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02.09.2016

Sieben Freunde in aller Welt

Eine kleine Ausstellung in einem der Fürstenzimmer des Rathauses dokumentiert die Entstehung der Städtepartnerschaften. Augsburg hat sieben Partner in der ganzen Welt, manche Verbindung wird intensiver, manche weniger intensiv gelebt.
Bild: Annette Zoepf

Die mögliche Verbindung Augsburgs mit der syrischen Kommune Qamishli lenkt den Blick auf die sieben bestehenden Städtepartnerschaften. Dabei gibt es durchaus große Unterschiede

Von Michael Hörmann

Den Goldenen Saal im Augsburger Rathaus kennt wohl jeder. Ebenfalls im zweiten Stock des Gebäudes ist ein Nebenraum, der vielen Augsburgern womöglich wenig vertraut ist. Bei Veranstaltungen im Goldenen Saal ist er geschlossen, doch an normalen Tagen besteht Zutritt zum hinteren Fürstenzimmer. Ein orangefarbenes Schild weist den Weg zu den „Freunden in aller Welt“. Dahinter verbergen sich Geschichte und Geschichten der Stadt Augsburg mit ihren Partnerstädten. Sieben sind es an der Zahl. Auf Schautafeln wird informiert, wo die Orte liegen. Eine Vielzahl an Zeitungsausschnitten dokumentiert die Kontakte über mehrere Jahrzehnte hinweg. In Vitrinen sind zudem Gastgeschenke der Partnerstädte ausgestellt. Es ist für Betrachter eine durchaus spannende Zeitreise.

Augsburgs Städtepartnerschaften sind in den zurückliegenden Wochen wieder verstärkt in den Blickpunkt gerückt, da sich womöglich ein neuer Kontakt anbahnt. Die Stadt Qamishli (auch Kamishli) liegt im mehrheitlich von Kurden bewohnten Grenzgebiet zur Türkei im Nord-Osten Syriens. Sie ist somit im Kriegsgebiet. Derzeit wird von Seiten der Stadt Augsburg geprüft, wie ein solcher Kontakt aussehen könnte. Das Bundesentwicklungsministerium würde die Verbindung unterstützen. Zwischenzeitlich wird allerdings deutlich, dass es sich um keine Städtepartnerschaft in der bisher bekannten Form handeln würde. Daran sei auch nicht gedacht, erläutert Oberbürgermeister Kurt Gribl. Genau gesprochen geht es um eine „Entwicklungspatenschaft“. Dies sei so zu verstehen, dass sich Augsburg um konkrete Hilfsangebote für die syrische Stadt einsetzen könnte. Es gehe um die Daseinsvorsorge, also den Bau von Wasserleitungen oder Straßen. „Die helfende Hand steht im Vordergrund“, nennt es Gribl. Vor politischen Entscheidungen soll das Thema allerdings in einer internen Runde beraten werden. Der Ältestenrat – das Gremium, in dem neben den Bürgermeistern die Vorsitzenden der Rathausfraktionen sitzen – wird sich zu gegebener Zeit damit befassen. Akuter Handlungsbedarf bestehe nicht, heißt es bei der Stadt.

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Keine Konkurrenz zu den anderen Partnern

In Konkurrenz zu den sieben Städtepartnerschaften würde Qamishli folglich nicht treten – zumal es momentan auch schwer vorstellbar ist, mit einer Stadt in einem Kriegsgebiet einen Austausch von Bürgern zu pflegen. Denn dieser persönliche Kontakt über Ländergrenzen hinweg ist von Anfang an das Ziel gewesen, warum Augsburg immer wieder neue Partnerschaften einging. Angestoßen wurde alles im Jahr 1956 – also vor genau 60 Jahren. Es war die Zeit, als die erste Partnerschaft besiegelt wurde. Die schottische Stadt Inverness, die nahe an Loch Ness liegt, ist es gewesen. Das Jubiläum wird in diesem Jahr gefeiert. Im Mai war eine kleine Delegation aus Schottland zu Gast in Augsburg, angeführt von Bürgermeisterin Helen Carmichael. Nächste Woche reist eine mit vier Personen offiziell besetzte städtische Delegation zum Gegenbesuch. Mit dabei sind Bürgermeister Stefan Kiefer, die Stadträte Pia Haertinger und Günter Göttling sowie Dieter Saborowski, der im OB-Referat für die Städtepartnerschaften zuständig ist. Im Oktober folgt eine weitere offizielle Reise in eine Partnerstadt. Dann geht es nach Amagasaki in Japan. Anlass ist das 100-jährige Bestehen der Stadterhebung.

Nicht das zentrale Anliegen

Diese offiziellen Reisen sind laut Saborowski aber nicht das zentrale Anliegen der Verbindungen. „Wir von Seiten der Stadt sehen uns in der Vermittlerrolle, wir wollen die Bürger zusammenführen.“ Das OB-Referat stehe mit Rat und Tat zur Seite, wenn Vereine oder Organisationen den Kontakt zu Partnerstädten suchen. Ansprechpartner werden vermittelt. Es bleibt nicht bei guten Ratschlägen. Mitunter gibt es auch eine finanzielle Unterstützung. Der Jahresetat für die Städtepartnerschaft schwankt – je nach Zahl der Veranstaltungen und Besuche. Es ist im Durchschnitt ein fünfstelliger Betrag im unteren Bereich, den sich die Stadt die Partnerschaften kosten lässt. Jugendaustausch, Vereinsausflüge, aber auch wirtschaftliche Beziehungen sind seit jeher die Hauptthemen, warum es überhaupt zu Reisen kommt. Was viele dabei überraschen mag, sagt Saborowski, ist der enge Draht mit Jinan in China. Diese Beziehung, die im September 2004 besiegelt wurde, entwickle sich hervorragend – speziell auf der wirtschaftlichen Schiene. Es ist zudem so, dass 200 junge Menschen aus Jinan ein Semester lang in Augsburg studieren.

Deshalb ist der Austausch mit Jinan, der französischen Stadt Bourges und der tschechischen Stadt Liberec/Reichenberg intensiver als mit den anderen Städten. Bei Dayton (USA) sowie Amagasaki und Nagahama (beide Japan) mag es in der Distanz begründet sein. Näher liegt geografisch Inverness – dennoch sind die Beziehungen etwas abgeebbt. Mag sein, dass das Jubiläum diese Beziehung ankurbelt. Das nächte Jubiläum gibt es im kommenden Jahr: Die Beziehung mit Bourges besteht dann seit 50 Jahren.

Kontakt Telefonisch bei der Stadt unter 0821/3242117 oder Mail unter partnerstaedte@augsburg.de

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