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Musik

13.04.2015

„Sie ist so schön, so verständnisvoll“

Sechs Gitarrenbauer präsentierten im Leopold-Mozart-Zentrum ihre Instrumente. Darunter fand sich auch die abgebildete historische Laute.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Verhältnis von Gitarrist zu Gitarre ist intensiv. Fasziniert deshalb der Klang des Instruments so sehr?

Die Zuhörer halten den Atem an. Pavel Steidl, ein Meister der klassischen Gitarre, entlockt seinem Instrument gerade die schönsten Töne. Von einer Fülle, wie sie nicht besser passen könnte zur Verspieltheit und Pracht des Rokokosaals der Regierung von Schwaben, wo dieses Konzert im Rahmen des 4. Internationalen Gitarrenfestivals stattfindet. Der Klang der Gitarre kann betören. Was macht ihn so faszinierend? Eine Spurensuche während des Festivals.

Der Tscheche Pavel Steidl leitet sein Konzert mit Menuetten von Fernando Sor (1778–1839) ein. Zurückhaltend, leise beginnt das Spiel auf einer Gitarre, die mit ihrem kleineren Korpus Instrumenten des frühen 19. Jahrhunderts nachempfunden ist. Steidl entfaltet darauf eine filigrane, kunstvoll gewirkte Welt der Töne.

Zu bewundern sind weitere Instrumente. Gitarrenbauer stellen im Foyer des Leopold-Mozart-Zentrums ihre Arbeiten aus und erzählen von ihrem Handwerk. Der eine oder andere Gitarrist probiert eine Gitarre aus, spielt Melodien an, horcht darauf, wie sich der Ton entwickelt, welchen Anschlag die Saiten brauchen, um so zu klingen, wie es der je eigenen Vorstellung entspricht. Es ist keine leichte Aufgabe, Instrument und Musiker zu einer idealen Liaison zusammenzubringen. „Die Entwicklung einer Gitarre ist wie die Geburt eines Babys“, sagt Tino Battiston, ein junger Gitarrenbauer aus Frankreich. „Ich helfe dem Spieler, das Instrument zum Leben zu erwecken.“ Dazu muss er den Gitarristen kennenlernen. Welches Repertoire spielt er? Was für einen Anschlag hat er? Was sind die körperlichen Voraussetzungen? Aus diesem Wissen, verbunden mit den besten Klanghölzern und handwerklichem Geschick, entstehen die Instrumente.

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Die Beziehung des Künstlers zu seinem Instrument ähnelt einer Liebesbeziehung. Nur wenn beide harmonieren, aufeinander eingespielt sind, entfaltet sich der Klang. „Als Gitarrist bin ich an meinem Instrument nah dran, mit meinen Fingern direkt an den Saiten und somit auch unmittelbar an der Tonproduktion“, sagt Gitarrist Takeo Sato, der mit seinem Kollegen Dimitri Lavrentiev – beide sind Gitarrendozenten am Leopold-Mozart-Zentrum – das Festival auf die Beine gestellt hat. „Es gibt kaum ein vergleichbares Instrument, das einen so intimen, farbenreichen Klang hat“, meint Sato. Wie bei einer guten Beziehung sei es aber auch hier notwendig, füreinander Zeit und Mühe zu investieren. Sein Kollege Dimitri Lavrentiev sagt über seine Gitarre: „Sie ist so schön, so verständnisvoll, sie unterstützt mich.“ Es klingt wie eine Liebeserklärung an eine Frau. Der Klang der Gitarre erzeuge Wärme, die die Herzen der Zuhörer rührt, so Lavrentiev.

Zu erleben ist das auch beim Konzert des kroatischen „Split Guitar Quartets“ in der Neuen Stadtbücherei. Es zeigt eine weitere Besonderheit der Gitarre, derer sich die vier jungen Künstler meisterhaft bedienen: Die Gitarre kann wegen ihrer großen Farbenvielfalt ein ganzes Streichorchester ersetzen – zu hören bei Sätzen aus dem Konzert G-Dur von Georg Philipp Telemann. Ihr Klang kann so authentisch gestaltet werden, dass man bei Leo Brouwers Komposition „Kubanische Landschaft mit Regen“ im Konzert unwillkürlich einen Schirm aufspannen will. Faszinierend, dieser Klangreichtum.

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