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Augsburg

21.08.2019

So viel Zeit haben Fußgänger in Augsburg noch, wenn es Rot wird

Die Grünphase an Fußgängerampeln scheint nicht immer die fairste zu sein.
Bild: Friso Gentsch, dpa (Symbolbild)

Plus Ampeln in Augsburg lösen Unmut bei Fußgängern aus, weil es nicht jeder über die Straße schafft, bevor die Ampel rot wird. Doch genau das kalkulieren Verkehrsplaner ein.

Ein junger Mann sprintet noch hinüber, aber die Oma mit dem Rollator schafft es nicht mehr über Grün. Manche Ampeln in Augsburg sind nur wenige Sekunden für Fußgänger auf Grün geschaltet - so wie die an der Wertachbrücke. Andere Fußgängerampeln haben dagegen Grünphasen von fünfzig Sekunden und mehr. Bei so einem großen Zeitunterschied entsteht schnell der Eindruck, dass die Phasen der Ampeln willkürlich sind. Doch jede Ampel arbeitet mit einem System, das das Verkehrsaufkommen und die Schrittgeschwindigkeit der Fußgänger berücksichtigt. Dazu gehört auch, dass der Fußgänger noch Zeit hat über die Straße zu gehen, wenn die Ampel auf Rot schaltet. Die Verkehrsplaner der Stadt erklären, worauf sie bei der Ampelschaltung achten.

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Im Idealfall ist jeder Verkehrsteilnehmer innerhalb von 1,5 Minuten dran

Allein im Stadtgebiet Augsburg gibt es 320 Ampeln. An jedem Knotenpunkt mit einer Ampel soll gewährleistet werden, dass in einem Zeitraum zwischen 90 und 140 Sekunden jede Verkehrsströmung einmal Grün hatte. Schwierig gestaltet es sich dann, wenn es nur eine bedingte Verträglichkeit der Verkehrsströme gibt. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel Fußgänger und abbiegende Fahrzeuge eine Grünphase teilen. Ein Beispiel wäre die Kreuzung an der die Autos, die vom Kesselmarkt auf die Ludwigstraße abbiegen, während Fußgänger diese überqueren. Die Ampel für die Fußgänger zeigt dort je nach Tageszeit zwischen 7 und 12 Sekunden Grün.

Riegele-Wirtshaus - Die Grünphase ist häufig nicht lang genug

Eine Ewigkeit, wenn man sie mit der Ampel am Riegele Wirtshaus vergleicht. Wo die Viktoriastraße in der Fröhlichstraße endet, haben viele Fußgänger Probleme rechtzeitig über die Straße zu kommen, denn die Ampel schaltet im Extremfall nur fünf Sekunden lang auf grün. Hier schaffen es die meisten Fußgänger nur bis auf die kleine Verkehrsinsel. Dr. Gunther Höhnberg, Leiter des Tiefbauamts in Augsburg erklärt, dass in diesem Fall die Schutzzeit eine wichtige Rolle spielt: „Setzt der Fußgänger bei grün den Fuß auf die Straße, auch wenn sie dann direkt auf rot schaltet, setzt ja erst mal die Schutzzeit ein, sodass man es noch über die Straße schafft.

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Kinder und Senioren werden vom Ampel-System berücksichtigt

Diese Schutzphase fängt damit an, dass die Fußgängerampel rot wird und endet damit, dass andere Verkehrsströme Grün angezeigt bekommen. Die Berechnungen des Zeitraums gehen dabei davon aus, dass ein Fußgänger im Durchschnitt 1,2 Meter in der Sekunde zurücklegt. Wenn die Straße also fünf Meter breit ist, bleiben dem Fußgänger noch sechs Sekunden mehr Zeit die Straße zu überqueren. An Schulen, Kindergärten und Altersheimen wird mit einer Länge von einem Meter pro Sekunde gerechnet, da dort langsamere und kleinere Menschen über die Straße müssen.

Ein besonderer Fall ist die Ampelanforderung für Blinde. Diese verlängert nicht die Grünphase, oder sorgt dafür, dass die Ampel schneller auf Grün schaltet, sondern verlängert die Schutzzeit. Allein an den Ampeln, an denen auf einem großen Knopf „Bitte Drücken“ steht, können Fußgänger ihre Grünphase anfordern und das meistens nur abends und nachts, wie in der Fuggerstraße. Tagsüber schalten die Ampeln automatisch, um das hohe Verkehrsaufkommen zu regeln.

Augsburger Ampeln werden regelmäßig neu bewertet und eingestellt

Der Verkehrstechniker Markus Furnier arbeitet fürs Tiefbauamt und sagt: „Ampeln, die wie am Riegele Wirtshaus von vielen als problematisch gesehen werden und über die im Tiefbauamt auch Beschwerden eingehen, überprüft die Abteilung für Verkehrstechnik noch einmal und evaluiert sie neu“.  Allerdings sei es fast unmöglich, es jedem recht zu machen. Denn auch wenn 90 Sekunden lang wirken, ist es schwierig die Zeit unter den Verkehrsteilnehmern aufzuteilen.

Nur Sonderfahrzeuge werden in dem System der Ampeln bevorzugt. Diese können die Ampelschaltung zu allen Tageszeiten beeinflussen. Zum Beispiel haben Busse und Trams in Augsburg Vorrecht. Und wenn ein Feuerwehrauto die Straße nutzt, kann es auch schon mal sein, dass eine Fußgängerphase komplett übersprungen wird, weil speziell die Feuerwehr durch Funksignale das System für eine freie Fahrt beeinflussen kann. Danach springt das Ampelsystem wieder an den Anfang seines Ablaufs und die Autos bekommen Grün. Augsburg ist mit zwei Feuerwehrstandorten darauf angewiesen, dass die Rettungsfahrzeuge schnell an ihrem Ziel ankommen. Die Polizei und die Rettungswagen müssen sich der Sirene bedienen und haben keinen Einfluss auf die Ampelschaltung.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast zur Verkehrssituation in Augsburg an:  

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.08.2019

Eine "Schutzphase" für Fussgänger ist ja grundsätzlich richtig, wenn es da nicht die Rüpel gebe, die einem beim Überqueren buchstäblich in den Hintern fahen, "weil es halt pressiert". Die Rücksichtnahme nimmt leider heute sehr schnall ab.

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