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ProjektAugsburger Allgemeinen

15.05.2015

So anziehend ist die Zeitung

Was man aus Zeitungen nach dem Lesen nicht alles machen kann: Sandra Untenberger hat ein Kleid aus Zeitungen kreiert, das auf diesem Bild ein Modell trägt. Auch Wimpern aus Zeitungspapier entstanden.
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Was man aus Zeitungen nach dem Lesen nicht alles machen kann: Sandra Untenberger hat ein Kleid aus Zeitungen kreiert, das auf diesem Bild ein Modell trägt. Auch Wimpern aus Zeitungspapier entstanden.

Sandra Untenberger hat aus alten Ausgaben der

Nachdem die Hamburger Zeit mehrfach zu „The World’s Best Designed Newspaper“ gekürt worden war, steckte sie für eine Kampagne ein Männer-Model in einen maßgeschneiderten Anzug aus Zeitungen. Dass auch die Augsburger Allgemeine kleidsam sein kann, zeigt eine Kreation von Sandra Untenberger: Ein aufwendiges Kleid samt Schmuck und Wimpern aus Zeitungen hat die Make-up-Artistin geschaffen und gemeinsam mit dem Fotografen Tom Ludwig in Szene gesetzt.

Eine Korsage mit Fischgrat-Geflecht, üppiger Rose am Ausschnitt und richtiger Schnürung, ein ausgestellter Fransenrock mit teils schneckenartig gebogenen Enden – irgendwo zwischen Moulin Rouge und Tim Burton spielt der Stil des Zeitungskleides: sexy, märchenhaft und ein bisschen gothic. Das ist kein Zufall, denn Untenberger, die eigentlich bei einem Fitnessgeräte-Hersteller arbeitet, absolviert online eine Ausbildung zum Special Effects Make-up-Artist nach Kursen der Hollywood-Legende Dick Smith: „Ich mag alles Ungewöhnliche und gerne auch eine extreme Richtung, also Monster und Trolle zu erschaffen oder gruselige Typveränderungen mit viel Blut. Kröten, Kobolde und alles Eklige haben mich schon als Kind fasziniert.“ Zwar entschied sich Untenberger nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Ingenieurin für Medizintechnik, fand aber immer Förderer und Projektpartner für ihre kreative Leidenschaft. Sie schminkte Schauspieler für kleinere Filmprojekte und kreierte Zombies für die Horror Nights im Europa Park Rust.

Nun wollte sie etwas Außergewöhnliches im Beauty-Bereich machen, „denn in Deutschland ist die Filmbranche zu klein, um sich nur auf Horror zu spezialisieren. Aber als ich auf der Suche nach Ideen im Internet auf Zeitungskleider stieß, dachte ich sofort, wie gut ist das denn!?“ Kollegen brachten der Neu-Augsburgerin dann stapelweise Ausgaben der Augsburger Allgemeinen und Fotograf Tom Ludwig, den sie von früheren Projekten kannte, sagte: „Du hast eine Woche.“ Die brauchte sie dann aber gar nicht: Innerhalb von gut 24 Stunden war das Kleid fertig.

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Das Grundgerüst für Korsett und Rock klebte Untenberger mit einem Klebestick, danach wurde vieles einfach nur gesteckt. Für das Brust-Teil erinnerte sie sich daran, wie sie früher in der Schule Schlangen aus Kaugummipapierchen gefaltet hatte. In den Schnecken am Rock sind feine Drähte eingearbeitet und am Rücken Ösen für die Schnürung – ansonsten besteht alles komplett aus Zeitungen.

Für Collier und Armband ließ Untenberger sich von Papier-Perlen aus dem Weltladen inspirieren, „dafür habe ich genauso lange gebraucht wie für den ganzen Rock“. Aufwendig war auch die Rose am Ausschnitt, denn dafür sollten bestimmte grafische Elemente sichtbar sein. Insgesamt fand Untenberger die Zeitung eine gute Wahl für das Projekt: „Sie ist wenig bunt und enthält viele Schwarz-weiß-Elemente, die ich bewusst mit ein paar kleineren blauen Stellen kombiniert habe.“ Wetterkarten sind zu sehen, das Fernsehprogramm, Kulturanzeigen und der „singende Opa Gerald“.

Dann kam der spannende Moment: Auf einer Plattform für Hobby-Kreative hatten Untenberger und Ludwig, der hauptberuflich Naturwissenschaftler ist, das junge Augsburger Model Tabea Bernier entdeckt und kannten seine Maße schon – das Kleid passte perfekt. Das Model fühlte sich wohl im Kleid: „Es war unglaublich bequem und mega warm und gemütlich. Ein paar mal dachte ich zwar, als ich mich bewegt oder eingeatmet habe, jetzt reißt es, aber letztlich hatte ich mehr Bewegungsfreiheit als gedacht.“ Zu Kleid und Schmuck kam noch ein – im Vergleich zu Zombies oder Trollen – dezentes Make-up mit Wimpern ebenfalls aus Zeitung, die mit Wimpernkleber direkt auf das Lid aufgebracht wurden. Der Rest war Tom Ludwigs Job: „Die Idee für das Shooting war, etwas Drama reinzubringen mit blauem Licht im Hintergrund und einem sehr fokussieren Strahl auf dem Kleid. Es sollte zum Medium Zeitung passen und das Schwarz-weiß noch besser in Szene setzen.“

Abgesehen von seiner außergewöhnlichen Ästhetik soll das Zeitungskleid eine Botschaft transportieren: „Zeitungen sind ein verfügbarer guter Rohstoff, den man nicht nur als Altpapier, sondern auch ganz kreativ wiederverwerten kann“, findet Sandra Untenberger. Gemeinsam mit Ludwig und Bernier überlegt sie, eine ganze Projektreihe draus zu machen und mit Kleidern aus Plastik und Goldfolie fortzusetzen. Auch deshalb wird das Zeitungskleid demnächst im Secondhand-Laden „Madame“ in Göggingen ausgestellt. Da kann dann jeder bestaunen, wie professionell das kreative Trio arbeitet.

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