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Augsburg

27.08.2020

So will die Fuggerei trotz Geldsorgen das Jubiläumsjahr stemmen

Seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown gibt es in der Fuggerei täglich Führungen für Besucher. Die Zahl der Besucher hat durch Corona allerdings stark abgenommen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus 2021 wird die Fuggerei 500 Jahre alt. Doch durch Corona ist das Geld knapp. Ein Bürgerfest wird es kommendes Jahr nicht geben, doch eine Alternative ist geplant.

Es hätte ein gutes Jahr 2020 werden können für die Fuggerei: Im Januar kamen 50 Prozent mehr Besucher als im selben Monat 2019, im Februar lag das Plus bei elf Prozent. Doch dann kam Corona und mit dem Virus die Schließung der Sozialsiedlung für Touristen. Die finanziellen Verluste sind so hoch, dass die Fugger’schen Stiftungen Sanierungen schieben müssen. Auch das 500-jährige Bestehen der Sozialsiedlung im nächsten Jahr wird kleiner ausfallen – unter anderem wird das geplante Bürgerfest gestrichen.

Leere Gassen - so zeigte sich die bei Touristen beliebte Fuggerei während des Lockdowns.
Bild: Eckhart Matthäus

Rund 920.000 Euro nimmt die Fuggerei pro Jahr durch Eintrittsgelder ein. Seit 2005 müssen Gäste für einen Rundgang durch die Sozialsiedlung bezahlen, aktuell sind es 6,50 Euro pro Person. Mit dem Geld hält die Stiftung die Häuschen der Bewohner in Schuss. Doch dieses Jahr wird hier der Rotstift angesetzt. „Wir hätten gerne eine halbe Million Euro mehr investiert, aber Dächer, Fenster und Türen können aktuell nicht auf Vordermann gebracht werden“, sagt Sprecherin Astrid Gabler. Alles, was die Optik betrifft, müsse warten, wahrscheinlich werden auch ein, zwei Wohnungen weniger saniert. Die Kernsanierung eines Hauses, die heuer geplant war, kann sich die Stiftung ebenso wenig leisten.


Denn auch eine andere Einnahmequelle ist versiegt: der Forst. Die Holzpreise sind aufgrund mehrerer Stürme so stark gesunken, dass der Wald eher ein Draufzahlgeschäft sei, sagt Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Der Tourismus erhole sich zwar, aber nur langsam: „Beim Einzeltourismus haben wir wieder 80 Prozent der Normalwerte erreicht. Schulklassen und innerdeutsche Busreisen sind dagegen fast komplett weggebrochen.“ Auch aus dem Ausland kämen nur wenig Gäste. Allein für die kurze Zeit von Mitte März bis Mitte Mai liegen die Verluste laut von Hundt bei rund 160.000 Euro.

Dabei sollten bis nächstes Jahr eigentlich alle 67 Fuggerei-Häuschen auf Vordermann gebracht sein. Denn im Jahr 2021 wird die älteste Sozialsiedlung des Kontinents wohl weltweit im Fokus stehen: Sie feiert ihr 500-Jähriges. Am 23. August 1521 hatten Jakob Fugger und seine Neffen den Stiftungsbrief für die Einrichtung unterzeichnet, die seitdem dem immer selben Zweck dient: bedürftigen Augsburgern für wenig Geld eine Heimat zu bieten.

Auch mit Augsburgs Bürgern wollte man das Fuggerei-Jubiläum feiern

Die Fugger’schen Stiftungen und die Stadt wollten diese 500 Jahre mit prominenten Gästen, vor allem aber auch mit den Bürgern feiern. Geplant waren ein Festakt, ein historisches Bürgerfest und viele andere Aktionen übers Jahr 2021 hinweg. Doch Corona hat nicht nur die Finanzierung durcheinander gewirbelt, auch die Unsicherheit, welche Veranstaltungen im kommenden Jahr überhaupt mit wie vielen Besuchern möglich sein werden, hat die Planungen umgeworfen. „Wir versuchen uns zu fokussieren und manches zusammenzulegen, um einen sparsamen Umgang der Mittel zu schaffen und dieses Jubiläum trotzdem feiern zu können“, sagt Astrid Gabler. Großveranstaltungen wie ein historisches Bürgerfest dagegen wurden bereits gestrichen.

Das Museum der Bewohner wurde vergangenes Jahr eröffnet. Nächstes Jahr soll ein weiteres Fuggerei-Museum überarbeitet werden.
Bild: Eckhart Matthäus

Dennoch: An einigen Ideen will man in der Fuggerei festhalten. So soll das Museum in der Mittleren Gasse, das die Geschichte der Sozialsiedlung erzählt und auch eine historische Wohnung zeigt, modernisiert werden. Künftig sollen Besucher dort erfahren, woher Jakob Fugger das Geld für die Stiftung nahm und welche Rolle Anton Fugger spielte, der das Fugger-Imperium im Jahr 1525 von seinem Onkel Jakob übernahm. Auch soll erklärt werden, warum Jakob Fugger die Sozialsiedlung überhaupt ins Leben rief.

„Fuggerei der Zukunft“: Augsburger Idee soll in der Welt verbreitet werden

Die Stadt beteiligt sich mit einer Ausstellung im Maximilianmuseum am Jubiläumsjahr. Es geht allgemein um das Thema Stiftungen, eine Tradition, die in Augsburg seit jeher groß geschrieben wurde. Genau hier wollen kommendes Jahr auch die Fugger’schen Stiftungen ansetzen. „Wir würden die Augsburger gerne dazu bewegen, sich wieder stärker für ihre Stadt zu engagieren“, sagt Stiftungsadministrator Graf von Hundt. Seit einiger Zeit arbeiten die Stiftungen deshalb gemeinsam mit Experten an der Idee einer „Fuggerei der Zukunft“. Ausgehend von Augsburg soll eine Modellsiedlung entwickelt werden, die ähnlich wie die Fuggerei Bedürftigen hilft, deren Idee aber auf Länder in aller Welt übertragen werden könnte. Der Startschuss dafür soll im Jubiläumsjahr fallen."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Fuggerei 2.0 ist eine Idee mit Charme

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