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Augsburg

26.01.2021

Sie will eine Tagespflege eröffnen – und auch Schicksalsschläge stoppen sie nicht

Svetlana Hofmann steckt voller Tagendrang. Bislang konnte sie allerdings in ihrer neuen Tagespflege nicht durchstarten.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Gemeinsam mit ihrem Mann plant Svetlana Hofmann, in Inningen eine Tagespflege zu eröffnen. Dann stirbt er. Nun bereitet ihr die Corona-Pandemie Sorgen.

Es war ein gemeinsamer Traum. Aus der ehemaligen neuapostolischen Kirche im Augsburger Stadtteil Inningen wollten Reinhold und Svetlana Hofmann etwas Besonderes machen: eine Tagespflege für Senioren. Der Architekt übernahm die Planung und Gestaltung der Räume, seine Frau Svetlana, eine gelernte Krankenschwester, übernahm das Konzept. In dem Gebäude konnten sich beide verwirklichen. "Es ist schon eine außergewöhnliche Immobilie, die wir gekauft hatten. Aber genau das hat meinen Mann gereizt", sagt sie. Ihr wiederum gefiel die Idee, dort mit der Tagespflege selbst etwas auf die Beine stellen zu können. Das sei vielleicht etwas "naiv" gewesen, sagt sie rückblickend. Doch die 52-Jährige biss sich durch und setzte ihre gemeinsamen Pläne um - trotz aller Rückschläge.

Sie arbeitete als Krankenschwester an der Uniklinik

Svetlana Hofmann hatte zuletzt sieben Jahre als Krankenschwester in der Neurologie der Uniklinik gearbeitet. Die Arbeit habe ihr immer Freude bereitet, sie habe sich aber auch gerne neuen Herausforderungen gestellt und sich unter anderem zur Fall-Managerin fortbilden lassen. Schließlich wollte sie gemeinsam mit ihrem Mann "ihr eigenes Ding" machen. Reinhold Hofmann arbeitete als Architekt. Mit dieser besonderen Immobilie habe er sich selber verwirklichen wollen. Dann wurde ihr Mann schwer krank. Die beiden gaben ihren Traum dennoch nicht auf. "Wir haben uns vorgestellt, dass er schließlich selber die Tagespflege besuchen kann und so durch die anderen Gäste gleichzeitig Gesellschaft hat", berichtet seine Frau. Soweit kam es nicht mehr. Im vergangenen Jahr starb Reinhold Hofmann.

Ein Jahr lang hatte seine Frau die gesamte Pflege selber übernommen und brauchte nach seinem Tod auch erst einmal Zeit, um selber wieder auf die Beine zu kommen. Ihre gemeinsame Idee verwirklichte sie schlussendlich trotzdem. Für die Tagespflege mussten viele Auflagen erfüllt und Konzepte geschrieben werden. Rückendeckung erhielt sie von den Nachbarn, die das Projekt unterstützten.

Es gibt 16 Tagespflegen für Senioren in Augsburg

Der Bedarf an Tagespflegen habe in Augsburg zugenommen, bestätigt der städtische Sozialplaner Klaus Kneißl. "Inzwischen gibt es 16 Tagespflegen mit insgesamt 220 Plätzen", sagt er. Die Bandbreite sei sehr groß: Es gebe Einrichtungen von sozialen Trägern, wie der Caritas oder der Arbeiterwohlfahrt (AWO), aber auch eine Vielzahl privat geführter Unternehmen. Das hänge mit der Novellierung des Pflegeversicherungsgesetzes zusammen. dadurch wurde die Finanzierung des ambulanten Pflegebereichs gestärkt, so der Fachmann.

Das ehemalige Kirchengebäude in der Inninger Kleestraße wurde zu einer Tagespflege umgebaut.
Foto: Silvio Wyszengrad

Durch die Veränderung von drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade ist der Umfang der Leistungsempfänger vergrößert worden. Gleichzeitig wurden die Pflegegrade 1 bis 3 finanziell so gut gestellt, dass man durch Kombinationen verschiedener Leistungen - beispielsweise eine Pflegesachleistung durch eine Sozialstation mit der Tagespflege - eine bessere Finanzierung erhält, als dies im vollstationären Bereich, also in einem Heim, möglich wäre. "Das hat Auswirkungen auf den Markt, was sich auch in der Zunahme von Sozialstationen bemerkbar macht. In Augsburg gibt es inzwischen über 70 ambulante Pflegedienste", informiert Kneißl. Sozialstationen und Tagespflegen würden es den Menschen ermöglichen, länger zu Hause wohnen bleiben zu können.

Bislang wenig Anfragen aufgrund der Corona-Pandemie

Das ist auch einer der Gründe, warum Svetlana Hofmann in eine Tagespflege investiert hat - das Menschen so lange es geht in ihrem gewohnten Umfeld leben können und trotzdem gut versorgt sind. 20 Plätze könne sie nun in ihrem "Haus Klee - Teilstationäre Pflege" anbieten. Die Räume sind modern und gemütlich eingerichtet. Es gibt eine große offene Küche, wo die Gäste einmal "Teil des Geschehens" sein sollen, so Svetlana Hofmann und beim Kochen und Backen mithelfen oder zusehen können. Es gibt einen Kamin samt Liegesesseln und einen großen Garten. "An alles wurde gedacht. Mein Vater hat mir nun auch fahrbare Schutzwände angefertigt, die zwischen die Tische gestellt werden können. Sämtliche Corona-Vorschriften werden eingehalten", sagt sie.

 

Doch noch ist nicht viel Leben eingezogen. Aufgrund der Pandemie hat die 52-Jährige einen schweren Start. Eigentlich habe sie bereits im Dezember eröffnen wollen, doch aufgrund des Lockdowns habe sie ihre Eröffnungstermin zwischenzeitlich verschoben. Ende Januar könnte es nun losgehen. "Es ist wohl der Pandemie geschuldet, dass die Nachfrage bislang verhalten ist", sagt sie. Viele Senioren samt ihrer Angehörigen würden sich nun sehr vorsichtig verhalten. Das ist Svetlana Hofmann bewusst. Dennoch hofft die Geschäftsführerin und künftige Pflegedienstleitung, bald durchstarten und die gemeinsame Idee, die sie mit ihrem Mann vor vielen Jahren hatte, letztlich verwirklichen zu können. "Wir hatten schon einige Anfragen für einen Probetag. Ich bin mir sicher, dass wir bald öffnen können", sagt sie und will sich von den Auswirkungen der Corona-Krise nicht unterkriegen lassen.

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