Newsticker

Mit Ausnahme der Kanaren: Spanien ist nun Risikogebiet
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. So perfekt getarnt war die Hanfplantage in den Bäumen

Augsburg

21.08.2017

So perfekt getarnt war die Hanfplantage in den Bäumen

In teils 25 Metern Höhe haben Unbekannte im Haunstetter Wald eine Hanfplantage angelegt. Viele der 275 Töpfe waren grün gestrichen oder ummantelt, um sie zu tarnen. 
4 Bilder
In teils 25 Metern Höhe haben Unbekannte im Haunstetter Wald eine Hanfplantage angelegt. Viele der 275 Töpfe waren grün gestrichen oder ummantelt, um sie zu tarnen. 
Bild: Polizei

Polizei und Feuerwehr sind überrascht, mit welchem Aufwand Unbekannte die knapp 300 Marihuana-Pflanzen in einem Augsburger Wald aufgezogen haben. Doch die Täter machten Fehler.

Als „ Deutschlands höchste Hanfplantage“ hat der Haunstetter Wald in den vergangenen Tagen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Knapp 300 Cannabispflanzen wurden dort in Töpfen in Bäumen gefunden, teilweise in 25 Metern Höhe. Für Polizei und Feuerwehr war das ein höchst außergewöhnlicher Einsatz.

„Eigentlich ist das eine irre Idee. Wie man sich bloß so eine Arbeit machen kann.“ Friedhelm Bechtel von der Berufsfeuerwehr Augsburg muss immer noch den Kopf schütteln. Nicht nur über den Fund in dem Waldstück im Bereich der Krankenhausstraße. Sondern vor allem darüber, wie aufwendig die Hanfplantage in den Bäumen angelegt worden war.

Hanfplantage in den Bäumen nur zufällig entdeckt

Der oder die Unbekannten hatten sich einiges einfallen lassen, um die 275 Töpfe mit dem Rauschgewächs zu verstecken. Trotz ihres Einfallsreichtums begingen sie zwei Fehler. Auf einen wurde ein Spaziergänger aufmerksam. Wie berichtet, fielen diesem eines Tages am Waldrand etliche Töpfe mit Cannabispflanzen auf. Warum die 35 Pflanzenkübel dort auf dem Boden standen und ob der oder die Unbekannten gerade gestört worden waren, weiß man nicht. Eigentlich wäre der Polizeieinsatz mit der Mitnahme der Töpfe vor Ort zunächst wohl beendet gewesen, hätte ein Beamter nicht den Kopf in den Nacken gelegt. Und das war nun der zweite Fehler der Hanf-Anbauer. Oben in den Ästen der Bäume verstreut hingen nämlich ein paar leere, weiße Wasserkanister. Das machte die Polizei natürlich stutzig.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
HANDOUT - Das Foto, das die Polizei am 18.08.2017 zur Verfügung stellt, zeigt eine Hanfplantage in einer Baumkrone in einem Wald in Augsburg Bayern. Zu dpa «Marihuana-Plantage in Baumkronen entdeckt» vom 18.08.2017 ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur bei Nennung der Quelle. Foto: -/Polizeipräsidium Schwaben Nord/dpa +++c dpa - Bildfunk+++
5 Bilder
Bilder von der Hanfplantage im Haunstetter Wald
Bild: Polizei/Berufsfeuerwehr Augsburg

Die Beamten sahen nun genauer nach. Dabei entdeckten sie die Hanfplantage in luftiger Höhe. Polizeisprecher Michael Jakob erzählt, dass seine Kollegen „maximal überrascht“ waren. Doch was hatte es mit den verräterischen, weißen Kanistern auf sich? Feuerwehrsprecher Bechtel vermutet, dass mit den Zehn-Liter-Behältern die Marihuana-Pflanzen in den Bäumen gegossen wurden. Das Wasser dafür könnte aus einem Bach stammen, der in der Nähe des Fundortes fließt, meint auch Jakob.

Kanister mit einem Seil nach oben gezogen

Die Unbekannten zogen offenbar mit einem Seil die Kanister in die Wipfel. Darauf deuteten laut Bechtel entsprechende Spuren hin. „An einem Baum war eine Stammseite regelrecht von Ästen kahlrasiert, damit die Kanister wie in einer Schneise hochgezogen werden konnten.“ Die leeren Behälter wurden dann herabgeworfen, glaubt der Feuerwehrmann. Einige verfingen sich wohl im Geäst. Mit ihrer hellen Farbe waren sie gut sichtbar. Im Gegensatz zu den Pflanzentöpfen – die waren von unten kaum zu erkennen. „Sie waren grün angestrichen“, erklärt Bechtel.

Bei strömenden Regen waren die Höhenretter im Einsatz.
Bild: Berufsfeuerwehr Augsburg

Bei den Marihuana-Anbauern, nach denen nach wie vor gesucht wird, muss es sich um schwindelfreie Menschen handeln. So viel steht fest. Polizeisprecher Michael Jakob spricht sogar von einer „reifen Leistung“. „Die müssen schon versiert im Klettern sein. Nicht umsonst mussten wir die Feuerwehr holen.“ Wie die Unbekannten genau in die Bäume hinauf kamen, könne er nicht sagen. „Es lagen weder Seile noch Leitern herum. Da kann man nur spekulieren.“ Vier Höhenretter der Berufsfeuerwehr waren jedenfalls einen ganzen Tag lang beschäftigt, eine Pflanze nach der anderen abzuseilen. Bis irgendjemand dann auf die Idee kam, die Töpfe samt Marihuana einfach nach unten zu werfen. „Die Pflanzen werden sowieso vernichtet“, so Bechtel.

Ein Teil der Pflanzen war erntereif

Das stimmt. Doch vorerst noch nicht. Momentan liegen die Pflanzen, die laut Jakob zum Teil schon erntereif waren, beim Landeskriminalamt. Sie werden dort getrocknet. Dann erst könne der Wert des Tetrahydrocannabinols (THC) der Pflanzen bestimmt werden, sagt der Polizeisprecher.

THC ist eine psychoaktive Substanz, die berauscht und hauptsächlich aus der Hanfpflanze gewonnen wird. „Anhand der Angaben lässt sich beziffern, wie hoch der Wert der Pflanzen gewesen wäre.“ Gibt die Staatsanwaltschaft anschließend die Pflanzen frei, werden sie vernichtet.

Ob bei der Polizei nach dem Zeugenaufruf bereits Hinweise zu dem oder den Täter(n) eingegangen sind, dazu will sich Jakob aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Genau aus diesem Grund hatte die Polizei auch rund drei Wochen gewartet, bis sie mit dem Fund der Hanfplantage an die Öffentlichkeit ging. Denn entdeckt wurde diese bereits Ende Juli. Man wollte aber noch die Zeit nutzen, um die Verursacher zu finden, so Jakob.

Ob sich die Polizei dazu im Wald regelrecht auf die Lauer legte, wollte er nicht kommentieren. „Unsere taktischen Maßnahmen geben wir nicht preis.“ 

Lesen Sie auch:

Polizei findet Marihuana-Plantage im Wald - teils in 25 Metern Höhe 

Hanfplantage in Lechhauser Gewerbegebiet: "Gärtner" verurteilt

Polizei vernichtet Hanfplantage zweimal in Folge 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

21.08.2017
Übrigens, ich kiffe nicht, aber ich kann klar denken und mir geht diese Resourcenverschwendung bei der Polizei auf die Nerven. Schliesslich finanziere ich diesen Unsinn mit meinen hart verdienten Steuergeldern
Permalink
22.08.2017

Das, oder so ähnlich, äußere ich mich schon seit Jahren. ürde sich die Polizei wirklich nur um die wichtigen Kriminalfälle kümmern, könnten wir dort mindestens 10% bis 20% an Kapazitäten weg ratioalisieren.

Permalink
21.08.2017
Wahrscheinlich werde ich jetzt 4 Stunden auf die Polizei warten müssen, wenn ich überfallen werde, weil die Polizei wegen ein paar harmlosen Pflanzen voll beschäftigt und (endlich mal) elektrisiert ist...mein Gott, wie kann man nur so ein Theater wegen ein bisschen Marihuana, das jeder schon als harmlos einstuft (ausser der tollen Polizei), machen..vielleicht sollte man mal Kurse bei der Polizei machen, in denen ihnen erklärt wird, dass Alkohol 1000mal schlummer ist. ich könnte kotzen..
Permalink
21.08.2017

Hans M. da haben sie Recht, wegen so einen primitiven mist kümmert man sich, bei einem Einbruch steht man dann alleine da. Der Richter stellt dann die Einbruchsache schnell wieder ein, aber der Marihuana Gärtner wird verfolgt und verurteilt.

Permalink
22.08.2017

Bei meiner Nachbarin (Witwe) wurde letztes Jahr Samstag abend in ihr Haus eingebrochen. Nach Anruf bei der Polizei wurde ihr gesagt, dass wegen Überlastung der Polizei kein Polizist mehr vorbei kommt. Sie kämen dann am nächsten Tag gegen Mittag!!! Wahrscheinlich mussten sie ganz dringend ein paar Kiffer mit 3 Streifenwagen verfolgen. Oder einen Mofafahrer der zu schnell unterwegs war!

Permalink
22.08.2017

Sagen Sie doch Ihrer Nachbarin sie soll sich damit trösten, dass Bayern das sicherste Bundesland ist . . .

Permalink
22.08.2017

Sagen Sie doch Ihrer Nachbarin sie soll sich damit trösten, dass Bayern das mit Abstand sicherste Bundesland ist . . .

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren