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Augsburg

17.03.2015

So viel Müll liegt in der Stadt herum

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Eine etwas andere Ausstellung: Mit diesem Kunstwerk zeigt Markus Frowein an der Gögginger Brücke, was er in der Umgebung an Müll gesammelt hat. Jetzt soll er damit aufhören.
Bild: Anne Wall

Seit der Schnee weg ist, taucht der Abfall wieder auf. Nicht nur die Stadt hat ihm den Kampf angesagt. Markus Frowein hat ein Kunstwerk geschaffen. Jetzt bekam er Polizei-Besuch.

Eigentlich sind ihm Pappbecher im Gebüsch, Kartons in Wiesen und leere Flaschen am Wegesrand ein Graus. Doch diesen Müll sieht Gerd Röhner gerne. Er steht auf der Gögginger Brücke, blickt in Richtung Hauptbahnhof und sieht ein Müll-Kunstwerk. Säcke stehen aufgereiht. Wahlplakate sind hindrapiert. Flaschen bilden einen Kreis. „Dieser Müll wurde im Umkreis von 500 m gesammelt“, steht dabei.

Stadtreinigung entfernt zunächst Splitt und Schmutz auf Radwegen

Der einzige Hinweis auf den Künstler ist eine Internetadresse. Viele Passanten schauen auf das Mahnmal im Bereich der Ladehöfe. Gerd Röhner war schon ein paar Mal hier und sagt: „Ich finde das gut, denn überall liegt Dreck herum. Die Leute laden einfach alles irgendwo ab.“ Eine Frau stimmt ihm zu – und tatsächlich: Wer einen Blick an den Wegesrand wirft, findet vor allem jetzt nach dem Winter fast überall Müll und Dreck.

Seit der Schnee geschmolzen ist, sind die Mitarbeiter des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebes (AWS) wieder im Putz-Einsatz, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Im Winter schoben sie unter anderem beim Schneeräumen Dienst. Bis die 100 Frauen und Männer allerdings die Stadt einmal sauber haben, wird es dauern: „Sollte das sonnige Wetter anhalten und es nicht wieder zu Frost kommt, sollte die Stadt bis Ostern gereinigt sein“, sagt Erben.

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Im Moment entfernen sie vor allem den Splitt und Schmutz auf Radwegen, aber auch die Nebenstraßen werden gereinigt. In den städtischen Grünanlagen kümmert sich das Amt für Grünordnung um den Dreck, den andere hinterlassen haben. Immer wieder bekommt die Stadt dabei Hilfe von dem Mann, von dem auch das Müllkunstwerk unter der Gögginger Brücke stammt.

Müll-Künstler Frowein: Leidenschaft in wilder Festivalnacht entdeckt

Er heißt Markus Frowein und hat seine Leidenschaft im Kampf gegen den Müll auf einem wilden Festival vor einigen Jahren in Nordrhein-Westfalen entdeckt: „Ich habe nachts begonnen und am Morgen war alles sauber“, erzählt der 44-Jährige. Später sorgte er in Regensburg mit seinem künstlerischen Kampf für die Natur und gegen den Müll für Aufsehen.

Inzwischen hat ihn die Liebe nach Augsburg gezogen. Seine Leidenschaft blieb, denn: „Die Stadt ist überall vermüllt.“ Daher startet Markus Frowein neben seinem Teilzeitjob als Behinderten-Assistent immer wieder Sammelaktionen. Vor ein paar Wochen begann er, den Abfall rund um die Gögginger Bahnbrücke zusammenzutragen.

Er sammelte, was er im Umkreis von rund 500 Metern in den Grünflächen fand. Das reicht bis hin zum großen Reifen. Anfangs, sagt er, sortierte er den Abfall nach seiner Art und legte ihn am Ende der neu gebauten Straße in den Ladehöfen ab: Glas, Hausmüll, Sperrmüll. Dann gab er – wie er es immer macht – dem AWS Bescheid. „Sonst holen sie den Müll dann immer ab“, sagt Markus Frowein. Warum es dieses Mal anders war, ließ sich zunächst nicht klären.

Frowein begann auf jeden Fall, ein immer größeres Kunstwerk aus dem Müll zu bauen, den er in der Umgebung aus der Natur fischte. Gerd Röhner hat die Entstehung beobachtet: „Es kam immer wieder etwas Neues dazu“, sagt er und wundert sich zugleich, warum die Menschen so viel Müll einfach wegwerfen. „Man kann doch heute alles abgeben...“, wundert er sich. Selbst die Sperrmüllabfuhr ist heute in Augsburg kostenlos.

Augsburger Müll-Kunstwerk darf nicht weiter wachsen

Dennoch landet immer noch viel auf Straßen und Grünflächen. Allein der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb trug beim Kehren und Sammeln 2014 mehr als 1200 Tonnen Abfall zusammen – allerdings sind die geleerten Mülleimer mit enthalten. Schwerpunkt der Arbeit ist die Innenstadt. Mehr als 2000 Augsburger haben zudem als ehrenamtliche Helfer ihre Stadt gereinigt. Während der Aktion „Sauber ist in“ trugen sie 48 Kubikmeter Müll zusammen. Das entspricht etwa 1700 Abfallkörben. Dieses Jahr beginnt der Frühjahrsputz am 1. April. Markus Frowein findet die Aktion gut. Sein Kunstwerk am Bahnhof hat ihm jetzt allerdings ein wenig Kummer eingebracht.

Gestern bekam er Besuch von der Polizei. Man unterhielt sich und am Ende stand die Aussage: Markus Frowein soll seinem Werk keinen weiteren Müll hinzufügen. Polizeisprecher Siegfried Hartmann sagt: „Grundsätzlich ist es lobenswert, was er macht.“ Aber so lange nicht klar sei, wem das Grundstück gehört und wer am Ende den Müll abholt, solle er nicht weitermachen. Die Polizei fürchtet, dass Nachahmer noch weiteren Müll abladen könnten. Wem die Straßen-Fläche auf dem Ladehofgelände aktuell gehört, blieb gestern zunächst unklar – noch einer Privatfirma oder schon der Stadt?

Markus Frowein nahm den Besuch der Polizei gelassen hin. „Ich schaue mal, was passiert“, sagt er. Sein Mahnmal unter der Bahnbrücke will er unberührt lassen. „Ich suche mir wahrscheinlich eine andere Stelle“, sagt er. So lange andere Müll achtlos wegwerfen, gibt es schließlich noch genug Arbeit für Menschen wie ihn.

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