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Brechtfestival 2018

26.02.2018

Sogar die Götter haben sich fett gefressen

Alle finden Aufnahme in Shen Tes Tabakladen. Eine Szene aus der Inszenierung von „Der gute Mensch von Sezuan“ des Theaters Bremen.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Theater Bremen zeigt beim Brechtfestival eine emotionsgeladene Inszenierung von  „Der gute Mensch von Sezuan“.

Der Mensch muss besser und böser werden. Diesen Rätselsatz legte Friedrich Nietzsche seinem Zarathustra in den Mund. Und Bertolt Brechts Drama „Der gute Mensch von Sezuan“ mutet an manchen Stellen wie die Erläuterung dazu an – wenn man das Stück aus der Perspektive der Hauptfigur Shen Te/Shui Ta betrachtet. Die Prostituierte bekommt von den drei Göttern, die sie beherbergt hat, Geld geschenkt – weil sie gut gehandelt hat. Sie kauft sich einen kleinen Tabakladen, daraufhin kommen die Armen von Sezuan, und lassen es sich bei Shen Te gut gehen, weil Shen Te nicht Nein sagen kann. Um nicht alles zu verlieren, verwandelt sie sich in den hartherzigen Shui Ta.

Die Hauptrolle teilen sich zwei Schauspielerinnen

Vor drei Jahren hat das Theater Augsburg Brechts Stück als Beitrag für das Brechtfestival inszeniert. Verantwortlich war damals die griechische Regisseurin Katerina Evangelatos, die eine Musterinszenierung nach Brechts Dramentheorie auf die Bühne bringen wollte. Das hatte Längen. Damals standen keine Figuren auf der Bühne, sondern Schauspieler, die mit übertrieben gekünstelten Bewegungen den Text ziemlich eckig aussprachen. Ein Langeweile-Exerzitium.

Nun hat Patrick Wengenroth, der künstlerische Leiter des Brechtfestivals, das Theater Bremen mit seiner Inszenierung aus dem Oktober 2016 in den Martinipark eingeladen. Dort hat Regisseurin Alize Zandwijk Brechts Stück und den Figuren mehr Gefühl und Emotion zugestanden. Die Hauptrolle verteilte sie auf zwei Schauspielerinnen, Nadine Geyersbach und Fania Sorel. Das hatte zu Beginn des Theaterabends Zug. Hier das Wasser als ein Leitmotiv, dort ein weißes Handtuch, mit dem sich Shen Te erst vor dem nächsten Freier wäscht, mit dem sie dann die Götterhände reinigt, das sie auch als Abtritt vor dem Tabakladen benutzt.

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Später nehmen die Unterbrechungen zu – vor allem Beppe Costa als schelmischer Alleinunterhalter tut sich da hervor, weil er alle Instrumente spielt, auch auf dem Rücken. Aber in dem Maß, in dem die Späße zunehmen, verliert das Gewebe an Dichte. Die Motive versanden, das Handtuch spielt keine Rolle mehr, das Wasser auch nicht. Augenfällig wird das bei den drei Göttern, die erst gertenschlank auf ihre Suche nach dem guten Menschen gehen, sich dann fett gefressen haben unter den Menschen und sich nach der Pause wieder grundentschlackt zeigen, um im nächsten Bild schwabbelnd als ein Donald und zwei Trumps daherzuwackeln.

Im Vergleich zur Augsburger Inszenierung von 2014 wirkt dieser „Gute Mensch von Sezuan“ dennoch spritziger, gegen Ende auch wieder griffiger und stringenter – etwa mit dem Puppenbild! Viel Applaus für die Darsteller im ausverkauften Haus.

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28.02.2018

Die Kritik von Richard Mayr ist leider ziemlich nichtssagend. Die Entscheidung der Regisseurin, die Hauptfigur von zwei Schauspielerinnen darstellen zu lassen, die ständig in ihrer Doppelfunktion auf der Bühne anwesend sind, hätte doch hinsichtlich Gewinn und Verlust kritisch hinterfragt werden müssen. Dazu hat der Rezensent aber offensichtlich keine Meinung. Auch über den weg gelassenen, bzw. veränderten berühmten Schluss wird kein Wort verloren. In der Aufführung brüllt Shen Te, die Götter anklagend, ins Publikum "...warum gebt ihr uns keine guns und Kanonen und schreit: 'Wehrt euch!..." Die Regisseurin hat das ja nicht willkürlich gemacht sondern hat eine Alternative zum "Epilog" von Elisabeth Hauptmann, Brechts Mitarbeiterin, variierend verwendet: "...Zuschauer, wohnst du selber in solcher Stadt/ Bau sie schnell um, eh sie dich gefressen hat!"
Mit nichtsagenden Floskeln wie "griffig", "spritzig", "stringent" ist dem Theaterbesucher nicht gedient.
Hannes Gröner, Stadtbergen

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