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Soziales

30.11.2014

So können Sie Asylbewerber in Augsburg unterstützen

Das Grandhotel Cosmopolis in der Augsburger Altstadt ist ein Musterbeispiel für respektvollen Umgang mit Asylbewerbern. Wir zeigen, wie sie Projekte in Augsburg unterstützen können.
Bild: Annette Zoepf

Die Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber in Augsburg ist eine andere als die in der Münchner Bayernkaserne. Doch auch in Augsburg wird Unterstützung gebraucht.

Kirchliche und weltliche Organisationen in Augsburg kümmern sich darum, dass die vielen Flüchtlinge, die aus Krisengebieten zu uns kommen, versorgt werden und sich in Deutschland zurechtfinden. Die Regierung von Schwaben stellt Wohnraum zur Verfügung und versorgt die Asylsuchenden mit einem finanziellen Grundbedarf. Um persönlichen Kontakt und eine Orientierungshilfe kümmern sich dann Organisationen und Verbände. Die Zustände in Augsburg sind andere als die in der Münchner Bayernkaserne , trotzdem können die Unterkünfte Unterstützung gebrauchen.

Welche Projekte gibt es in Augsburg?

In Augsburg gibt es eine Vielzahl von Projekten für Asylbewerber, Flüchtlinge und Migranten. Das Bayerische Rote Kreuz in Augsburg beispielsweise unterstützt Migranten in allen möglichen Belangen. So reicht das Angebot von der Rechtsberatung über Integrations- und Orientierungskurse bis hin zur Beratung, wie die Migranten ihre Kinder mehrsprachig erziehen und mit Vorurteilen umgehen können.

Auch der Caritas-Verband der katholischen Kirche kümmert sich um anerkannte Flüchtlinge und besonders um die alten und behinderten Menschen unter ihnen. Die Mitarbeiter geben Hilfestellung bei der sozialen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration und unterstützen bei Kontakten zu Behörden, Vermietern und Integrationskursträgern.

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Der Verein "Tür an Tür" unterstützt mit gleich sechs Integrationsprojekten Asylsuchende, Geduldete und Flüchtlinge bei diversen Belangen und Hürden im Alltag. Zusammen mit dem Diakonische Werk der Evangelischen Kirche betreuen sie momentan die beiden Projekte "First Steps" und "mov' in", die Asylbewerber bei ihren ersten Schritten in Deutschland begleiten bzw. anerkannten Flüchtlingen bei der Wohnungssuche helfen.

Das Grandhotel Cosmopolis, das bei der zuständigen Regierung von Schwaben offiziell "Gemeinschaftsunterkunft Springergässchen 5" heißt, lebt für den respektvollen Integrationsgedanken und wird unterstützt von der Diakonie Augsburg. Hier wohnen Asylbewerber neben Hotelgästen aus aller Welt, es gibt außerdem ein vielseitiges kulturelles Angebot.

Wo wird meine ehrenamtliche Hilfe gebraucht?

Gerade nach den Berichten über das Erstaufnahmelager Bayernkaserne in München gibt es eine Welle an Hilfsbereitschaft. Sowohl die evangelische Diakonie in Augsburg, als auch der Caritasverband der katholischen Kirche sind überwältigt von der Bereitschaft der Bevölkerung. Doch die hauptamtlichen Projekte stehen vor einem Problem: Die wenigen Mitarbeiter möchten gerne die Helfer vorab kennenlernen und ihnen zur Seite stehen. Aufgrund der vielen bürokratischen Hürden und vielen Anfragen fehlt es jedoch manchmal schlicht an Zeit. Deshalb bittet Margot Laun, die für das Projekt "First Steps" der Diakonie zuständig ist, die Helfer um Geduld und Verständnis, wenn ein Angebot nicht gleich beantwortet wird.

Die Projekte brauchen ehrenamtliche Helfer, die sinnvolle Einteilung braucht jedoch manchmal Zeit. Das Grandhotel Cosmopolis in der Augsburger Altstadt stemmt viele Projekte komplett auf freiwilliger Basis. Hier werden immer wieder Mitstreiter gesucht, Interessenten können sich telefonisch im Büro melden.

Wohin bringe ich meine Kleiderspende?

Noch größer als die Bereitschaft, sich selbst zu engagieren, ist die Flut an materiellen Spenden. Doch auch hier kommen die Helfer an ihre Grenzen. Fritz Graßmann vom Diakonischen Werk Augsburg weißt darauf hin, dass man auf keinen Fall einfach in die Unterkünfte fahren und dort seine Kleider- oder Spielzeugspende abgeben sollte. Die Asylbewerber in Augsburg sind mit Kleidung im Regelfall gut versorgt und auch die Verpflegung der Menschen ist gesichert. Essens- und Kleiderspenden, die einfach abgestellt werden, vergammeln oder sorgen auch für Streit und Eifersucht unter den Bewohnern oder brauchen den ohnehin schon knappen Platz.

Das heißt aber nicht, dass ab sofort keine Kleidung mehr gespendet werden sollte. Sinnvoll ist, gut erhaltene Wintersachen beispielsweise beim Rot-Kreuz-Lädle des Bayerischen Roten Kreuzes oder kiloweise bei den entprechenden Stellen der Diakonie oder der Caritas abzugeben. "Man muss bedenken, dass die Menschen oft den ganzen Tag nichts zu tun haben. Sie schätzen es, wenn sie sich in der Stadt zielorientiert bewegen können und die Kleidung für einen geringen Beitrag kaufen können. Das gibt das Gefühl, wieder einen geregelten Alltag zu haben und würdig und respektvoll behandelt zu werden", weiß Margot Laun.

Johannes Meyer vom Grandhotel Cosmopolis denkt vor allem an die Kinder: Musikinstrumente jeder Art sind eine gerngesehene Spende im Grandhotel.

Zubehör für die Unterkünfte

Den engagierten Mitarbeitern im Grandhotel Cosmopolis fehlt es noch an der Infrastruktur. Firmen und Gastronomiebetriebe, die beispielsweise Kühlregale, Gewerbewaschmaschinen, einen Transporter oder relativ aktuelles Computerzubehör aller Art abzugeben haben, können sich telefonisch im Büro unter 0821-45082411 melden.

Wer ist ein Asylbewerber, wer ein Flüchtling?

Wer als "Flüchtling" nach Deutschland kommt, ist zuerst einmal kein Flüchtling, sondern ein Asylsuchender bzw. Asylbewerber. Ein Flüchtling ist in seiner Eigenschaft als Flüchtling bereits anerkannt und bekommt Asyl. Diejenigen, deren Asylantrag negativ verläuft, werden in der Zeit, in der sie noch in Deutschland leben, als "Geduldete" bezeichnet. Ein Migrant ist jeder, der aus einem anderen Land anerkannt in Deutschland lebt, also auch EU-Bürger.

Asyl erhalten - und jetzt?

Diejenigen, die Asyl erhalten haben und nun als Flüchtlinge anerkannt sind, müssen und dürfen aus den Sammelunterkünften ausziehen und sich ab diesem Zeitpunkt selbstständig organisieren. Für diese große Gruppe setzt sich der Verein "Tür an Tür " in Augsburg gezielt ein. Margot Laun weißt daraufhin, dass gerade diese Gruppe oft in Vergessenheit gerät. "Mit genehmigtem Asyl verbindet man schnell: Na dann ist ja alles gut", sagt Laun. Weil an dem Punkt jedoch die Hilfe nicht mehr institutionalisiert ist, wären Menschen, die den Neuankömmlingen Starthilfe geben, dringend gebraucht.

Wie kann man den anerkannten Flüchtlingen im Alltag helfen?

Woran es den Migranten am meisten fehlt, ist schnell zusammengefasst: bezahlbarer Wohnraum, Arbeit und das Gefühl, in Deutschland willkommen zu sein. Hier sind die Augsburger Bürger gefragt: Wer eine Wohnung hat, die mit einem gewöhnlichen Hartz 4- Satz finanziert werden kann, könnte diese an Flüchtlinge vermieten. Der Verein "Tür an Tür" und das Projekt "Move In!" beschäftigen sich genau mit diesem Thema. Gerade pensionierte Lehrer sind momentan gefragt: Sie haben die pädagogische Ausbildung und jahrelange Erfahrung und wären somit ideal für Deutschkurse.

Ist die Wohnung dann einmal gefunden, können ehrenamtliche Betreuer im Alltag viel bewirken und bei zahlreichen Fragen Hilfestellung leisten:

Wo finde ich Arbeit? Wo ist der nächste Deutschkurs/Hausarzt/Kinderarzt/Spielplatz/Kindergarten? Wie funktioniert das System der öffentlichen Verkehrsmittel? Wo kann man günstig einkaufen? Wo gibt es eine Sportgruppe oder einen Chor? Wie funktioniert die Mülltrennung in Deutschland, was muss ich bei der Hausordnung beachten? Wie baue ich ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn auf? Wie gehe ich mit Vorurteilen um?

Die Diplom-Sozialpädagogin Lilli Martel von der Caritas Augsburg sagt, dass es vielen Migranten auch stark an Sprachkenntnissen mangelt. Bei ihrer Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund sind sie und ihre Mitarbeiter oft auf Dolmetscher und Freiwillige angewiesen. Hier könenn Augsburger Bürger die Migranten unterstützen, indem sie mit ihnen Behördenbesuche erledigen und bei der Wohnungssuche behilflich sind. Interessierte, die eventuell auch Fremdsprachenkenntnisse haben, können sich an den Caritas-Verband wenden. Der stellt dann den Kontakt zu den Hilfesuchenden herstellen.

Weil es mancherorts noch an der Struktur fehlt, bietet es sich auch an, bei den Migrationsberatern bzw. dem Migrationsdienst, bei Vereinen und auch bei Kirchengemeinden anzufragen und auch die Initative zu ergreifen, in deren Rahmen selbst ein Projekt auf die Beine zu stellen.

Ab wann dürfen Flüchtlinge arbeiten?

Für den Arbeitsplatz gilt: Zwar dürfen auch Asylbewerber inzwischen schon nach drei und nicht mehr nach neun Monaten einer Beschäftigung nachgehen. Margot Laun gibt aber zu bedenken, dass sowohl Flüchtlinge als auch Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt offiziell "nachrangig" behandelt werden. Das heißt, der Interessent kommt nur dann für die Stelle infrage, wenn sich kein qualifizierten Deutscher, EU-Bürger oder anderer Ausländer bewirbt. Auch hier können sich Firmen, die Mitarbeiten suchen, direkt an die entsprechenden Projekte wenden.

Respekt und Herzlichkeit

Neben den materiellen Schwierigkeiten fehlt es im Alltag noch an einer echten Willkommenskultur in Augsburg, sagt Diplom-Sozialpädagoge Aurel Göllner, der für die Migratungsberatung des BRK arbeitet. Während Projekte wie das Grandhotel Cosmopolis Integration und Austausch beispielhaft vorleben, sind viele Bürger noch geplagt von Vorurteilen. Gerade deshalb ist es für die Migranten wichtig, von wohlwollenden Helfern bei ihrer Suche nach einem Platz in unserer Gesellschaft unterstützt zu werden.

Hier macht Margot Laun darauf aufmerksam, dass Integration immer bedeutet, zusammen mit den Menschen zu arbeiten und sie nicht zu bemuttern. "Das sind intelligente, zum Teil bestens ausgebildete Erwachsene, die sich aufgrund der Situation in ihrem Heimatland momentan in einer schwierigen Situation befinden. Aber gerade die Flucht zeigt, wie leistungsfähig und belastbar sie sind. Deshalb kann man als ehrenamtlicher Helfer auch stolz auf sich sein, wenn man bald nicht mehr gebraucht wird. Die Migranten sollen so schnell wie möglich wieder eigenständig zurechtkommen."

Geld hilft immer

Das konkrete Problem der Hilfsorganisationen selbst ist, dass bis zum Ende des Jahres 2014 bzw. bis zum März 2015 die Fördermittel für die Maßnahmen auslaufen. Die aktuellen Projekte der EU enden am 1. Januar 2015, neue Maßnahmen starten erst im Mai. Damit fallen voraussichtlich auch hauptamtliche Stellen weg, gerade für die Projekte der Diakonie beginnt eine Phase der Ungewissheit. Die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter, die von den Organisationen selbst gefördert werden können, werden sich vermehrt mit Bürokratie und der Beschaffung neuer Fördergelder auseinandersetzen müssen, befürchtet Margot Laun, die seit knapp zehn Jahren für den Augsburger Verein "Tür an Tür" tätig ist.

Geldspenden haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können von den Fachleuten genau dort eingesetzt werden, wo es gerade fehlt. So träumen die Helfer im Grandhotel von einer Internetverbindung für alle und Margot Laun würde sich über ein Zeitungsabo aus einem der Herkunftsländer freuen.

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