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Politik

16.10.2018

So wirkt sich die Wahl auf Augsburg aus

Wie viele Abgeordnete wird Augsburg künftig im bayerischen Landtag sitzen haben? In der aktuellen Legislaturperiode sind es vier, ihre Zahl könnte aber auf bis zu acht Politiker steigen.
Bild: Ralf Lienert

Bis zu acht Politiker aus der Stadt könnten ins Maximilianeum einziehen. Eine, die auf ihren Erfolg gehofft hatte, ist aber wohl nicht dabei. Mit dem Wechsel in München wird auch der hiesige Stadtrat neu aufgestellt

Auch einen Tag nach der Landtagswahl stand am Montag noch nicht fest, wie viele Augsburger Kandidaten den Sprung ins Maximilianeum geschafft haben. Am Nachmittag war in Augsburg zwar die detaillierte Auszählung der Zweitstimmen-Wahlzettel abgeschlossen, doch um Schlussfolgerungen ziehen zu können, wer drin ist und wer nicht, müssen die schwabenweiten Ergebnisse vorliegen. Das war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht der Fall. Allerdings zeichnen sich inzwischen einige Entwicklungen deutlicher ab: Eine Analyse der fünf wichtigsten Erkenntnisse aus dem Wahlergebnis in Augsburg.

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Sicher ist, dass Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel (beide CSU) als siegreiche Direktkandidaten aus den beiden Augsburger Stimmkreisen im Landtag vertreten sein werden. Bei den Grünen stehen die Zeichen dafür, dass neben Stephanie Schuhknecht (ihr Einzug kann als sicher gelten) auch Cemal Bozoglu den Sprung in den Landtag schafft. In Schwaben stehen den Grünen sechs Mandate zu, und Bozoglu, der bei den Erststimmen im Augsburger Westen 22,2 Prozent errang, dürfte auch bei den Zweitstimmen im Augsburger Osten gut abgeschnitten haben.

Die Chancen von Margarete Heinrich (SPD) auf einen Landtagssitz sind weiterhin gering. Schwabenweit stehen den Sozialdemokraten zwei Landtagssitze zu – Harald Güller (Augsburg-West) hat einen davon so gut wie sicher. Simone Strohmayr (Aichach-Friedberg) steht auf Platz zwei der SPD-Liste und hat in Augsburg nicht wenige Stimmen geholt. Das macht es für Heinrich, Fraktionschefin im Augsburger Stadtrat, sehr schwierig.

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Mäßig sieht es auch für Herbert Woerlein (Augsburg-Land Süd) aus. Die AfD wird vier schwäbische Abgeordnete schicken. Einer ist Stadtrat Markus Bayerbach, der schwäbischer Spitzenkandidat war. Offen ist, ob es für den zweiten Direktkandidaten Andreas Jurca reicht – wenn, dann wird es knapp. Damit gilt der Einzug von sechs Augsburger Abgeordneten als sicher. Bis zu acht wären möglich, wenn man auch Maximilian Deisenhofer (Grüne) dazuzählt, der in Augsburg-Land kandidiert, aber in Augsburg lebt.

Solange die persönlichen Zweitstimmenergebnisse nicht vorliegen, kann man das nicht abschließend beantworten. Die Antwort ist aber wohl eher: nein. Die Erststimmen-Ergebnisse der Direktkandidaten unterscheiden sich nicht stark von den Zweitstim-menergebnissen für die Partei. Ein Beispiel: Harald Güller (SPD) und Johannes Hintersberger (CSU), langjährige Abgeordnete ihrer Partei, sind zusammen mit dem Parteiergebnis „abgestürzt“. Neue Kandidaten, die naturgemäß keinen hohen Bekanntheitsgrad haben können, etwa Jurca von der AfD, haben hingegen ein Ergebnis, das dem der Partei ähnelt.

Die wird es vor allem bei den Grünen geben, die keine Mandatshäufung betreiben. Das heißt: entweder Landtag oder Stadtrat. Für Stephanie Schuhknecht wird wohl Matthias Lorentzen (früher Strobel), langjähriger Parteivorsitzender, nachrücken. Sollte Bozoglu den Sprung schaffen, wird es spannend. Dann wäre die frühere Kulturbürgermeisterin und Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller, Eva Leipprand, als Nächste auf der Liste. Leipprand war am Sonntag im Rathaus bei der Wahlveranstaltung anwesend, wollte sich vor dem Vorliegen eines amtlichen Ergebnisses aber nicht äußern.

Dass Leipprand überhaupt auf der Stadtrats-Wahlliste auftauchte, lag nach Meinung von Beobachtern nicht daran, dass sie kommunalpolitische Ambitionen hat, sondern eher daran, dass sie als „Stimmenfängerin“ gesetzt wurde. Das ist ein gängiges Vorgehen, um mit bekannten Gesichtern Wählerstimmen zu holen. Sollte Leipprand für den Fall, dass Bozoglu in den Landtag einzieht, nicht nachrücken, wäre nächste Nachrückerin Bundestagsabgeordnete Claudia Roth. Bei ihr kann ziemlich sicher ausgeschlossen werden, dass sie sich in den Stadtrat setzt. Nächster Aspirant wäre Xaver Deniffel, der für den Bezirkstag kandidiert. Die künftigen Abgeordneten von CSU und AfD werden ihre Stadtratssitze behalten.

In Augsburg haben die Stadtteile unterschiedlich gewählt. Im Zentrum mit hohem Studentenanteil und jüngerer Bevölkerung schneidet die CSU schlechter ab als in „bürgerlichen“ Stadtteilen am Stadtrand. In Innenstadt-Vierteln sind die Grünen die dominierende Kraft. Mit einem Gesamtstimmenanteil von 40,5 Prozent ist das Lechviertel eine grüne Hochburg – so ein Ergebnis konnte keine andere Partei in einem Stadtteil verbuchen.

Die AfD hat in Oberhausen-Nord mit 23,4 Prozent Gesamtanteil ihr bestes Ergebnis eingefahren. In diesem Stadtteil ist der Migrantenanteil relativ hoch. Allerdings reicht dies nicht als Erklärung: Andere Stadtteile mit ebenfalls hohem Anteil – Oberhausen-Nord und Wertachviertel – hatten weniger AfD-Anteil.

Die beiden Stimmkreise sind bayernweit mit am grünsten. Die 24,1 bzw. 22,1 Prozent Gesamtstimmenanteil liegen bei einer Auflistung aller 91 bayerischen Stimmkreise im oberen Viertel. In München und Umgebung sowie Regensburg und Würzburg holten die Grünen anteilig noch mehr Stimmen. Bei der CSU ist es andersherum: Ihr Stimmanteil in Augsburg ist bayernweit im unteren Viertel. Noch schlechter schneidet sie vor allem im Großraum München ab. Der Anteil der AfD in Augsburg liegt im bayernweiten Vergleich im Mittelfeld. Mit den 11,2 bzw. 11,5 Prozent in Augsburg gibt es neben mehreren Landkreisen auch einige städtische Wahlbezirke wie Bamberg oder Nürnberg-West, die weiter vorn liegen. "Kommentar

Wahlanalysen Was OB Kurt Gribl zur Wahl sagt und was die Menschen in den Grünen- und AfD-Hochburgen denken, lesen Sie auf den "Seiten 34 und 35.

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