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Augsburg

02.12.2019

So funktioniert das neue Asylzentrum für Flüchtlinge in Augsburg

Im neuen Behördenzentrum in Lechhausen ist Platz für rund 180 Asylbewerber.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Ankommende Flüchtlinge werden ab sofort in einem Behördenzentrum in Augsburg betreut. Die ersten Asylbewerber aus der Türkei sind eingetroffen.

Das eingezäunte braune Gebäude in der Aindlinger Straße wirkt von außen unscheinbar. Ein großes Schild, das frisch angebracht ist, informiert über die Nutzung. „Anker Schwaben Behördenzentrum Augsburg“ ist darauf zu lesen. Hier im Industriegebiet in Lechhausen werden künftig ankommende Flüchtlinge registriert.

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Dieser Standort löst das Ankerzentrum Donauwörth ab, das zum Jahresende aufgegeben wird. Anker steht abgekürzt für Zentrum für Ankunft, Entscheidung Rückführung. Seit Sonntag ist die Einrichtung in Augsburg, die von einem Sicherheitsdienst bewacht wird, offiziell in Betrieb. Zwei Türken, die in Deutschland Asyl beantragen, sind bis Montagmittag eingetroffen.

Sie durchlaufen ein ähnliches Verfahren wie alle künftigen Neuankömmlinge. Im Eingangsbereich gibt es ein großes Empfangsfoyer. Mitarbeiter der Malteser übernehmen die ersten Schritte. Der Asylbewerber, der ankommt, erhält an dieser Stelle einen Ausweis, damit er das Gebäude verlassen kann. Sprachprobleme gibt es meist nicht, da gegebenenfalls andere Flüchtlinge unterstützend eingreifen. Mit Englisch lasse sich zudem vieles beim Eintreffen klären, heißt es.

So funktioniert das neue Asylzentrum für Flüchtlinge in Augsburg

Die eigentliche Erfassung der Personalien findet ein paar Zimmer weiter statt. Der Flüchtling nennt hier seinen Namen. Wobei nicht jeder Neuankömmling sich ausweisen kann. Schwarzafrikaner haben öfters kein amtliches Dokument. Behördenmitarbeiter veranlassen jedenfalls die erkennungsdienstliche Registrierung. Fotos werden gemacht, ebenso werden Fingerabdrücke genommen.

Schwaben betreut Flüchtlinge aus drei Ländern

Die bundesweit festgelegte Regelung sieht vor, dass der Regierungsbezirk Schwaben für die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Türkei, aus Gambia und Nigeria zuständig ist. Mit der Organisation der Abläufe ist die Regierung von Schwaben beauftragt. Frank Kurtenbach ist der zuständige Beamte. Bei einem Ortstermin in der Augsburger Einrichtung verweist er auf die bekannten Erfahrungswerte aus Donauwörth: „In der Regel sind es täglich bis zu fünf Neuankömmlinge“.

Es sei daran gedacht, dass die Flüchtlinge drei Tage in Lechhausen bleiben. Danach werden sie mit Unterstützung eines Zwischenstopps in Kriegshaber dauerhaft auf andere Unterkünfte in Schwaben verteilt. In Lechhausen würden beileibe nicht alle zur Verfügung stehenden Betten belegt, erläutert Kurtenbach. Maximal 50 Flüchtlinge werden wohl nach seinen Angaben gemeinsam vor Ort sein.

Im neuen Behördenzentrum im Augsburger Stadtteil Lechhausen ist Platz für knapp 180 Asylbewerber. Die Bilder.
10 Bilder
Bilder: Neues Asylzentrum in Lechhausen geht an den Start
Bild: Silvio Wyszengrad

Im Behördenzentrum findet bereits eine erste medizinische Untersuchung statt. Eingebunden ist das Krankenhaus in Friedberg. An diesem Ort wird der Flüchtling geröntgt, um womöglich eine ansteckende Krankheit festzustellen. „Es könnte sein, dass der Neuankömmling davon nichts wusste“, sagt Kurtenbach. Medizinische Untersuchungen der Flüchtlinge seien zudem zum Gesundheitsschutz der Mitarbeiter von Dienststellen wichtig, die in Lechhausen arbeiten.

Dazu gehören neben Maltesern und Beschäftigten der Regierung von Schwaben Vertreter vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) sowie der Zentralen Ausländerbehörde. Vor Ort ist zudem ein Sicherheitsunternehmen stets im Einsatz. Wer auch immer in die Einrichtung gelangen möchte, muss sich ausweisen.

Ankereinrichtung in Lechhausen: 178 Betten stehen zur Verfügung

Das neue Behördenzentrum ist lediglich für einen kurzen Aufenthalt der Flüchtlinge ausgelegt. Es gibt zwei große Schlafsäle mit insgesamt 178 Betten. Getrennt werden Frauen mit Kindern und Männer. Kurtenbach sagt: „Wir müssen in diesem Fall Familien trennen, weil es nicht anders machbar ist“. Privatsphäre sei insofern in der Ankunftsphase nicht sehr hoch zu schützen. Dies ändere sich schnell, weil Flüchtlinge nach den ersten drei Tagen in Lechhausen für eine weitere Woche in die Unterkunft am Kobelweg verlegt werden. Von hier aus geht der Registrierungsprozess weiter. Nach insgesamt zehn Tagen sei klar, in welche Einrichtung der Flüchtling dann komme. Nicht jeder Asylbewerber, der in Augsburg ankommt, bleibt in Schwaben. Ein Viertel kommt laut Kurtenbach in anderen Bundesländern unter.

Die Einrichtung in Lechhausen ist rund um die Uhr geöffnet. Die gesamte Verwaltung mit 50 Mitarbeitern ist an Werktagen von 8 bis 17 Uhr tätig. An Freitagen endet der Betrieb um 14 Uhr. Wenn Flüchtlinge außerhalb dieser Zeiten eintreffen, werden sie in der Aindlinger Straße einquartiert. Eine Versorgung mit Speisen und Getränken ist gewährleistet. Ein Caterer beliefert das Behördenzentrum. Auf dem Speiseplan für Montag standen mittags afrikanische Hackfleischbällchen. Als vegetarisches Essen gab es Ragout mit Gemüse.

Kurtenbach geht davon aus, dass sich die Abläufe schnell einspielen werden. Man könne auf die Erfahrungen aus Donauwörth zurückgreifen. Die Polizei ist nicht dauerhaft präsent. Sie hat einen eigenen Raum, sollte sie zu einem Einsatz gerufen werden. Wie berichtet, sieht die örtliche Polizei kein erhöhtes Konfliktpotenzial in der Lechhauser Einrichtung.

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