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06.02.2015

Sollen Senioren ihre Wohnung Familien geben?

Ein Vorschlag sorgt für Gesprächsstoff: Wer sein großes Zuhause gegen ein kleineres tauscht, könnte eine Prämie erhalten. In Augsburg kommt die Idee gut an, sie hat aber einen Haken

Viele Senioren leben nach dem Auszug ihrer Kinder oder dem Tod ihres Partners in Wohnungen, die ihnen eigentlich zu groß geworden sind. Gleichzeitig gibt es zu wenig Platz für junge Familien. Der Chef der Gewerkschaft IG Bau und gebürtige Augsburger, Robert Feiger, hat das als großes Problem bezeichnet und eine Lösung vorgeschlagen: Der Staat solle Rentnern in Deutschland eine Prämie von bis zu 5000 Euro zahlen, wenn sie aus großen Wohnungen ausziehen. Doch wie sinnvoll wäre das in Augsburg?

Sozialverbänden findet die Idee Zuspruch. Ein Umzug im Alter scheitere zu oft am Geld, heißt es von der Arbeiterwohlfahrt. Gleichzeitig betonen alle Verbände, dass eine Prämie alleine nicht ausreiche. Gleichzeitig müssten mehr bezahlbare altengerechte Wohnungen entstehen – von denen gebe es in Augsburg zu wenig.

Dem stimmt IG Bau-Chef Robert Feiger zu. „Altengrechte Wohnungen machen in Deutschland nur zwei Prozent des Angebots aus – die Politik müsste dringend die passenden Rahmenbedingungen schaffen, damit sich das ändert“, sagte er. Die Umzugsprämie sei nur eine von vielen Maßnahmen, um gleichzeitig geeigneten Wohnraum für Senioren und Familien zu schaffen.

Der Mangel an kleinen Wohnungen hat auch wirtschaftliche Gründe. „Für Investoren sind mittelgroße einfach lukrativer“, sagt der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg, Mark Dominik Hoppe. Wegen des knappen Angebots in Augsburg müssten Senioren mit viel Platz und Familien mit wenig Platz ihre Wohnungen bei einem Prämienprogramm direkt tauschen – und das wäre schon allein durch nötige Sanierungen nicht möglich.

Auch Hoppe kann sich aber mit der Grundidee der Prämie anfreunden. Doch er bezweifelt, dass ältere Menschen hauptsächlich aus finanziellen Gründen in ihrer alten Wohnung bleiben möchten. „Oft ist das eine Kopfsache“, sagt er. Es liege dann an der Gesellschaft, sie bei einem Umzug zu begleiten.

Mit solchen Konzepten beschäftigt sich der Augsburger Seniorenbeirat. Der Vorsitzende Heinz Gams könnte sich die Umzugsprämie in Augsburg zusammen mit einem Programm vorstellen, das Rentnern dann eine neue Wohnung in demselben Stadtviertel vermittelt. „Aus Umfragen wissen wir schließlich, dass 85 Prozent der Senioren in ihrem gewohnten Umfeld bleiben möchten“, sagt er.

Entscheidend sei aber die Bezahlbarkeit von altengerechten Wohnungen. „Bei sinkenden Renten und steigenden Mieten wird das eine immer größere Herausforderung“, sagt Gams. Eine Lösung für dieses Problem sei noch nicht gefunden.

Heinz Gams betont, dass Rentner nach einem Auszug aus ihrem großen Zuhause nicht automatisch in eine kleine Einzelwohnung ziehen müssten. In Augsburg gebe es immer mehr Senioren-Wohngemeinschaften. Gams sagt: „Wenn mehrere Rentner zusammen in eine große Wohnung ziehen, entsteht ebenfalls mehr Wohnraum für Familien.“

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