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Politik

18.01.2019

So viele Augsburger Briten wollen Deutsche werden

Der Brexit beschäftigt viele Menschen mit Bezug zu Großbritannien in Augsburg.

Britische und irische Staatsbürger erzählen, wie sie zum „Brexit“ stehen – und welche Sorgen sie haben

29. März, 23 Uhr – ab diesem Zeitpunkt soll das Vereinigte Königreich nicht mehr zur EU gehören. Was bis dahin und danach passiert, ist reichlich unklar. Nicht nur für Wirtschaft und Politik, sondern auch für den persönlichen Bereich. Wir haben mit Augsburgern mit einer engen Beziehung zu Großbritannien gesprochen, wie sich die chaotischen Verhältnisse in dem Land auf ihr Leben auswirken. „Ich glaube, sie haben einen großen Fehler mit dem Brexit gemacht“, sagt etwa Elisabeth Micheler-Jones. Die ehemalige Olympia-Siegerin im Kanuslalom ist seit 1993 mit Melvyn Jones, einem erfolgreichen Kajakfahrer aus England, verheiratet. Mehrmals im Jahr besuchen sie ihre englischen Verwandten, ihre Kinder haben doppelte Staatsbürgerschaft.

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Die Familie hat eine enge Bindung an die Insel. Beide sind gegen den Brexit, und Micheler-Jones hält die aktuelle Situation für einen „großen Scherbenhaufen“. Melvyn Jones, Abteilungsleiter für internationalen Verkauf bei Deuter Sport, befürchtet vor allem dramatische Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien, sollte es zum endgültigen Bruch kommen.

Außerdem sehen die beiden die Grenze zwischen Irland, das zur EU gehört, und Nordirland, das Teil Großbritanniens ist, als unausweichlichen Konfliktherd. Dieser Meinung schließt sich auch Donal O’ Riada an. Der 53-jährige Ire lebt seit 1995 in Deutschland und ist sieben bis zehn Mal im Jahr in Irland. Den harten Brexit, der die Schließung der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland vorsieht, hält er für „einen Albtraum. Meine Befürchtung ist, dass britische Soldaten die Grenze kontrollieren müssen – und das wird von den Iren nicht akzeptiert.“

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Seine Tochter Alina, 19, hält politische Unruhen in diesem Fall für wahrscheinlich. Dennoch strebt sie an, ein Studium in Galway, an der Westküste Irlands, aufzunehmen – Studiengang „Jura und Menschenrechte“. Dieser Optimismus ist auch an die Hoffnung auf ein zweites Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gekoppelt. Beide wünschen sich ein mehrheitliches Bekenntnis zu Europa. Aber der Realismus überwiegt. „Ich denke, es ist die sinnvollste Maßnahme, aber ich glaube nicht daran“, sagt O’ Riada.

Dieses Gefühl haben einige Briten in Augsburg. Laut der Ausländerbehörde haben die Zahlen britischer Einbürgerungsbewerber bei der Stadt Augsburg nach dem Referendum im Jahr 2016 signifikant zugenommen. In Augsburg beantragten in den Jahren 2009 bis 2015 durchschnittlich zwei britische Staatsangehörige pro Jahr ihre Einbürgerung. Im Jahr 2016 waren es 16 Personen, 2017 bereits 26 und 21 im Jahr 2018. Eins steht fest: Die Unsicherheit darüber, wie sich die europäisch-britische Beziehung gestaltet, wird wahrscheinlich auch in Zukunft nicht abnehmen.

Aber es gibt auch positive Stimmen, die sich von den unruhigen Zeiten nicht beirren lassen. Dieter Saborowski, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Augsburg, sieht die Beziehung zur schottischen Partnerstadt Inverness nicht gefährdet: „In jüngster Vergangenheit wurde bei diversen Begegnungen und Anlässen von beiden Seiten immer wieder betont, dass ein Brexit auf die Kommunalpartnerschaft keine Auswirkungen haben wird.“ Schließlich sei die Partnerschaft bereits vor den Römischen Verträgen geschlossen worden – im Zeichen von „Völkerverständigung durch Kulturaustausch“.

Unterm Strich spürt man bei all dem Pessimismus eine leise Hoffnung auf ein Happy End.

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