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Karriere

13.03.2012

So sehen Unternehmer aus

Wie aus Studenten Firmengründer werden. Eine Spurensuche

Stephan Batteiger und seine Freunde hatten alle das gleiche Problem. Alle wohnten in Wohngemeinschaften. Alle gerne. Aber mit dem Einkaufen, Kochen und Putzen gab es immer wieder Probleme. Deshalb entwickelte Batteiger in einem Team von vier Studenten an der Hochschule die Internetplattform „Roomieplanet“. Sie hilft Wohngemeinschaften, sich zu organisieren. Ohne Werbung hat Roomieplanet mehrere Tausend Nutzer im deutschsprachigen Raum. Heuer wollen die Jungunternehmer mit einer erweiterten Anwendung und einer professionellen Mobile-App auf den internationalen Markt gehen.

Viele Augsburger Studenten versuchen sich inzwischen als Unternehmer. An der Hochschule waren es seit dem Sommersemester 2005 genau 233 Existenzgründer oder Teams. An der Uni wagten seit Jahresende 2008 rund 50 Studenten oder Teams den Schritt in die Selbstständigkeit. Diese Zahlen nennt Jürgen Wager, Gründungsexperte bei der Industrie und Handelskammer Schwaben (IHK). Sie betreibt zusammen mit den Augsburger Hochschulen Beratungsstellen für Studenten und Absolventen.

„An der Hochschule lief es von Anfang an sehr gut“, sagt Wager. Als einen Grund nennt er die praxisorientierte Ausbildung. Gründerwissen ist dort Bestandteil der Lehre. Von einer wachsenden Nachfrage nach diesem Wahlfach berichtet Professor Norbert Gerth, Existenzgründungsbeauftragter der Hochschule. „Die jungen, gut ausgebildeten Leute trauen sich was zu und haben gute Ideen.“

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Laut Gerth kommen fast 40 Prozent der Jungunternehmer aus klassischen Berufsfeldern wie Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Umwelttechnik. Einen Boom sieht er aber in allen Bereichen, die mit Neuen Medien zusammenhängen. Auch Wager bestätigt: „Internetbasierte Geschäftsideen nehmen immer mehr zu.“

Die meisten Studenten und Absolventen brauchen bei ihrem ersten Schritt in die Selbstständigkeit finanzielle Hilfen. Sie kommen vor allem über das deutschlandweite Exist-Gründerstipendium oder das bayerische Flügge-Programm. So war es auch bei Wirtschaftsinformatiker Stephan Batteiger und seinem Team. Für die geplante Web & Mobile-App bekommt die Gruppe Geld aus dem Exist-Programm. „Jetzt stecken wir unsere ganze Energie und Zeit in das Projekt“, sagt er. Die neue Anwendung soll den Nutzern helfen, alle Belange, die in einer Gruppe stattfinden, perfekt zu organisieren, etwa Urlaube oder Freizeitgemeinschaften. Dabei geht es um transparente und nachvollziehbare Abrechnungen oder Pläne für die Erledigung von Aufgaben. Wer etwas vergisst, wird automatisch per E-Mail erinnert. Zum Jahresende soll die App auf den internationalen Markt kommen.

Noch vor wenigen Jahren kamen viele Studenten in die Gründerberatung, weil sie Alternativen zum damals schlechten Arbeitsmarkt suchten. Das hat sich inzwischen geändert. Stephan Batteiger macht als Jungunternehmer genau das, was er sich vorgenommen hat. „Ich hatte mehrere Angebote von Firmen. Aber für mich war klar, ich möchte was Eigenes mit Freunden machen.“ Dabei hat Batteiger nicht unbedingt Steve Jobs oder Bill Gates als Vorbilder, die ebenfalls klein anfingen und später Milliarden machten. „Wichtig ist, dass mir die Arbeit Spaß macht und nicht, dass viel Geld auf dem Konto ist.“

Ohne Risiko ist der Schritt in die Selbstständigkeit allerdings nicht. „Der Wettbewerb ist groß und auch der Druck zum Geldverdienen“, sagt Wager von der IHK. Eine Statistik, wie viele der studentischen Existenzgründer auf längere Sicht Erfolg haben, gibt es nicht. In der Regel hört aber die Hälfte aller Existenzgründer nach fünf Jahren wieder auf. Laut Wager steht hinter dieser Zahl nicht immer ein Scheitern. Manchmal werden Start-up-Unternehmen auch erfolgreich verkauft.

Aufgeben musste kürzlich das Augsburger Gründerteam „Levin Scooter“. Studenten der Uni, Hochschule und ein Kaufmann wollten einen selbst konstruierten Elektroroller auf den Markt bringen. Doch dann musste einer der Ingenieure sein Studium abbrechen. „Wir mussten das Projekt beerdigen“, sagt Florian Börder. „Der Zeithorizont, um Geld zu verdienen, wäre zu lang geworden.“ Der Soziologe sagt aber auch: „Ich bin kein gebranntes Kind und würde wieder gründen.“ "Meinung

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