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Sorry, ich habe mich geirrt!

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Kommentar Von Marcus Bürzle
06.06.2019

In Augsburg kann man prima Rad fahren. Ja. Aber nach ein paar Erlebnissen verstehe ich, dass das noch nicht jeder so sieht.

Abgestumpft. Vielleicht ist das das richtige Wort. Wenn man täglich auf dem Fahrrad durch die Stadt fährt, ist das einerseits ein Riesen-Spaß. Ich will es nicht missen, auch nicht an einem verregneten Abend. Einmal Straßenbahn (Sorry, Stadtwerke!) – und ich sehne mich nach frischer Luft, Bewegung und Freiheit. Wenn man täglich durch die Stadt fährt, stumpft man vielleicht aber auch ab. Viel Autoverkehr, egal. Blöde Radwegführung, schon dran gewöhnt. Außerdem gibt es auch tolle Stellen. Unangenehme, gar gefährliche Situationen, halb so wild. Sie merken, da macht es einem Spaß, auf dem Rad zu sitzen. Trotzdem bin ich nachdenklich geworden.

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Wenn nämlich plötzlich das eigene Kind mit dem Rad in die Schule fahren will, ist das super. Doch die Fahrradwelt fühlt sich dann anders an. Ist es vielleicht doch nicht ganz ungefährlich? Sind manche Wege nicht doch ein wenig blöd? Und wenn man dann einmal am frühen Morgen aufs Rad steigt (Zeitungsleute fangen sonst später an), fühlt sich das noch einmal anders an: Autos, Busse, Straßenbahnen, Fahrräder, Fußgänger – alles ist unterwegs. Und obwohl ich ein Verfechter der Regeltreuheit bin: Ich kann verstehen, dass manche (junge) Radler lieber den vermeintlich sichereren Gehweg nehmen als die Straße. Ein Beispiel: In der Bgm.-Aurnhammer-Straße in Göggingen fährt eine Gruppe von Schulkindern auf dem aus ihrer Sicht linken Gehweg entgegen der Fahrtrichtung. Klar, falsch. Aber vielleicht fühlt sich das dennoch besser an, als die große Straße zu überqueren, dort mit Autos und Straßenbahnen zu fahren, um dann die Straße ein zweites Mal zu überqueren?

Ein Traum wären sichere Radwege

Keine Sorge, liebe Stadt, das wird jetzt kein Verriss und auch kein Rückfall. Ja, man kann in Augsburg wunderbar Rad fahren, es passiert etwas und ich wünsche mir, dass möglichst bald 25 Prozent der Fahrten auf dem Rad erledigt werden. Was ich aber unterschätzt habe, ist das Gefühl. Alle, die nicht schon immer täglich auf dem Rad sitzen, lassen sich am besten mit einem guten Gefühl dafür begeistern. Wie könnte das aussehen? Im Traum wären das Radwege (oder -spuren), die so gut, angenehm und sicher gestaltet sind, dass man sie gar nicht verlassen will. Verbindungen von A nach B, die einen anziehen wie Autobahnen. Aber auch eine Stimmung auf den Straßen, die nicht von der Hupe und vom Gegeneinander geprägt ist. Und wie kann man das erreichen?

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Das kann niemals alleine die Stadt packen. Sie hat sich allerdings mit der Fahrradstadt selbst in die Pflicht genommen und muss liefern. Nach einem Start im viel zu kleinen Gang (und mit viel zu wenig Geld), hat das Projekt Schwung aufgenommen. Breite Radspuren wie in der Donauwörther Straße sind schön, die Fahrradstraße in Pfersee wird ein Fortschritt und endlich wagt sich die Stadt auch an ein kniffeliges Stück, das viele Radler als Problem sehen: Ein Umbau der Hermanstraße (parkende Autos, fahrende Autos, Straßenbahnen, Schienen, ...) wird Gott sei Dank geprüft. Am Ende muss das zum Ganzen wachsen. Und das geht nur, wenn alle mitziehen.

Wenn Autofahrer sich freuen, dass jeder Radler einer weniger im Stau vor der Ampel ist. Wenn Radler die Angebote nutzen und sich an die Regeln halten. Wenn ich mich nicht irre, könnten dann am Ende alle Gewinner sein.

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.06.2019

Ich möchte mich gerne dieser Unterhaltung anschließen, denn ich weiß genau was der Autor meint.

Ich liebe Fahrradfahren, aber ich bin als kleines Kind immer nur in meinem Dorf Fahrrad gefahren und habe nie gelernt neben den Autos her zu fahren und Gefahren auszuweichen. Jetzt wohne ich in einer Stadt und ich trau mich nicht in der Stadt Fahrrad zu fahren. Ich fühle mich von allen Seiten einer großen Gefahr ausgesetzt zu sein. Ich wünschte auch, dass die Fahrradwege so sicher werden würden, wie auf dem Land. Wenn es so weit ist, dann lege ich mir auch mein eigenes Fahrrad an. Bisher habe ich mir nämlich mein Fahrrad immer nur geliehen. Im Urlaub ist es ganz gut, dann fährt man auf abgeschotteten Straßen, weit weg von all dem Verkehr. Diese Radtouren sind übrigens ganz gut:https://www.sport2000rent.com/bikeverleih/blog/radurlaub-in-oesterreich/

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07.06.2019

>> und endlich wagt sich die Stadt auch an ein kniffeliges Stück <<

Das ist der entscheidende Punkt - nirgendwo wurde bislang ein wirklich kniffliges Stück angegangen.

Kostengünstige Parkplätze als Sozialleistung für Autofahrer haben weiterhin klare Priorität gegenüber Sicherheitsaspekten.

Und die Untätigkeit der Augsburger Parküberwacher ist fast schon legendär. Man sehe sich nur den neuen Rad- (Park)streifen vor dem Fuggerstadtcenter/Helio an; da habe ich noch nie ein Knöllchen für bequeme Lieferkutscher bemerkt. Man müsste ja viel weiter laufen, wenn man die Lieferzufahrt im Gebäude nutzen müsste...

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06.06.2019

Ich würde mich ja so freuen, wenn der Autor recht behalten würde und Augsburg tatsächlich zur Fahrradstadt würde. Die 25% wird sie mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln wohl nie erreichen. Schade, denn diese Utopie einer innerstädtischen Verkehrsplanung, die nicht jede radikale Entscheidung zugunsten der Autofahrer wieder verwirft, ist Augsburg nunmal einfach nicht. Da spreche ich noch nicht mal von Standards wie in München, mit meterbreiten Fahrradhighways oder extra Ampelschaltungen sondern lediglich von einem durchdachten zusammenhängenden Fahrradnetz und intakten, sicheren Radwegen.

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