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Augsburg

05.05.2018

So vielfältig sind die Maifeiern

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Lukas Genswürger (rechts) von der Pfarrjugend gab dem Kriegshaberer Maibaum den letzten Schliff. Pfarrer Gerhard Groll segnete ihn „bayerisch-schwäbisch“. 
Bild: Mateusz Roik

Die westlichen Stadtteile feiern ihr Maifest sehr unterschiedlich.

Das Maibaumfest vor der Kirche Herz Jesu in Pfersee ist ein wichtiger Stadtteiltreff. Stadtpfarrer Franz Götz sprach von einem „Raum, wo man sich versammeln kann“. In der Tat hatten sich 21 Vereine und Gruppen, unterstützt vom Spielmannszug der Feuerwehr Haunstetten und der Musikkapelle Bergheim, am Umzug von der Lutzstraße zum Kirchplatz beteiligt, unter ihnen auch Oberbürgermeister Kurt Gribl und seine Frau Sigrid. Nach der Aufstellung des Baums, wofür die Feuerwehr eine gute halbe Stunde brauchte, füllte sich der Platz bei Bilderbuchwetter dann rasch mit feierfreudigen Bürgern. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Pferseer Vereine (AGP), Peter Emil Monz, nannte das Fest ein Zeichen der Gemeinschaft in Pfersee, fügte aber noch hinzu: „Wir wollen hier keine politische Veranstaltung.“ Auf Nachfrage bezog er diese Bemerkung auf den Infostand der CSU an der Kirchplatzmauer. CSU-Ortsvorsitzender Bernd Zitzelsberger sagte dazu im Gespräch mit unserer Zeitung, seinen Stand beim Maibaumfest gebe es schon sehr lange. Er sei absichtlich nicht auf dem Kirchplatz aufgestellt worden – im Gegensatz zur Bürgeraktion Pfersee, und es würden bei ihm keine Hochglanzbroschüren und Mitgliedsanträge ausgelegt. Außerdem hätten auch SPD und Grüne schon Stände beim Maibaumfest gehabt.

Stände lieber zulassen

Zitzelsberger bedauerte, dass Parteien nicht Mitglied in der AGP sein könnten. Ihr Auftrag sei, eine Verbindung zwischen den Bürgern und der Regierung herzustellen. Auch Stände extremer Parteien würde er lieber zulassen, als allen ihre politische Arbeit verbieten zu wollen. Es sei jedoch unmöglich, die Politik aus dem Fest herauszuhalten – AGP-Vorsitzender Monz sei etwa Sprecher der Pferseer Grünen. Von dieser Meinungsverschiedenheit ließen sich die Bürger aber vom Feiern nicht abhalten.

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Das Maifest auf dem Platz am Oberhauser Bahnhof war etwas Besonderes: Das hatte es nämlich in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr gegeben, weil sich niemand mehr der Mühe unterziehen wollte, einen Maibaum zu beschaffen, herzurichten und aufzustellen. Jetzt wurde es an das Kirschblütenfest, das auch in den Vorjahren gefeiert worden war, angehängt. Nicht zufällig eröffnete Ordnungsreferent Dirk Wurm die Feier. „In Oberhausen gibt es Platz für alle, wenn man nach der Devise verfährt: leben und leben lassen“, sagte er in Anspielung auf die Süchtigen auf dem Platz, die demnächst durch einen betreuten Treff in einer ehemaligen Apotheke aufgefangen werden sollen.

Die Arge Oberhausen und das Restaurant Bob’s seien interessiert daran gewesen, den Helmut-Haller-Platz aufzuwerten und zu beleben, so Hauptorganisator Werner Hartmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb finden hier schon seit Längerem immer wieder Veranstaltungen statt, wobei sich das Maifest vor allem an alteingesessene Oberhauser wende. Insgesamt sei ein gemischtes Publikum da gewesen, darunter auch Migranten und viele Anwohner, und alles sei friedlich abgelaufen. „Die Leute kommen, haben hier Spaß und keine Angst“, hob Hartmann hervor. Arge-Vorsitzende Hannelore Köppl bestätigte, der Besuch sei gut gewesen, vor allem bei den Konzerten am Abend. „Wir hatten noch nie drei Tage hintereinander gutes Wetter“, freute sie sich.

Gute Feststimmung bei strahlendem Wetter herrschte auch im Bärenkeller. Hier wird der Maibaum traditionell zwar schon am Vormittag hergerichtet, aber erst aufgestellt, wenn die Festzelte auf dem Platz zwischen St. Konrad und der Schule schon voll sind. Stadtrat Günter Göttling eröffnete das Fest. Nach Aussage der Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Pro Bärenkeller, Christine Deschler, ist das Maibaumfest das erste von drei Festen im Jahreslauf im Stadtteil: Es folgen das Pfarrfest und das Fest auf dem Wochenmarkt im Juni. Erstmals ist in diesem Jahr laut Deschler ein viertes Fest geplant, die Bärenkeller-Tafel, ein gemeinsames Essen unter freiem Himmel, ähnlich der Friedenstafel beim Hohen Friedensfest auf dem Rathausplatz.

Im Innenhof der Schule 

Pünktlich zum Maibaumfest wurde im Innenhof der Schule ein kleines Backhaus eingeweiht, mit dem die Schüler künftig Brotbacken lernen sollen und der sich auch als Pizzaofen eignet. Also gab es zum Maifest Pizza (Margherita, Salami oder Schinken). Die Nachfrage war so groß, dass die Zutaten bereits nach zwei Stunden nahezu erschöpft waren. Die Schüler verkauften außerdem selbst gemischte Gewürze. Druckfrisch verteilt wurde ein Stadtteilführer, ein buntes Verzeichnis von Geschäften, Vereinen und Organisationen im Bärenkeller, der die Nutzer dazu bringen soll, mehr vor ihrer Haustür einzukaufen und sich zu engagieren.

Beim Maifest in Kriegshaber sagte ein Besucher zum anderen: „Jetzt tät’ noch der blau-weiße Himmel fehlen.“ Der andere: „Sei still. Wenigstens regnet es nicht.“ Am Maifeiertag war es überwiegend nicht mehr so sonnig wie an den Vortagen. Die Kriegshaberer ließen sich aber die Feierlaune nicht verderben. Hier ist das Fest eine Sache der Pfarreiengemeinschaft und besonders der Pfarrjugend St. Thaddäus. Sie hatte den 24 Meter hohen Baum aus dem Siebentischwald besorgt und geschmückt und richtete ihn mit einem Kran und einer Hebebühne örtlicher Firmen auf, worauf Pfarrer Gerhard Groll lobend hinwies.

Lukas Genswürger vom Leitungsteam der Pfarrjugend hatte zum Schluss die Aufgabe, den Haltegurt in schwindelnder Höhe zu lösen und eines der angebrachten Embleme zurechtzurücken. Anschließend segnete Pfarrer Groll, assistiert von Mesnerin Ana Moreira, den Baum auf „schwäbisch-bayerische Art“, wie er sagte: erst mit Weihwasser, dann mit Weihrauch und schließlich mit einer Maß Bier. Einen Schluck trank er auf das Fest, den Rest bekam der Baum. Danach konnte das Fest beginnen. Dazu spielte die in der Pfarrei wohlbekannte Band Rollin’ Coneheads.

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