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Spaßbad? Sportbad? Welche Schwimmbäder braucht Augsburg?

Kommentar Von Marcus Bürzle
19.01.2019

Hinter der Theatersanierung, dem Bahnhofsumbau und anderen Großprojekten tauchen die Bäder oft ab. Dabei haben sie längst eine Kur verdient.

Gutachten sind oft eine verdammt trockene Materie. Keine Angst, es folgen alles andere als trockene Worte: „Schwimmbäder: Gasthäuser für alle Menschen.“ So steht es in einem Schriftstück, das die Augsburger Bäder und Sportanlagen geprüft und einen Zukunftsplan entworfen hat. Die oben erwähnte Zeile stammt, was keinen Kennern der Augsburger Bäder überrascht, aus dem Blick nach vorne.

Vom Alten Stadtbad abgesehen sind gerade die öffentlichen Hallenbäder im Spickel, in Haunstetten und Göggingen vor allem in die Jahre gekommene Zweckbauten. Sie leiden unter der Augsburger Krankheit, dass man an Unterhalt und Modernisierung spart, bis Deckenteile herabfallen, Pumpen ausfallen oder – ein Sprung in eine andere Welt – das Theater von heute auf morgen dicht machen muss. Die jahrelange Sparsamkeit fällt der aktuellen Stadtregierung nun auf die Füße. Ob Theater, Schulen oder Bäder – jetzt schlagen die Versäumnisse der Vergangenheit durch. Und um es klar zu sagen: Eine Stadt mit bald 300.000 Einwohnern muss auch ordentliche Bäder anbieten – trotz der Angebote im Umland. Alles andere wäre ein Armutszeugnis. Die Frage ist eine andere.

Spaßbad oder Sportbad?

Welche Bäder muss eine Stadt ihren Bürgern anbieten? Plump gesagt: Wellness und Spaß oder Schwimmen und Sport? Wenn man den oben genannten Satz von den „Gasthäusern für alle“ ernst nimmt, fallen die Extreme aber schnell aus dem Rennen. Eine Stadt ist kein Vergnügungspark, der mit den Millionen der Bürger ein Spaßbad auf die Füße zu stellen hat. Ein Privat-Investor darf sich gerne das Risiko auflasten und im besten Fall die Gewinne einstecken. Aber eine Stadt darf auch nicht alleine auf die Sportschwimmer schauen. Sie haben in Augsburg zu Recht ihre Stimme erhoben und ihre Kräfte gebündelt. Ein großes Wettkampfbecken (50 Meter lang) und ausreichend Lehr- und Trainingsmöglichkeiten sind Pflicht. Schwimmbäder sind aber mehr als Sportstätten.

In Haunstetten muss die Decke mit Netzen gesichert werden.
Bild: Michael Hochgemuth

Sie haben eine soziale Funktion, sie sind im besten Fall Treffpunkte und Orte, an denen die Augsburger (und natürlich Gäste) gerne ein paar Stunden verbringen. Daran krankt es offenbar bislang. Im Sport- und Bäderentwicklungsplan haben die Gutachter nämlich festgestellt, dass man in Augsburg gerne den Kurzzeittarif im Bad nimmt. Also schnell mal hin zum Baden oder Schwimmen und dann wieder heim. Ein Ziel, sagen die Planer, muss es sein, die Menschen länger in die Bäder zu locken – mit eine schönen Atmosphäre, ansprechende Architektur, Gastronomie und Becken, die nicht nur Raum fürs Schwimmen, sondern auch für Spaß, Spiel und Entspannung lassen. Auch eine Sauna wäre denkbar. Während sich die Wünsche munter fortsetzen lassen, tauchen immer größer die Knackpunkte auf. Die Kosten etwa. Augsburg ist alles andere als reich. Doch bevor nicht klar ist, was man sich leisten möchte, sind Aussagen dazu unseriös.

Nach dem Gutachten muss die Stadt liefern

Also erst die Frage nach dem Angebot von Morgen. Um eine Antwort zu finden, hat die Stadt nun erst einmal ein neues Gutachten, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das klingt nach noch mehr Papier und im schlimmsten Fall nach einem Spiel auf Zeit: Wenn ich nur lange genug plane, muss ich schon nichts tun. In diesem Fall lohnt sich aber die Extra-Runde.


Das alte Sanierungskonzept sah nur eine Erneuerung der alten Bäder vor – ohne neue Angebote. Das wäre nur ein halber Schritt gewesen. Es ist weit sinnvoller, gleich den ganzen zu machen, hin zu modernen Bädern. Dafür lohnt sich das zusätzliche Gutachten, wenn die Stadt dann auch zeitnah liefert. Die Arbeiten laufen und manches zeichnet sich schon ab. Während sich die Bäder in Göggingen und im Spickel nach Ansicht der Fachleute modernisieren lassen, würde sich das in Haunstetten nicht rechnen. Das klingt sehr nach einem Neubau, in dem sich dann vielleicht die berechtigten Wünsche der Sport-Schwimmer verwirklichen ließen. Für sie ist ein Wettkampfbecken ebenso wichtig wie Lehrschwimmbecken. Schwimmen lernen kann schließlich Leben retten. Ein Neubau bietet aber auch die Chance, ein für Badfreunde ohne sportliche Ambitionen attraktives Bad zu schaffen. Dabei gilt aber auch: Nicht jedes Bad muss alles bieten. Die Mischung muss jedoch stimmen. Nur dann werden sie tatsächlich zu „Gasthäusern für alle Menschen“. Wem das zu wolkig klingt: Nur wenn es gelingt, Hallenbäder zu schaffen, die die Menschen anziehen, werden sich die fälligen Millionen rechnen.

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