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18.06.2009

Spezialkräfte im Domviertel

Die Polizei nahm die Warnung sehr ernst. Der Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten lag erst fünf Tage zurück, als Klaus S., 43, diesen Satz im Internet veröffentlichte: "Ich werde der erste Amokläufer von Augsburg sein." Gestern wurde der 43-Jährige vor dem Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt - wegen der Amokdrohung, aber auch wegen des Besitzes von Kinderpornografie und Widerstands gegen Polizisten.

Im Gerichtssaal sitzt Klaus S. fast regungslos da, den Blick auf den Boden gerichtet. Er selbst sagt kein Wort zu den Vorwürfen, sein Anwalt Peter Schweizer erklärt förmlich: "Der Angeklagte räumt die Sachverhalte vollumfänglich ein." Nur am Schluss, als der 43-Jährige das letzte Wort vor dem Urteil hat, nuschelt er ein rasches "Es tut mir leid". Die Polizisten kennen den Mann auch ganz anders. Als sie ihn im Dezember 2008 wegen einer anderen Sache festnehmen wollen, schlägt er um sich und beschimpft die Beamten wütend als "Holzköpfe" und "Deppen". Und als er am 17. März dieses Jahres wegen der Amokdrohung von einem Einsatzkommando überrascht wird, wirkt er auf die Polizisten verwirrt. Die Beamten haben den Eindruck, er stehe neben sich, leide möglicherweise an Wahnvorstellungen.

Auch das, was Klaus S. immer wieder im Internet veröffentlichte, klingt reichlich verwirrend. Dass er sich im Krieg mit "der Staatsanwaltschaft Augsburg und dem Landgericht Augsburg" befinde, schrieb er dort. Und er sprach von "Selbstverteidigung im Sinne einer Kriegstaktik". Aus medizinischer Sicht ist der 43-Jährige jedoch weder psychisch krank noch vermindert schuldfähig. Ein Gutachten bescheinigt dem Mann zudem, dass er überdurchschnittlich intelligent sei.

Auf dem Computer fand sich Kinderpornografie

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Vor Gericht ist die Sache gestern Vormittag schnell erledigt. Zeugen werden nach dem Geständnis keine gebraucht. Schon vor dem Prozess haben Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht die Strafe ausgehandelt, Amtsrichter Gerald Holler muss nur noch das abgesprochene Urteil fällen.

Nachfragen, weshalb der 43-Jährige mit Amok drohte, gibt es keine. Ermahnende Worte muss er sich ebenfalls nicht anhören. Auch nicht dafür, dass die Polizei auf dem Computer des arbeitslosen Mannes mehrere Dateien mit Kinderpornografie entdeckte.

Die Festnahme des 43-Jährigen am 17. März hatte für Aufsehen und für Verunsicherung gesorgt. SEK-Beamte waren mit Limousinen und einem Kleinbus durch die Stadt gebraust und hatten den 43-Jährigen in der Wohnung eines Freundes im Domviertel gestellt. Dort ließ sich der vorbestrafte Mann ohne Widerstand festnehmen.

Das Polizeiaufgebot bei der Festnahme war groß, weil man befürchtete, der 43-Jährige sei bewaffnet. Die Beamten wussten von einem Vorfall in einem Berufsförderzentrum, bei dem er eine Gaspistole bei sich gehabt haben soll. Eine Waffe wurde allerdings nie gefunden. Die Frage, ob es wirklich eine Pistole gibt und wo sie ist, blieb auch im Prozess unbeantwortet. (jöh)

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