1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. So ein spinnerter Traum

Sensemble

17.04.2015

So ein spinnerter Traum

Das zweite Mal spielt Dörte Trauzeddel in einer Inszenierung des Augsburger Sensemble Theaters mit.
Bild: Michael Hochgemuth

Schon als Kind schlüpfte Dörte Trauzeddel ständig in andere Rollen. Fast zwangsläufig war da die Berufswahl

„Man muss realistisch sein, aber auch spinnen können und Träume haben“, beschreibt Dörte Trauzeddel die Arbeit eines freien professionellen Theaters. So ein spinnerter Traum, der Realität wurde, ist das „Neue Theater Burgau“, das Trauzeddel gemeinsam mit einer Kollegin nach ihrer Schauspielausbildung an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm gründete. Engagements zu finden war damals schwierig, eigene Ideen zuhauf da, und beim Publikum kamen sie gut an.

Ähnlich wie die Produktionen des Augsburger Sensemble Theaters, dessen Träumer und Realisator, Sebastian Seidel, Trauzeddel über den Verband freie darstellende Künste Bayern kennen lernte und nun zum zweiten Mal als Schauspielerin engagierte. In Roland Schimmelpfennigs „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ ist sie als Liz zu sehen, Krankenschwester und Oberarztgattin mit Haus und klugem Kind, die sich einen verbalen und in Seidels Inszenierung buchstäblichen Schlagabtausch mit einem befreundeten Ärztepaar liefert, das jüngst aus Afrika zurückgekehrt ist. „Dörte hat eine unheimliche Kraft und ist eine positive Person“, schwärmt Seidel. „Mit ihr ist ein schöner kreativer Prozess möglich. Da sie selbst ein Theater leitet, hat sie einen guten Blick für das Gesamte.“

Trotzdem genießt Trauzeddel es, in Augsburg mal „nicht vorher noch Klos zu putzen und hinterher Kasse zu zählen“, sondern sich auf ihr Kerngeschäft, die Schauspielerei, zu konzentrieren. Sich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen, hat sie schon als Kind geliebt. Genauso wie jetzt ihr knapp dreijähriger Sohn Ferdinand, der manchmal tagelang Lokführer ist, wie sie lachend erzählt. Neben Ferdinand gehören ihr Partner, ein Sinologe, und die Appenzeller/Münsterländer-Mischlingshündin Luise zur Familie („Ferdinand und Luise wie in Kabale und Liebe“).

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Nach dem Abitur schnupperte Trauzeddel in Leipzig ins Bühnenbild-Fach hinein, um festzustellen, dass die Schauspielerei ihr Ding ist. „Allerdings war ich damals leider nicht so selbstbewusst und hatte großen Respekt vor den großen Theaterleuten. Ich dachte, wenn ich einen Abschluss als Schauspielerin habe, wird alles anders und ich fühle mich anders – aber dann war es ein langer Prozess, bis ich merkte, was ich tatsächlich alles kann.“

Was sie kann, kann das Publikum in „Peggy Pickit“ unter anderem bewundern, wenn Seidel die Inszenierung einfriert und Trauzeddel verschiedene Posen und Mimiken sehr lange anhält – mit einer Lebendigkeit im Ausdruck, die den meisten Menschen nur für Augenblicke möglich ist. Die Rolle der Liz mit ihrem Bilderbuchleben hat sie anfangs nicht gereizt: „Ich dachte: Schon wieder so ein Hascherl. Dann fand ich spannend, dass sie die größte Entwicklung im Stück durchmacht. Liz’ Leben ist so ganz und gar nicht meines, aber wenn man sich einliest und eine Weile mit ihr beschäftigt, findet man Identifikationspunkte. Es ist komisch, dass das fast bei jeder Figur funktioniert.“

Trauzeddel spielt gerne, aber sie möchte es nicht mehr missen, Theater rundum selbst zu machen – von der Stückauswahl bis zum gesamten kreativen Prozess. Selbst die Suche nach Fördergeldern und Sponsoren mag sie mittlerweile, „weil der Erfolg ein tolles Gefühl ist, wenn es geklappt hat und man eine Inszenierung wie unseren ,Sommernachtstraum‘ in einer Klosteranlage mit 60 Darstellern, Pferden und Musik auf vier Bühnen realisieren kann“. Insgesamt 30 Eigenproduktionen hat sie in zehn Jahren in Burgau auf die Bühne gebracht.

Hergeben würde sie das alles nicht mal dafür, in einem großen Haus wie der Berliner Volksbühne aufzutreten, obwohl es ein Traum wäre, „mal in einer solchen Weite inszenieren und spielen und wirken zu können“. Am Sensemble wird sie zwar auf kleiner Bühne, aber in einem Team, mit dem sie richtig gut zusammenarbeiten kann, künftig noch öfter zu sehen sein. Als Nächstes im Herbst in einer Improvisationsreihe zum Thema Agenten. Auch dafür muss man realistisch sein und spinnen können.

Dörte Trauzeddel ist in „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ im Sensemble heute und morgen zu sehen sowie am 23., 24. und 25. April jeweils um 20.30 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren