Friedensfest

21.07.2014

So klingt Heimat

Vier Ensembles aus Berlin und aus Augsburg mit Musikern aus fremden Ländern präsentieren ihren Kulturschatz. Ein Auftakt mit Ausrufezeichen

Vielstimmig und vielseitig nahm im Auftaktkonzert zum Friedensprogramm der Stadt am Freitagabend im gut besuchten Theater der in diesem Jahr in den Fokus gerückte Begriff „Heimat“ Gestalt an.

Das in Berlin gemeinsam von Mark Terkessidis und Jochen Kühling initiierte und produzierte Musikprojekt „Heimatlieder aus Deutschland“ erlebte an diesem Abend eine reizvolle Variante, wenn nicht gar eine Bereicherung. Mit viel Gespür und Spürsinn kuratiert vom Projektbüro für Frieden und Interkultur, namentlich von Girisha Fernando und Mona Rother, ertönte an diesem Abend ein musikalisches Friedensfest-Startsignal mit mindestens drei Ausrufezeichen. Augsburg konnte nicht zuletzt mit seiner Expertise durch diverse Veranstaltungen wie das „Festival der tausend Töne“ in puncto Wertschätzung und Plattform für kulturelles Potenzial von Migranten ohnehin kräftig vorlegen.

Die „Heimatlieder aus Deutschland featuring Augsburg“ dürften dank dieser wirklich besonderen Energie, Intensität und Emotionalität, die jeder Einzelne der knapp 40 Interpreten ein- und mitbrachte, noch lange im Ohr und im Herz des begeisterten Publikums nachklingen. In einer weithin dehnbaren und subjektiv interpretierbaren Vorstellung darüber, was genau denn nun alles „Heimat“ ist, kann dieses ambitionierte Kulturprojekt durchaus einen prägnanten Akzent setzen, womöglich auch manch anregende Diskussion entfachen. Unbestreitbar ist, dass die vier in Berlin ansässigen Musikformationen gemeinsam mit den vier in Augsburg lebenden bzw. sich hier zusammengefundenen Ensembles mit ihren Liedern und Klängen aus den unterschiedlichen Heimaten einen kostbaren Kulturschatz tradieren und auf ganz unverwechselbare Weise mit neuem Leben füllen.

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Wie spannend dies alles klingt, davon überzeugte schon die junge siebenköpfige Augsburger „Grup Mesk“, die mit ihren erdig-rituellen alevitischen Volksweisen den gelungenen Auftakt machte. Verblüffend neu, nämlich mit magischem Obertongesang untermalt, interpretierte das Berliner Quartett als „Trio Fado“ die melancholischen, portugiesischen Volkslieder. Muntere und dabei rhythmisch höchst anspruchsvolle A-cappella-Weisen aus Bulgarien steuerte die in Augsburg bestens bekannte Sängerin Alexandrina Simeon im neuen „Ensemble Orfei“ mit Stela Blagova, Vanya Latschkova und Iva Moneva bei.

Die marokkanisch-algerischen Volkslieder, mit denen das präsente Männerquintett, das als „La Caravane du Maghreb“ firmiert, den ersten Teil des Konzertes abschloss, schienen anfangs gewöhnungsbedürftig, mündeten dann jedoch in den elektrisierenden Sog von Gumbri und Darbuka. Angesichts des hier etablierten Multimusikers Njamy Sitson, der im Duo mit seinem Sohn Elias in zwei Stücken die in Kamerun verortete „Bamileke Musik“ vorstellte, wurde Jochen Kühling als sonst sehr lockerer Moderator von „Berührtsein“ überwältigt. Sympathisch und humorvoll führten Robert Sokol, Dario Dragoje, Ante Bagaric und Tomi Virac als Kammervariante der „Klapa Berlin“ in die hohe Kunst dieser aus Dalmatien stammenden polyfonen A-cappella-Musik ein. Mit drei Kostproben aus der reichhaltigen Schatztruhe sieberbürgischer Volkslieder eroberte die charismatische Augsburger Studentin Heide Ewerth das Publikum, betörte abschließend mit dem „Et sas e kli wält fijeltchen“ samt ihrem kleinen Orchester und machte sehr neugierig auf ein Mehr aus der Heimat ihrer Großeltern.

Nicht minder anziehend präsentierten zum Finale die drei Musiker „Rafael Martinez, Ricardo Moreno y Pedro Abreu“ mit originalem Son kubanisches Flair und Temperament, in das nicht nur die allesamt von Konzertbeginn auf der Bühne sitzenden Musiker einstimmten, sondern auch die rhythmisch enthusiasmierten Zuhörer.

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