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Augsburg

31.01.2019

So stehen die Chancen für Mitarbeiter von Ledvance und Fujitsu

In der IT-Branche werden Fachkräfte dringend gesucht. Dieser Fakt kommt zum Beispiel Mitarbeitern von Fujitsu (unser Bild) zugute: Auch wenn das Unternehmen seinen Standort Augsburg schließt, werden gut ausgebildete Beschäftigte wohl bald neue Arbeitgeber finden...
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In der IT-Branche werden Fachkräfte dringend gesucht. Dieser Fakt kommt zum Beispiel Mitarbeitern von Fujitsu (unser Bild) zugute: Auch wenn das Unternehmen seinen Standort Augsburg schließt, werden gut ausgebildete Beschäftigte wohl bald neue Arbeitgeber finden...

Plus In manchen Branchen gibt es mehr freie Stellen als Arbeitnehmer. Doch nicht für alle, die in Augsburg aktuell Jobs verloren haben, gibt es Hoffnung.

Als die Standortschließung von Ledvance bekannt wurde, dauerte es nicht lange, bis erste Mitarbeiter des Lampenherstellers aktiv von anderen Unternehmen auf einen Wechsel angesprochen wurden. Sie erzählten davon bei Gesprächen am Werkstor. Auch bei unserer Redaktion meldeten sich Firmen, die ihr Interesse an den frei werdenden Fachkräften bekundeten und um die Vermittlung eines Kontakts baten.

Ähnlich ist es jetzt bei Fujitsu: Beschäftigte mancher Bereiche sind „aktiv nachgefragt“, bestätigte Standortleiterin Vera Schneevoigt der Redaktion. Und auch bei der Agentur für Arbeit Augsburg haben sich laut Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung, zuletzt Firmen und Betriebe gemeldet und angeboten, Mitarbeiter der von Standortschließungen betroffenen Unternehmen zu übernehmen.

Selbst Mitarbeiter florierender Unternehmen, die keinen Stellenabbau und keine Standortschließung planen, sind gefragt. Das Dentallabor Rager aus dem Sheridan Park beispielsweise verzichtet darauf, das eigene Team auf seiner Homepage vorzustellen. So will die Firma verhindern, dass gute Mitarbeiter abgeworben werden.

Der Fachkräftemangel, so zeigen diese Beispiele, ist ein zunehmendes Problem auch in der Region. Ein Problem, das nicht selten die Entwicklung eines Betriebs hemmt. Für manche Firmen sei dies eine größere Bedrohung wie der Brexit oder das Agieren von US-Präsident Trump, sagen Experten. Besonders betroffen sind in der Region die Bereiche Hotellerie, Gastronomie, Lager und Logistik, Handwerk oder Metall und Elektro. Besonders stark zeigt sich der Trend bei den IT-Berufen: Auf 100 Stellen kommen im Agenturbezirk Augsburg 68 Bewerber.

Die Nachfrage nach Arbeitnehmern ist gestiegen

Seit Dezember 2017 gab es in diesem Sektor eine Nachfragesteigerung von rund 30 Prozent rechnen Roland Fürst, Geschäftsführer des Arbeitsamts Augsburg, und Agentur-Chefin Elsa Koller-Knedlik vor. Bis zu 150 Tage dauert es im Schnitt, bis Unternehmen in diesen Bereichen eine freie Stelle neu besetzen können. In weniger beliebten Branchen wie in der Pflege können es auch mehr als 200 Tage sein.

Was für die Unternehmen derzeit ein großer Nachteil ist, wird für viele Arbeitnehmer zum Vorteil. Gut ausgebildete Kräfte haben die Qual der Wahl, wenn es darum geht, sich den passenden Arbeitgeber auszusuchen. Vor allem im Hinblick auf die Standortschließungen bei Ledvance und Fujitsu macht der gute Arbeitsmarkt in Augsburg Hoffnung. Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk lag 2018 im Schnitt bei 3,4 Prozent und damit historisch niedrig. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) prognostiziert für die Region für 2019 zudem ein weiteres Sinken der Zahl und damit einen Anstieg bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf rund 263.000.

Der Markt bleibt demnach extrem aufnahmefähig, Hiobsbotschaften wie zuletzt von Fujitsu, Ledvance oder Kuka können, obwohl jeder einzelne verloren gegangene Arbeitsplatz bedauerlich ist, laut Koller-Knedlik gut kompensiert werden. Im Prinzip wirke der Arbeitsmarkt wie ein Schwamm, der in vielen Branchen freie Mitarbeiter regelrecht aufsaugt . Rein statistisch betrachtet, müsste jeder vom Stellenabbau betroffene Mitarbeiter aus den Bereichen IT, Metall und Elektro oder Logistik sofort wieder in Arbeit kommen. Die Agenturchefin weiß aber auch, dass Theorie und Praxis nicht immer deckungsgleich sind. „Eine hundertprozentige Weitervermittlung wird es nie geben. Dafür spielen zu viele persönliche und individuelle Faktoren eine Rolle“, weiß sie aus Erfahrung.

Viele Faktoren spielen bei Neueinstellungen eine Rolle

Neben dem Gehalt, das in der Betrachtung der Mitarbeiter an Bedeutung verliert, haben Arbeitszeitmodelle, die Entfernung zum Arbeitsplatz oder die Stellenbeschreibung des neuen Jobangebots großen Einfluss darauf, ob sich ein Arbeitnehmer für oder gegen eine Stelle entscheidet. „Da kann es unter Umständen sein, dass der Weg zunächst in die Arbeitslosigkeit führt und die Suche nach dem passenden Neustart dauert“, so Koller-Knedlik. Über kurz oder lang finden Fachkräfte aber wieder Arbeit. Auch das bestätigt die Statistik. Nur etwas mehr als die Hälfte der rund 12.000 Arbeitslosen in Augsburg sind Fachkräfte. Alle anderen sind ungelernt.

Apropos ungelernt: Auch solche Mitarbeiter haben bei Ledvance ihren Job verloren oder stehen bei Fujitsu kurz davor. Für sie ist es, wie auch für ältere Arbeitnehmer, tatsächlich schwieriger, wieder eine Stelle zu finden. Dennoch profitieren auch sie von der guten konjunkturellen Lage. „Die Unternehmen brauchen dringend Mitarbeiter. Deswegen setzen wir hier auf Weiterbildung und Qualifizierung“, sagt Roland Fürst. Mit entsprechenden Maßnahmen, die von der Agentur für Arbeit bezahlt werden, können viele Betroffene fit für den Einsatz bei einem neuen Arbeitgeber gemacht werden.

Im Fall der Gersthofer Backbetriebe, wo viele ungelernte Kräfte beschäftigt waren, hat sich das Modell ausgezahlt. Schon am gleichen Tag der Stellenbörse für die Mitarbeiter wurden erste Arbeitsverträge geschlossen, auch Anträge für Eingliederungszuschüsse und andere Maßnahmen gingen bei der Arbeitsagentur ein. Dazu biete die Region mit Amazon und den Logistikbetrieben entlang der B17 mehr Potenzial für ungelernte Kräfte als andere Agenturbezirke.

Lesen Sie zum Thema auch: Steht es wirklich so schlecht um die Wirtschaft in Augsburg? und 18.000 offene Stellen: Firmen brauchen jetzt Unterstützung.

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