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Augsburg

30.06.2020

So läuft es während der Corona-Krise in Augsburger Großbetrieben

Die Firma PCI sitzt in der Piccardstraße in Augsburg. Das Unternehmen mit seinen 500 Beschäftigten am Standort gehört zu den Großbetrieben in der Region.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Wie geht es großen Firmen in der Region Augsburg während Corona? Betriebsräte sprechen über Kurzarbeit, Einschnitte bei der Auftragslage und Forderungen an die Politik.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bringen heimische Unternehmen in Not. Weil Aufträge fehlen, gibt’s Kurzarbeit. Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz. Erste Firmen haben auch Liquiditätsprobleme. Davon betroffen sind derzeit vor allem Maschinenbauer in der Metall- und Elektroindustrie. In der Chemiebranche läuft es für kunststoffverarbeitende Betriebe nicht gut. Diese Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage kommt von den Gewerkschaften IG Metall und IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie).

Wie es ganz konkret in einzelnen Großbetrieben der Region Augsburg aussieht, wurde am Montag bei einem Pressegespräch näher beleuchtet. Arbeitnehmervertreter informierten aus erster Hand, wie heimische Unternehmen unter der Corona-Pandemie leiden.

In vielen Augsburger Firmen herrscht Kurzarbeit

In nahezu allen großen Firmen herrscht momentan Kurzarbeit. Allerdings ist dieses Instrument mit reduzierter Arbeitszeit höchst unterschiedlich geregelt. Und es gibt vereinzelt Unternehmen, die bislang auf Kurzarbeit verzichten. Am Standort Augsburg sind dies unter anderem die Firma Renk, Hersteller von hochwertigen Komponenten der Antriebstechnik, und die Firma PCI, Hersteller von bauchemischen Produkten. Dafür liefern Betriebsräte Erklärungen. Ein Überblick.

Tim Kattner, Betriebsrat bei MAN Energie Solutions SE.
Bild: Klaus Rainer Krieger
  • MAN Energy Solutions SE Das Unternehmen mit 4300 Mitarbeitern am Standort Augsburg, von denen 3800 in der Produktion tätig sind, ist Hersteller von Schiffsmotoren und baut Kraftwerke. Innovative Lösungen in zukunftsweisenden Energiefragen sind ein weiterer Geschäftsbereich. Betriebsrat Tim Kattner sagt, „dass bereits vor Corona die Lage angespannt gewesen ist“. Dies gelte vor allem für den Markt der Schiffsmotoren. Da die Kreuzfahrtindustrie sehr stark unter Corona leide, würden nahezu keine neuen Schiffe gebaut. Dies spüre das Unternehmen gewaltig.
  • Faurecia Das Unternehmen gehört zum Kreis der Automobilzulieferer. In Augsburg sind 1500 Mitarbeiter tätig, davon 350 in der Produktion. Betriebsrat Ali Can Cagliyan sagt, „dass es momentan wieder etwas aufwärtsgeht“. Kurzarbeit gebe es am Standort mit unterschiedlichen Stufen für die jeweiligen Abteilungen. Bis Ende des Jahres läuft eine Standortbeschäftigungssicherung. Ähnlich wie andere Arbeitnehmervertreter fordert Cagliyan, dass die Möglichkeit der Kurzarbeit auf zwei Jahre ausgeweitet werden solle. Diese Forderung gehe an die Politik.
  • Renk Betriebsrat Mario Sommer sagt, dass für die 1300 Mitarbeiter in Augsburg keine Kurzarbeit angemeldet sei: „Wir sind somit recht glimpflich davongekommen.“ Als Erklärung verweist er darauf, dass im Werk viele langfristig abgeschlossene Aufträge abgearbeitet würden. Zudem gebe es unterschiedliche Schichtmodelle, die sich bewährt hätten – ähnlich wie das Arbeiten zu Hause. Homeoffice wird bei Renk wie in den anderen Großbetrieben ebenfalls sehr stark praktiziert.
Armin Kolb, Vorsitzender des Betriebsrats der KUKA AG.
Bild: Klaus Rainer Krieger
  • Kuka 3400 Mitarbeiter sind für den Roboter- und Anlagenhersteller am Standort Augsburg tätig. Das Unternehmen befindet sich seit dem Jahr 2017 im Umbruch. 600 Arbeitsplätze wurden abgebaut. „Dies passierte sozial verträglich“, sagt Betriebsratschef Armin Kolb. Ein Teil der Belegschaft sei jetzt in Kurzarbeit. Wenn er den Blick nach vorne richte, müsse es nun auch darum gehen, sagt Kolb, „dass genügend Ausbildungsplätze angeboten werden“. Das Thema Ausbildung dürfe gerade jetzt in der Corona-Krise nicht vernachlässigt werden.
  • Manroland Der Hersteller von Druckmaschinen hat in Augsburg 1000 Beschäftigte. Es gebe Kurzarbeit in einzelnen Sparten, sagt Betriebsratsvorsitzender Sascha Hübner. Das Unternehmen spüre die negativen Folgen der Corona-Pandemie für die Druckindustrie. Die Nachfrage nach Druckmaschinen sei gegenwärtig kaum vorhanden.
Thomas Heichele, Vorsitzender des Betriebsrats der PCI GmbH.
Bild: Klaus Rainer Krieger
  • PCI Der Hersteller von bauchemischen Produkten mit 500 Mitarbeitern am Standort Augsburg ist nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden Thomas Heichele in einer schwierigen Zeit gut aufgestellt. „Wir sind im Plan“, sagt er. Man komme ohne Kurzarbeit aus. PCI profitiere davon, dass Handwerksbetriebe, die zu den wichtigsten Kunden gehören, weiterhin viel Baumaterial benötigen.
  • UPM Der Papierhersteller mit 680 Mitarbeitern in Augsburg spürt laut Betriebsratsvorsitzendem Michael Koppe die Corona-Krise. Mit Homeoffice sei es gelungen, Arbeitsprozesse am Laufen zu halten, wenngleich es Kurzarbeit gebe.
  • Clariant Produkte Germany Das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in Gersthofen setzt nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Richard Tschernatsch auf „flexible Lösungen“, die die Folgen der Kurzarbeit einigermaßen abfedern.

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