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Augsburg

28.10.2015

Sina Trinkwalder führt ihr Textilunternehmen ungewöhnlich

Die Art, wie Sina Trinkwalder ihre Firma Manomama führt, widerspricht den gängigen Firmenregeln. Dennoch ist sie damit erfolgreich und wurde für das Konzept ausgezeichnet.
Bild: Annette Zoepf, epd

Textilunternehmerin Sina Trinkwalder führt ihre Firma Manomama entgegen der gängigen Regeln und ist damit erfolgreich. Es gibt keine Bewerbungsgespräche und regionale Lieferanten.

Der Gemeinschaftsraum hat den Charme einer Studenten-WG: Auf dem langen Naturholztisch liegt ein offenes Päckchen Zucker, an einem Regal hängt einsam ein Männerhemd auf einem Bügel, aus einer Wand ragen Kabel heraus. Aus dem Büro nebenan tritt Sina Trinkwalder. „Wir duzen uns hier alle“, sagt sie und streckt dem Besucher zur Begrüßung die Hand hin: „Ich bin die Sina.“

„Die Sina“ ist 37 Jahre alt, trägt Jeans und Turnschuhe – und ist Chefin des Augsburger Öko-Textilunternehmens „Manomama“. Vor fünf Jahren hat Trinkwalder das Unternehmen gegründet. Angefangen hat sie alleine, nur mit einer Nähmaschine. Heute setzt Manomama acht Millionen Euro im Jahr um und hat gut 150 Beschäftigte. Die meisten davon sind Menschen, die anderswo keinen Job bekommen: „Meine Idee war es, ein Unternehmen für diejenigen zu machen, die sonst keiner einstellt.“

Alleinerziehende und Menschen mit psychischen Problemen als Mitarbeiter

Bei Manomama arbeiten Alleinerziehende ebenso wie Menschen, die nicht lesen und schreiben können, Menschen mit psychischen Problemen oder mit Migrationshintergrund. „Die Leute kommen zu uns, weil sie hier eine Chance bekommen“, sagt Trinkwalder. Die Augsburgerin ist dafür schon mehrfach geehrt worden. Diesen Samstag bekommt Trinkwalder in Frankfurt am Main nun den Deutschen Fairness-Preis verliehen.

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Mit ihrem Einsatz für benachteiligte Menschen und ökosoziale Textilien setze Trinkwalder „vorbildliche Signale für eine umfassend verstandene Fairness-Praxis“, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung. Der Preis freue sie ganz besonders, meint die Firmenchefin, weil damit „unsere Art des Wirtschaftens anerkannt wird.

Es ist ein Zeichen, dass wir ernst genommen werden.“ Das war nicht immer so. Als Manomama vor fünf Jahren startete, gaben Branchenkenner dem Unternehmen kein Jahr. Tatsächlich widerspricht die Art, wie Trinkwalder ihre Firma führt, nahezu allen gängigen Firmenregeln. Bewerbungsgespräche gibt es bei Manomama keine. „Unser einziges Einstellungskriterium ist der Posteingangsstempel“, sagt Trinkwalder.

Unbefristeter Job und mindestens zehn Euro Stundenlohn

Die Bewerbung, die am längsten daliege, werde genommen. Jede Kandidatin – es sind vor allem Frauen – bekomme sofort einen unbefristeten Job und mindestens zehn Euro Stundenlohn. Außerdem könne sich jeder die Arbeitszeit und die Art des Jobs selbst aussuchen. „Du musst den Menschen vertrauen“, sagt Trinkwalder, „dann liefern sie auch gute Arbeit ab.“

Zum Konzept von Manomama gehört auch, dass die Stofftaschen und die Kleidung, die das Unternehmen fertigt, ökologisch und mit regionalen Zulieferern hergestellt werden. „Sehen sie sich den einmal an“, sagt Trinkwalder und hält ihren grauen Schurwollmantel in die Höhe. „Die Wolle dafür stammt von der Herde eines Schäfers hier ganz in der Nähe.“

Zulieferer maximal 300 Kilometer entfernt - nur Baumwolle stammt aus Tansania

Keiner der „Partner in der Lieferkette“, wie Trinkwalder ihre Zulieferer nennt, sei mehr als 300 Kilometer entfernt. Nur die Biobaumwolle stamme aus Tansania. Auch solche Rohstoffe, die es regional nicht gebe, müsse man „mit Respekt und zu fairen Preisen“ einkaufen, meint Trinkwalder: „Wir handeln mit keinem unserer Partner: Jeder bekommt den Preis, den er verlangt.“

Dass die Produkte der Firma dennoch erschwinglich sind, liege daran, dass die eigenen Gewinnmargen gering seien, erläutert die Unternehmerin. In der Verwaltung arbeiteten nur drei Mitarbeiter, der Rest produziere. Werbung gebe es keine. Statt teurer Models präsentieren die Arbeiterinnen im Internet die Manomama-Mode selbst. „Meine Ladys“ und „meine Familie“ nennt Trinkwalder sie – und fügt hinzu: „Das Schönste ist, dass diese Gemeinschaft funktioniert.“ Andreas Jalsovec, epd

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