigen Zeiten das Bürgermeisteramt ausübte und ebenfalls die AWO gründete. Als er beruflich zur Augsburger MAN wechselte, engagierte er sich dann in Neu-Ulm und in Augsburg: In beiden Städten half er nicht unwesentlich mit, dass die Wirrnisse der Räterepublik zu keinen größeren Schäden führten. Bis 1933 war er dann Mitglied des Bayerischen Landtags und des Augsburger Stadtrats. Und wie könnte es anders sein: Im Landtag entscheidet er sich für die Mitgliedschaft im Ernährungsausschuss: Die Probleme der Kleinen Leute waren für ihn der Maßstab seines Handelns.

Und praktisch war er veranlagt: Mit eigenen Mitteln erwarb er im Staudenort Mickhausen ein Anwesen, in dem bedürftige Augsburger Kinder Erholung finden konnten. Dass dies den NS-Gewaltigen ein Dorn im Auge war, ist klar: Das Heim wurde enteignet. Hierdurch wird gleichsam der Anfang vom schlimmen Ende symbolisiert: Der Missachtung fremden Besitzes folgte bald die Vernichtung von Menschen, die nicht ins Weltbild passten. Und auch der Schwabe Clemens Högg muss so sein Leben für ein besseres Deutschland lassen.

Am Freitag, 13. März, findet ab 11 Uhr im Augsburger Rathaus eine öffentliche Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Todestages von Clemens Högg statt.

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Der Verfasser – der ehemalige Augsburger Stadtdirektor Heinz Münzenrieder – hat sich als Vorsitzender der AWO in Schwaben schon mehrfach in Veröffentlichungen mit dem Schicksal von Clemens Högg befasst.

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