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Augsburg

14.01.2020

So kommen Forscher der Hochschulen zu Geld

Damit Wissenschaftler forschen können, sind sie in vielen Fällen auf Fördergelder angewiesen. Einer der wichtigen Geldgeber ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Unser Bild zeigt eine technische Anlage in der Augsburger Physik.
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Damit Wissenschaftler forschen können, sind sie in vielen Fällen auf Fördergelder angewiesen. Einer der wichtigen Geldgeber ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Unser Bild zeigt eine technische Anlage in der Augsburger Physik.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Viele Projekte an Universitäten wären ohne die Milliarden der Deutschen Forschungsgemeinschaft nicht möglich. Zwei Augsburger reden bei der Verteilung der Mittel mit. Warum die Uni damit nicht zufrieden sein kann.

Für Forscher gibt es viele interessante Fragen zu klären. Ein Beispiel: Wenn in Deutschland neue Windräder gebaut werden sollen, wehren sich in zahlreichen Regionen Anwohner vehement dagegen. In anderen Gegenden sind neue Windkraftanlagen bei Bürgern wiederum sehr willkommen. Woran liegt das? Wissenschaftler der Universität Augsburg haben erforscht, wie ein verträglicher Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland funktionieren kann. Es war ein Projekt, das über Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde. Diese Mittel muss aber erst einmal jemand bewilligen. Zwei Professoren der Universität Augsburg reden jetzt mit, wie und an wen die DFG Milliardensummen vergibt.

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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gilt als ein wichtiger Geldgeber für die deutschen Universitäten, um wissenschaftliche Vorhaben zu finanzieren. Es geht um eine Menge Geld. 2018 flossen gut 3,4 Milliarden Euro für 33160 Projekte. Die Konkurrenz von Wissenschaftlern um die Gelder ist groß. Nach Angaben von Fachleuten kann in der Regel nur einer von vier gestellten Förderanträgen bewilligt werden. Bleibt die Frage: Welche Anträge schaffen es? Und wer wählt sie aus?

Zwei Augsburger Professoren dürfen mitreden

Wenn die Anträge bei der DFG eingehen, werden sie dort von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bewertet. Das geschieht in sogenannten Fachkollegien. In diesen Kreis der wichtigen Entscheider haben es nun zwei Augsburger geschafft – Historiker Gregor Weber und der Wirtschaftswissenschaftler Hans Ulrich Buhl. Die beiden Professoren wurden von Wissenschaftlern aus ganz Deutschland für vier Jahre in die neuen DFG-Fachkollegien gewählt, zusammen mit über 600 Experten, die mehr als 200 Fächer repräsentieren. Weber ist zum ersten Mal dabei und spricht von einer „großen Ehre“. Für Buhl ist es die zweite Amtsperiode. Er sagt, er freue sich sehr, dass seine bisherige Arbeit für die DFG bei Kollegen in ganz Deutschland große Anerkennung finde. Die beiden Augsburger erzielten mit die höchsten Stimmergebnisse in ihren jeweiligen Bereichen.

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Gregor Weber

Buhl ist Betriebswirt, Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatiker, Weber hat den Lehrstuhl für Alte Geschichte inne. Beide werden nun zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Kollegen die Förderanträge von Forschungsvorhaben beurteilen, nachdem diese begutachtet worden sind. Die Experten kontrollieren auch, dass bei der Auswahl einheitliche Maßstäbe angelegt werden. Buhl sagt, „es muss sichergestellt werden, dass die besten Anträge durchkommen und die abgelehnten Bewerber fair und nachvollziehbar über die Entscheidungsgründe informiert werden und daraus lernen können, was sie beim nächsten Antrag besser machen können“. Auch bei der Ausgestaltung und Weiterentwicklung von DFG-Förderprogrammen wird der Rat der Experten aus den Fachkollegien gehört.

Hans Ulrich Buhl

Damit nicht „gemauschelt“ werden kann, gilt eine goldene Regel: Die DFG-Experten beurteilen niemals Anträge der eigenen Universität. Deshalb haben Universitäten auch keinen unmittelbaren Vorteil davon, wenn viele ihrer Professoren für die DFG tätig sind. Andererseits wird in der deutschen Wissenschaftslandschaft durchaus wahrgenommen, welche Personen und wie viele Vertreter welcher Universitäten bei der DFG vertreten sind – und wie viele Stimmen sie bei ihrer Wahl bekommen haben.

Vorher waren es deutlich mehr

Aus diesem Grund fällt eine Entwicklung ins Auge: Aktuell hat die Universität Augsburg deutlich weniger Professoren bei der DFG als in früheren Jahren. In der Periode von 2012 bis 2015 gab es noch vier Vertreter aus Augsburg in den Fachkollegien. Zwischen 2016 und 2019 waren es sogar fünf. Nun fällt die Zahl im Zeitraum 2020 bis 2023 auf lediglich zwei Professoren.

Was sagt man an der Uni dazu, dass die Augsburger in den Gremien immer weniger wurden? Sprecher Michael Hallermayer erklärt: „Dass die Zahl der Mitglieder einer Institution schwankt, liegt daran, dass die Amtszeit begrenzt ist und ein regelmäßiger Wechsel der Personen wichtig ist, damit eine unabhängige Bewertung der eingereichten Forschungsvorhaben sichergestellt bleibt.“

Die DFG lege hier hohe Qualitätsstandards an, so Hallermayer. Die Wahl der beiden Augsburger zeige auch, dass sie in ihrem Fach anerkannt sind. Bei Unipräsidentin Sabine Doering-Manteuffel hatte das Fazit vor acht Jahren noch anders geklungen. Damals wurde als Erfolg verkündet, dass im Parlament der deutschen Wissenschaften doppelt so viel Professoren zum Zug kamen. Auch die Universität Augsburg profitiere sehr von einer zahlreichen Vertretung Augsburger Wissenschaftler in den Gremien der DFG, sagte die Präsidentin damals.

Wirtschaftsinformatiker Buhl und Historiker Weber aus Augsburg hatten nun das wissenschaftliche Renommee, um gewählt zu werden. Und auf sie wartet als DFG-Fachgutachter einiges an Arbeit. Weber rechnet damit, dass er mindestens 210 Förderanträge pro Jahr unter die Lupe nehmen muss. Auch in Gutachterrunden für Forschungsgruppen und bei Begehungen von Universitäten wird er mit dabei sein.

Weber sagt, „ich sehe es als dezidierten Auftrag, mich für eine faire und transparente Forschungs- und Nachwuchsförderung einzusetzen“. Hier werde es vor allem darum gehen, innovativen und fundierten Ideen die Möglichkeit zur Umsetzung zu geben.

Buhl wird für das DFG-Fachkollegium für Wirtschaftswissenschaften in ganz Deutschland viel unterwegs sein. Er sagt, „die Wissenschaft lebt davon, dass sich Wissenschaftler gegenseitig helfen und auch kritisch Feedback geben“. Wissenschaftsgeleitete Auswahlverfahren können aus seiner Sicht nur dann funktionieren, wenn sich Kollegen auch als Gutachter und als DFG-Fachkollegiaten zur Verfügung stellen und so hochwertig und fair ihre Expertise zur Verfügung stellen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hat die Uni Augsburg zu wenige Professoren mit Renommee?

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