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Augsburg

28.02.2015

Spart das Augsburger Klinikum zu viel?

Das Klinikum samt neuer Kinderklinik (hinten rechts verdeckt) soll in diesem Jahr keine Verluste einfahren. Doch es gibt Stimmen, die warnen, dass diese Vorgabe zulasten von Patienten geht.
Bild: Ulrich Wagner

Verwaltungsrat Max Strehle warnt vor den Konsequenzen, wenn das Krankenhaus den Null-Verluste-Kurs fortsetzt. Genau das wurde aber am Freitag beschlossen.

Augsburg Das Klinikum wird seinen intern umstrittenen Spar- und Umstrukturierungskurs fortsetzen. Der Verwaltungsrat – besetzt mit Stadt- und Kreisräten aus Augsburg und dem Landkreis Augsburg – verabschiedete gestern den Wirtschaftsplan für 2015. Das Papier sieht vor, dass die Träger des Klinikums dieses Jahr keine Zuschüsse bezahlen müssen, obwohl das kommunale Großkrankenhaus sich – wie viele andere Häuser in Deutschland – wirtschaftlich schwerer tut. Die von Oberbürgermeister Kurt Gribl als Verwaltungsratschef geforderte „schwarze Null“ scheint dieses Jahr aber ein Gewaltakt zu sein – die gestrige Sitzung war der dritte Anlauf, das Papier zu verabschieden.

Hinter den Kulissen gibt es am Klinikum wie berichtet seit Monaten Krach. Im vergangenen Sommer gingen Personalrat und Ärzteschaft auf die Barrikaden, weil ihnen der Spardruck zu groß wurde. Die Patienten würden das bald zu spüren bekommen, so lautete eine Befürchtung. Auch gestern im Verwaltungsrat gab es Widerspruch. Max Strehle (CSU) – der regionale Politiker, der das Klinikum seit seinem Entstehen vor 30 Jahren mit am intensivsten begleitete – stimmte als Einziger gegen den Wirtschaftsplan.

Strehle bestätigte das auf Anfrage unserer Zeitung. „Da mache ich nicht mit“, erklärte er. Es sei das erste Mal in seinen 31 Jahren im Verwaltungsrat, dass er einen Haushalt verweigere. Die Träger wollten wohl„auf Biegen und Brechen eine Null im Haushalt stehen“ haben, so Strehle, der dem Klinikum als Vorsitzender mehrerer Fördervereine verbunden ist und bei der Stationierung des Rettungshubschraubers eine entscheidende Rolle spielte. Es wäre keine Schande, wenn das Klinikum bis zu seiner Übernahme 2018 durch den Freistaat ein überschaubares Defizit erwirtschaftet, so der frühere Landtagsabgeordnete. Die Kostenschraube sei bis zum Anschlag gedreht. „Immer mehr Patienten zu behandeln und die Personalzahlen nicht entsprechend zu erhöhen, geht nicht zusammen“, ereifert sich Strehle.

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Vier Millionen Euro Verluste

In der Tat scheint das Klinikum für das laufende Jahr – zumindest auf dem Papier – vorzusehen, dass mehr Geld über die Behandlung von Patienten hereinkommt. Für manche Abteilungen geht man von einem Plus an Patienten aus. Inwieweit sich das alles realisiert, ist aber eine andere Frage. Im vergangenen Jahr hatte das Klinikum – trotz ausgeglichener Planung – vier Millionen Euro Verluste gemacht. Gleichzeitig ist dem Vernehmen nach für das laufende Jahr der Abbau von Überstunden beim Personal geplant – das Klinikum kann auf diese Weise Rückstellungen auflösen, was sich auf die Bilanz auswirkt. Allerdings wird dieses Personal dann im laufenden Betrieb fehlen.

Klinikums-Vorstand Alexander Schmidtke betont, dass man 25 neue Stellen in der Pflege und zehn weitere Stellen im Wirtschafts- und Versorgungsdienst schaffe. Das mache 1,5 Millionen Euro aus. Die Träger – Stadt und Landkreis – gingen angesichts der schwierigen gesundheitspolitischen Lage „sehr verantwortungsvoll mit dem Klinikum um“. Die Versorgungsqualität sei gleichbleibend hoch.

Oberbürgermeister Gribl hatte zuletzt vor der Belegschaft des Klinikums erklärt, dass das Klinikum auf einem wirtschaftlichen Kurs bleiben müsse, wenn man weiter Spitzenmedizin bieten wolle. Diese sei für ein kommunales Haus keinesfalls selbstverständlich.

Dass die Träger das Anhäufen neuer Defizite, wie sie in der Vergangenheit durchaus üblich waren, peinlichst vermeiden wollen, könnte aber auch einen anderen Grund haben – die anstehende Umwandlung des Klinikums zur Uniklinik ab 2018. Verantwortlich sind dann nicht mehr Stadt und Landkreis, sondern der Freistaat Bayern. Doch eine Uni-Klinik in Augsburg hat in München – trotz der Ansage durch Ministerpräsident Horst Seehofer – wohl nicht nur Freunde, heißt es von Insidern. Gegner könnten versuchen, die Kosten als Munition zu verwenden.

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