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Premiere

03.06.2015

Sie erzählen vom Glück

Das Junge Theater Team, das Jugendtheater des Theaters Augsburg, hat gemeinsam mit dem Verein „Tanz und Schulen“ und dem Förderzentrum „Hören“ das neue Stück „Ich weiß nicht, ob ich jemals eine Wolke essen will“ einstudiert.
Bild: Nik Schölzel

Das Junge Theater Team geht neue Wege: In der aktuellen Produktion verbindet es Schauspiel, Musiktheater und Tanz

Facebook“ auf Gebärdensprache geht so: Man hält die flache Hand seitlich ans Gesicht und wedelt vor und zurück – „Gesicht“ und „Buch“ gleich Gesichtsbuch. Noch mehr spannende Ausdrücke in Gebärdensprache sowie Hörbares von laut bis leise und viel zu sehen gibt es am Donnerstagabend bei der Premiere von „Ich weiß nicht, ob ich jemals eine Wolke essen will“ auf der Brechtbühne des Theaters Augsburg. Das Junge Theater Team JTT führt diesmal Schauspiel und Musiktheater zusammen und kooperiert außerdem mit dem Verein „Tanz und Schule“ und dem Förderzentrum „Hören“.

„Es war ein lange gehegter Wunsch, das komplette Gesicht unseres Drei-Sparten-Hauses auch in der Jugendarbeit abzubilden“, erzählt Leiterin Nicoletta Kindermann. Ein riesiges Projekt, das alles zusammen zu bekommen, zumal kein fertiges Stück einstudiert wurde, sondern der Theaternachwuchs selbst eines erarbeitet hat. Aber Kindermann hat die Ausgangsfrage an die Jugendlichen auf die Essenz des Daseins gebracht, und von da ausgehend konnte sie gut einen Theaterabend mit vielfältigen Aspekten entwickeln: Warum lebt ihr gerne, was macht euch glücklich? Das waren die Fragen, die sie ihrem Ensemble gestellt hat.

Die Antwort ist bei den 20 JTT-lern und den zehn Jugendlichen mit Gehöreinschränkung ziemlich ähnlich: Glücklich machen Beziehungen zu anderen Menschen, Neue Medien und vor allem Musik – gerade auch diejenigen vom Förderzentrum. Für sie ist es noch wichtiger, Projekte gemeinsam anzugehen und sich auf Freunde verlassen zu können. Da bot die Anfrage von „Tanz und Schule“ eine Gelegenheit, verschiedene Tänze und kurze Szenen rund um ihre Vorstellung von Glück zu entwickeln und sie in gemeinsamer Probenarbeit mit den Ansätzen des JTT zusammenzufügen.

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„Für unsere Jugendlichen war es ein Welten-Hopping, bei diesem Projekt mitzumachen“, erzählen die Tanzpädagoginnen Antje Papke und Carina Dannowski. „Sie hatten tolle Ideen, zum Beispiel haben sie den Song ,Happy‘ selbst in Gebärdensprache übersetzt.“ Ausgehend von biografischem Material – wie der Erinnerung an den ersten Kuss – und ausgehend von der Vorstellung einer idealen Welt (gefolgt von der Frage, ob sie langweilig wäre), gibt es Schauspiel-Szenen, Lichtprojektionen, Gesang, rhythmische Elemente und vieles mehr.

Den Jugendlichen (alle Teilnehmer sind zwischen 10 und 26 Jahre) wird oft vorgeworfen, unpolitisch zu sein. „Sind sie aber gar nicht“, findet Nicoletta Kindermann. „Sie sehen natürlich, dass man die Welt noch verbessern kann, aber sie machen das anders als wir. Während meiner Jugend in Norddeutschland ging ich wie alle aus meiner Schule auf jede Demo gegen Gorleben und anderes.“ „Das machen wir heute tatsächlich nicht mehr“, erzählt die 20-jährige Berna Celebi, „da hat sich durch die Proteste der Generation vor uns vieles positiv entwickelt. Die Sachen, gegen die man eine Revolte betreiben könnte, haben sich verändert. Vieles ist entweder weit weg, wie Kinderarbeit, oder findet im Netz statt. Stichwort Missbrauch von Datenbanken.“ Da kommen für die Jugendlichen als Lösung die Neuen Medien ins Spiel: „Wir unterstützen online Aktionen von Greenpeace oder Petitionen gegen Kinderarbeit.“

Statt auf die Straße gehen sie ins Theater, um sich mit den großen Fragen des Lebens zu beschäftigen, und bauen alles, was sie glücklich macht – Freunde, Musik, Medien – in das Projekt ein. Die große Kooperation fanden alle 30 Jugendlichen spannend und bereichernd. Nicht nur, weil jetzt alle „Facebook“ gebärden können.

von „Ich weiß nicht, ob ich jemals eine Wolke essen will“ findet am 4. Juni um 19 Uhr auf der Brechtbühne statt. Weitere Vorstellungen sind am 8. und 26. Juni sowie am 4. Juli jeweils um 19.30 Uhr angesetzt. Für die Premiere gibt es nur noch Restkarten.

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