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Prozess in Augsburg

07.04.2021

Sorgerechtsstreit: Augsburger droht, seine kleine Tochter zu entführen

Ein Mann aus Augsburg drohte damit, seine Tochter zu entführen. Der Fall landete vor Gericht.
Foto: Lukas Schulze, dpa (Symbolbild)

Plus Ein 31-Jähriger aus Augsburg wollte im Streit um das Sorgerecht die Mutter seiner kleinen Tochter erpressen. Er drohte, das Kind zu entführen. Der Richter nannte das Vorgehen "übel und verwerflich".

Wenn Beziehungen brechen, Vater und Mutter um das Sorgerecht für die Kinder heftig streiten, dann wird auch viel schmutzige Wäsche gewaschen. Und dann landen Beschuldigungen schnell vor dem Strafgericht. Ist an den Vorwürfen etwas dran? Oder sind sie schlichtweg erfunden, um dem anderen die Chance auf den Umgang mit den Kindern zu nehmen? Strafrichter müssen besonders genau hinschauen. Wie im Fall eines 31-jährigen Mannes, dem vor Amtsrichter Dominik Wagner versuchte Erpressung angelastet wurde.

Der Angeklagte (Verteidigerin: Martina Sulzberger) und seine Ehefrau hatten sich 2020 getrennt. Die damals zweijährige Tochter des Paares war danach zweimal beim Vater zu Besuch. Angeblich sei das Kind dadurch psychisch angeschlagen gewesen, worauf die Mutter bei Jugendamt und Familiengericht das alleinige Umgangsrecht durchsetzen wollte. In diesem Zeitraum, im November 2020, soll es laut Anklage zu einem Telefongespräch zwischen dem 31-Jährigen und seiner Ehefrau gekommen sein. Dabei soll der Mann 2000 Euro gefordert und gedroht haben, andernfalls werde er das Kind in die Türkei entführen.

Prozess in Augsburg: Vater droht in Sorgerechtsstreit mit Entführung

Im Prozess beteuert der Angeklagte nun, es habe zwar damals ein Gespräch stattgefunden. Aber: "Ich habe das mit der Entführung niemals gesagt." Er habe sich doch hier in Augsburg eine Existenz aufgebaut, warum sollte er seine kleine Tochter in die Türkei bringen?

Als Zeugin bestätigt die inzwischen geschiedene Ehefrau den Vorwurf. Sie habe nach der Drohung Angst gehabt, deshalb sei sie erst einige Tage später zur Polizei gegangen. Ihr Ex-Mann habe Verbindung zu Terroreinheiten der PKK, begründet sie ihre Angst. Die Freundin der Mutter bestätigt im Zeugenstand, das Gespräch damals mitgehört zu haben, weil der Lautsprecher eingeschaltet gewesen sei. "2000 Euro oder ich nehm' sie mit und du wirst sie niemals wiedersehen", diese Worte habe sie gehört.

Gericht: Der Mann darf seine Tochter nur noch in Begleitung sehen

Während Staatsanwältin Ekaterina Rudenko den Vorwurf bewiesen sah und eine Geldstrafe von 2400 Euro forderte, hielt Verteidigerin Sulzberger dagegen. Sie sah in den beiden Zeugenaussagen einen "hohen Belastungseifer" und den Versuch der Ex-Ehefrau, den Umgang des Vaters mit seiner Tochter zu unterbinden. Martina Sulzberger forderte Freispruch.

Richter Wagner verurteilte den Angeklagten jedoch zu einer Geldstrafe von 2750 Euro (110 Tagessätze zu je 25 Euro). Wohl wissend, dass es in derartigen Fällen auch zu falschen Anschuldigungen komme, habe er keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Zeugenaussagen. "Sie waren zu gut, als dass ich annehmen kann, dass sie mich angelogen haben", war er sich sicher. Die Drohung des Angeklagten, seiner Frau das Kind wegzunehmen, bezeichnete er als "übel und verwerflich". Der Streit um das Umgangsrecht zwischen Vater und Mutter ist inzwischen beigelegt. Der 31-Jährige darf seine Tochter sehen – allerdings nur in Begleitung des Jugendamtes.

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