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Augsburg

04.09.2014

So gefährlich war die Güterzug-Reise für den 18-Jährigen

Auf diesem Güterzug wurde ein 18-jähriger Augsburger als blinder Passagier entdeckt. Es ist lebensgefährlich auf einem Güterzug zu reisen.
Bild: Polizei, TXLogistik

Ein 18-jähriger Augsburger hat eine Fahrt nach Italien auf einem Güterzug überlebt - er hatte pures Glück. Experten machen deutlich, wie gefährlich die Reise für den blinden Passagier war.

Am vergangenen Samstag fuhr ein 18-jähriger Augsburger als blinder Passagier von Augsburg nach Italien: nach einer Party und auf einem Güterzug. Er könne sich nicht daran erinnern, wie er auf den Zug gelangt sei, gab er an, nachdem ihn letztendlich ein Wagenmeister in Italien bei einem Kontrollgang gefunden hatte.

Der junge Mann aus Augsburg hat die gefährliche Fahrt unverletzt überstanden. Das grenzt an ein Wunder. „Viele unterschätzen die Gefahr, die von einer solchen waghalsigen Aktion ausgeht. Die Folge von Personenunfällen mit Zügen sind eigentlich immer schwerste Verletzungen“, sagt Thomas Gigl von der Bundespolizeiinspektion Nürnberg gegenüber AZ-Online.

Stromschlag durch Oberleitungen

Während seiner Fahrt war der Augsburger zahlreichen Risiken ausgesetzt: Er hätte vom Waggon fallen können. Bei der Überquerung der Alpen hätte der 18-Jährige aufgrund der Kälte und des Fahrtwindes erfrieren können. Oder er hätte einen Stromschlag bekommen können.

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Sechs Menschen sind 2012 allein in Bayern durch sogenannte Bahnstrom-Unfälle gestorben. Schon in der Nähe einer Bahn-Oberleitung droht ein tödlicher Stromschlag. „Durch die Oberleitungen laufen bis zu 15.000 Volt Spannung. Sogenannte Lichtbögen umgeben die Leitungen. Wer ihnen zu nahe kommt, riskiert schwerste Verbrennungen oder tödliche Stromschläge“, sagt Gigl.

Windgeschützt im Hohlraum des Containers

Vermeintliche Mutproben, möglichst nahe an die Leitungen zu gelangen, seien lebensgefährlich, so der Bundespolizist. Man könne den kritischen Abstand niemals exakt bestimmen, da dieser von der Witterung abhängig sei. Bei Nässe beispielsweise bekämen Menschen schon bei deutlich größerem Abstand zur Leitung einen Stromschlag, da die Feuchtigkeit den Wirkungsradius des Lichtbogens vergrößere, erklärt Gigl.

Warum der junge Mann nicht erfroren ist, darüber kann nur spekuliert werden. Der Augsburger reiste auf einem sogenannten Taschenwagen. Dieser Aufbau eines Güterwagens ist speziell für den Transport von Lkw-Sattelschleppern konzipiert. Wahrscheinlich verbrachte der 18-Jährige die Fahrt windgeschützt in dem Hohlraum eines Containers.

Kontrollen nicht bei betriebsbedingtem Halt

Sicher ist, dass der junge Mann am Augsburger Hauptbahnhof auf den Waggon gelangt sein muss. Dort hatte der Zug lediglich einen betriebsbedingten Halt von wenigen Minuten. Dabei werden Züge in aller Regel nicht kontrolliert. „Das ist ein Riesenaufwand und bei den Güterzügen, die mehrere Hundert Meter lang sind, nicht zu leisten“, sagt Thomas Gigl. Bei einem betriebsbedingtem Halt warten die Züge lediglich auf die Weiterfahrt. Es werden keine Waggons an- oder abgehängt.

Der Partygänger ist inzwischen zurück in Augsburg. Er hat keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten. Dass aber der 18-Jährige noch lebt, ist pures Glück.

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