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Nahverkehr

10.02.2014

So soll der Augsburger Nahverkehr gefördert werden

Der neue Königsplatz im morgendlichen Schülerverkehr: 57 Millionen Fahrgäste pro Jahr beförderten die Stadtwerke 2011, dem Jahr vor dem Start des Kö-Umbaus. Diese Marke soll künftig übertroffen werden. Alle wollen den Nahverkehr fördern, doch beim Wie gibt es Unterschiede.

In einem sind sich die Parteien einig: Der Nahverkehr in Augsburg muss gefördert werden. Beim „Wie“ gibt es Unterschiede.

Morgens, halb acht am Königsplatz : Die Bahnsteige im Schülerverkehr sind voll, aber es ist durchaus noch Platz am neuen Haltestellendreieck, das seit zwei Monaten in Betrieb ist. Muss es auch: In den kommenden Jahren soll die Zahl der Nutzer von öffentlichem Nahverkehr steigen. Vor dem Kö-Umbau waren es 57 Millionen Fahrgäste pro Jahr bei den Stadtwerken.

Doch nur wegen eines attraktiveren Königsplatzes werden kaum mehr Menschen Bus und Tram nutzen. Stadt und Stadtwerke müssen sich mehr einfallen lassen. Beim Mobilitätsverhalten gibt es bundesweit einen Trend hin zu Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. 2013 stiegen die Fahrgastzahlen bundesweit um knapp ein Prozent. Bei dieser Entwicklung will auch Augsburg dabei sein.

Eine bessere Infrastruktur soll mehr Fahrgäste bringen

Dafür gibt es zwei Stellschrauben. Die erste hat mit neuer Infrastruktur zu tun. Der Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof mit unterirdischer Haltestelle ist ein Mammutprojekt, das die Stadtwerke bis 2019 stemmen wollen. So soll eine bessere Verknüpfung zwischen Zügen und Straßenbahnen zustande kommen. Allerdings läuft ein Bürgerbegehren gegen die 110 Millionen Euro teure Maßnahme. Momentan haben die Initiatoren nach eigenen Angaben rund 1700 Unterschriften beisammen; nötig ist allerdings mehr als das Fünffache. Freie-Wähler-OB-Kandidat Volker Schafitel will in den nächsten Wochen für das Begehren trommeln und mehrmals die Woche abendliche Vorträge halten.

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Ein weiteres Projekt ist die Linie 5 entlang der Bürgermeister-Ackermann-Straße, die den Bürgern seit Jahren versprochen ist. Die dritte Straßenbahnlinie für den Augsburger Westen ist im Förderpaket „Mobilitätsdrehscheibe“ enthalten. Kritiker bezweifeln, dass das nötige Fahrgastpotenzial vorhanden ist. Die im Viertelstundentakt verkehrende Buslinie 32, die auf dem Weg der Tram fährt, ist jedenfalls nur zu Stoßzeiten voll. Die meisten Parteien bekennen sich trotzdem zum Bau. Die Verlängerung der Linie 1 von Lechhausen nach Hochzoll taucht in einigen Wahlprogrammen hingegen gar nicht mehr auf.

Die Linie 3 nach Königsbrunn zu verlängern, ist weitgehender Konsens in Wahlprogrammen. Die Grundstücke dafür sind frei gehalten, doch es gibt seit Jahren Streit ums Geld, vor allem was die jährlichen zu erwartenden Betriebsdefizite betrifft. Dafür müsste der Landkreis einstehen. Dass die Stadtwerke die Verluste selbst tragen, wäre im Hinblick auf EU-Regelungen zur Vergabe wohl nicht unproblematisch. So weit gehen die Wahlprogramme aber nicht ins Detail.

Tarife und Angebote: Die zweite Stellschraube

Neben der Infrastruktur gibt es noch eine zweite Stellschraube, nämlich die Tarife und Angebote. Wachstumspotenzial für den Nahverkehr liegt in der Verknüpfung von Verkehrsmitteln, weil Bus und Tram häufig nicht vor die Haustür fahren. Das bestehende Leihrad-Angebot der Stadtwerke wird aber bislang nur zögerlich angenommen. Trotzdem gilt: Eine bessere Vernetzung von Verkehrsmitteln und der vereinfachte Zugang, etwa durch Apps für Smartphones, gelten als Wachstumsfaktoren für den Nahverkehr der Zukunft.

Ein anderes Thema ist die Tarifstruktur. Das jetzige System mit den konzentrischen Kreisen als Tarifzonen gibt es seit mehr als 20 Jahren. Es ist einfach zu verstehen, aber beinhaltet bei bestimmten Fahrten Ungerechtigkeiten. Zuletzt gab es mit einem Ticket für den Zonensprung vor vier Jahren eine Neuerung. Einige Parteien wollen völlig neue Tarifzonen bzw. Ticketformate einführen. Das am stärksten diskutierte Beispiel ist das Sozialticket. Maßgeschneiderte Tickets sind nutzerfreundlich, jedoch wird die Tarifstruktur komplizierter. Zudem muss auch der AVV mitspielen, wobei eine bereits in der Umsetzung befindliche Änderung des Gesellschaftervertrags neue Spielräume eröffnen könnte.

Einige Parteien wollen den Nahverkehr für die Kunden noch günstiger machen. Das müsste aber gegenfinanziert werden, ohne gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Die Verkehrssparte der Stadtwerke macht 40 Millionen Euro Defizit pro Jahr. Defizite im öffentlichen Nahverkehr sind unvermeidbar, weil Angebote nicht nur zu lukrativen Hauptverkehrszeiten gemacht werden müssen. Bezahlt wird das Defizit von den Energiekunden der Stadtwerke. Gewinne und Verluste werden konzernintern verrechnet.

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