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Augsburg

05.04.2019

Spenden retten das Grandhotel vor der Schließung

Die Lobby des Grandhotels ist ein Treffpunkt. Sie ist 14 Stunden an Werktagen sowie am Wochenende geöffnet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Hilferuf des Grandhotels traf in Augsburg auf offene Ohren. Zahlreiche Spenden gingen ein - nun können die Betreiber an einem neuem Konzept arbeiten.

Zwei Gruppen arbeiten im weitläufigen Seminarraum des Grandhotel Cosmopolis. Eine Drogeriemarktkette veranstaltet dort Mitarbeiterschulungen. Sie sollen das Miteinander stärken. Ein Vorbild dafür ist zweifelsohne der Alltag im Augsburger Grandhotel – das Miteinander wird dort seit jeher großgeschrieben. Die Arbeit der Hoteliers wird geschätzt und findet in der Stadt und darüber hinaus zahlreiche Unterstützer.

Als Ende vergangenen Jahres das Grandhotel in eine finanzielle Schieflage geriet und die Mitarbeiter einen Hilferuf absetzten, veranstalteten Befürworter des Projektes Benefizkonzerte und sammelten Gelder. Zahlreiche Einzelspenden gingen seither auf das Vereinskonto ein – bis heute. „Uns haben insgesamt 900 Einzelspenden erreicht“, sagt Vorstandsmitglied Lukas Raether. Das waren höhere Summen, aber auch viele kleine Beträge wie 10, 15 oder 20 Euro. Zusammen hat das einen großen Betrag ergeben: Bislang gingen rund 146.000 Euro auf dem Vereinskonto ein. Für die Hoteliers was das eine große Bestätigung ihrer Arbeit. „Es ist auch ein Auftrag, weiterzumachen“, betont Susi Weber, die ebenfalls im Vorstand des Vereins ist.

Vorstand: Grandhotel wird immer von Spenden abhängig sein

Mit dem Geld konnte der Bestand des Grandhotels erst einmal gesichert werden. „Der Verein wird allerdings immer von Spenden abhängig sein“, fügt sie im selben Atemzug hinzu. Denn das Grandhotel sei kein Ort, der auf kommerziellen Erfolg ausgerichtet sei. „Es ist vielmehr ein Ort, wo jeder hinkommen kann. Ein Ort, der offen für jeden ist, wo sich niemand ausgeschlossen fühlt“, fasst es Susi Weber zusammen. Das Hotel mit Café, vegetarischem Mittagstisch und Biergarten ist zu einem Treffpunkt geworden. Dort kommen viele Gruppen zusammen, wie etwa Mitglieder von Greenpeace oder dem Augsburger Kulturverein Karman. Es ist eine Anlaufstelle für Flüchtlinge, für Menschen, die plötzlich ohne Job oder ohne Wohnung dastehen, wie es Susi Weber beschreibt. Lukas Raether betont: „Wir sind ein niederschwelliges Haus. Niemand muss konsumieren, um Eintritt zu bekommen.“

Spenden retten das Grandhotel vor der Schließung

2011 tat sich eine Gruppe von Künstlern und Aktivisten zusammen. Sie wollten einen ganz besonderen Ort in dem leer stehenden Seniorenheim der Diakonie im Springergäßchen im Domviertel schaffen. Lange bevor die Flüchtlingswelle einsetzte, war ihr Ziel, Menschen zusammenzubringen: Künstler und Gäste mit und ohne Asyl. 2013 konnten sie mit dem Projekt durchstarten. Heute sind knapp 60 Flüchtlinge in dem ehemaligen Seniorenheim untergebracht. Daneben gibt es zwölf Hotel- und fünf Hostelzimmer. Dort übernachten Künstler, die unter anderem im Grandhotel auftreten, das ein kulturelles Programm anbietet. In der mehrfach ausgezeichneten sozialen Skulptur, wie es die Hoteliers selber nennen, wohnen aber auch Urlauber und Seminarteilnehmer.

Augsburger Grandhotel als "Monitor" für soziale Probleme

Dank der Spenden konnte im Winter der Seminarraum im Dachgeschoss der Einrichtung ausgebaut werden. Der Boden und die Heizkörper wurden erneuert, die Wände gestrichen. Langfristig wollen die Hoteliers auch Inhalte für Seminare anbieten. „Das machen wir nach Absprache heute schon. Aber das wollen wir ausbauen. Das wird aber Zeit brauchen“, sagt Susi Weber. Durch das Spendenaufkommen haben die Hoteliers etwas Luft bekommen, an dieser weiteren Ausrichtung zu feilen. Sie benötigen aber auch monatliche Hilfe für all ihre Ausgaben, so die Vorstandsmitglieder. Monat für Monat müssten Miete und zehn fest angestellte Mitarbeiter bezahlt werden. Die Ausgaben für die Nebenkosten lägen noch über den Mietkosten. „Die Heizkosten in diesem nicht gedämmten Haus sind enorm. Die Wände sind dünn, die Fenster alt“, zählt Susi Weber auf.

Die beiden Vorstandsmitglieder arbeiten wie viele andere ihrer Kollegen ehrenamtlich mit. „Mir ist es wichtig, dass es so einen Ort gibt. Das Grandhotel ist offen für alle. Hier können Asylsuchende Zeit verbringen und müssen sich nicht ausgeschlossen fühlen“, erklärt Weber ihre Ambitionen. Lukas Raether, der voll berufstätig ist, stimmt zu. Das Grandhotel sei ein „Monitor“ für soziale Probleme. Diese hätten in Augsburg zugenommen. Dort würden Menschen eine Zuflucht suchen, die durchs „Raster“ gefallen sind. Auch wenn sie keine Unterkunft erhalten, bekommen sie im Grandhotel Zuspruch.

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