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Mozart@Augsburg

08.09.2017

Sie pflegen die Lust des Entdeckens

Einen erfrischenden Umgang mit den großen Meistern zeigten Pianist Martin Stadtfeld und Cellist Jan Vogler.
Bild: Wolfgang Diekamp

Jan Vogler und Martin Stadtfeld bezaubern an Cello und Klavier mit Bach, Mendelssohn und Beethoven

Sie gelten als Künstler, die überragendes musikalisches Handwerk in den Dienst eines erfrischenden Umgangs mit den großen Meistern stellen. Den Cellisten Jan Vogler, der als 20-Jähriger Erster Konzertmeister der Staatskapelle Dresden wurde, dann die solistische Karriere beschritt, zeichnet ebenso die Lust am Entdecken aus wie Martin Stadtfeld. Der Pianist wird für seine Bach-Interpretationen gerühmt wie für seinen Zugang zur deutschen Romantik. Bei mozart@augsburg präsentierte sich das Duo im Kleinen Goldenen Saal mit Bach und Mendelssohn im ersten Teil, und ließ nach der Pause den Abend kulminieren mit Beethoven.

In Bachs „Gambensonate“ Nr. 2 D-Dur BWV 1028 beziehen Vogler und Stadtfeld natürlich die nicht mehr verzichtbaren Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis ein. Doch sie finden mit modernem Konzertflügel und Cello einen neuen Ausdruck. Wie der Cellist die Töne der langsamen und lebhaften Bauteile sanft tuscht, in die Stille nachhallen lässt und ohne Vibrato modelliert, ahmt den Gambenton nicht als bloße Illustration nach, sondern führt zu einer eigenen bezwingenden, fast sachlichen Poesie. Sie zaubern mit zeitloser Spiellust Musik pur. Stadtfeld transportiert auf dem Flügel keine mühevoll imitierten Cembalo-Masken, sondern versetzt mit seinem Partner den Kern Bach’scher Substanz in subtil bebende Schwingungen.

Diesen intimen Klangräumen ließen Jan Vogler und Martin Stadtfeld die bildstarken Eingebungen von Felix Mendelssohn folgen. Seine D-Dur-Sonate Nr. 2 machten sie zu einem Stück Romantik, das von stürmischem Vorwärtsdrang ebenso geprägt ist wie von zart huschenden Szenerien und balladenhaften „Erzählungen“. Die furiosen Tempoläufe mit aberwitzigen Triolen-Schleiern und Mendelssohn’scher Presto-Wut in den Ecksätzen wurden nicht zum zirzensischen Technik-Kraftakt, sondern bekamen mit eleganten Phrasierungsmomenten Leichtigkeit. Der Arpeggio-Introduktion im Adagio mit Harfengebärde durch das Klavier, eine echte Troubadour-Szene, ließ Vogler eine schimmernde Ballade folgen, bevor im Finale wieder die „Sommernachtstraum“-Geister flirrten und spukten.

Die zwölf Variationen über Händels „See, the Conqu’ring Heros comes“ aus „Judas Maccabäus“, in Deutschland auch vertraut als das adventliche „Freu dich, Tochter Zions“, gab dem Duo Gelegenheit, Ludwig van Beethovens Formkunst brillant und transparent zu demonstrieren, ein lustvolles Spiel mit einem schlicht herzlichen Thema, das die verschiedensten Gestalten annehmen darf. Die abschließende A-Dur-Sonate op. 69 gehört zu Beethovens bedeutendsten Kammermusikwerken. Der einleitende Satz öffnet im Cello mystisch aufblühende Sphären, in die Bachs sublim eingewebter Choral „Es ist vollbracht“ aus der Johannespassion aufscheint und die spirituelle Ebene ausbreitet, eine Melodie, die auch auf die gesanglichen Hauptthemen abfärbt. Das Scherzo war in metallisch geschliffenen Pianissimo-Teilen gezaubert. Nach dem gebethaften Adagio türmte sich das Finale zum mächtigen Drama auf, das trotzdem geradezu tänzerische Lust versprühte. Beifallsstürme, denen als Zugaben ein brillant rabiater Schostakowitsch und Schumanns Abendlied folgten.

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