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Augsburg

25.10.2020

Sprayer gestalten das größte Graffiti-Wandbild in Schwaben

Graffiti-Aktion in Pfersee: an einem alten Fabrikgebäude auaf dem Dierig-Gelände entsteht Schwabens größtes Graffiti mit einer Fläche von rund 600 qm.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Auf dem Dierig-Gelände in Pfersee haben Graffiti-Künstler eine 600 Quadratmeter Wand gestaltet. Das Werk junger Talente und erfahrener Sprayer ist aber vergänglich.

Malen und Sprayen ist für Moritz Zoch alias "Mozo" eine Leidenschaft. Doch die "Leinwand", die der elfjährige Schüler und seine Freunde vom Verein "Die Bunten" am Wochenende zur Verfügung hatten, war schon etwas ganz Besonderes. Auf 600 Quadratmetern schufen rund 50 Sprayer aus Augsburg und der Region auf der Wand einer Lagerhalle im Dierig-Gelände in Pfersee ein riesiges Kunstwerk. Textil, Wasser, Augsburg und Rotary sind die Themen, zu denen ein großes Wandgemälde entstanden ist. Es dürfte das größte Wandgemälde in Schwaben sein - nur in München gibt es nach Aussage der Sprayer noch ein Größeres.

Der Verein "Die Bunten" fördert die legale Graffiti-Szene in Augsburg
Bild: Klaus Rainer Krieger

Initiiert wurde die Aktion von Ellen Dinges-Dierig und Benjamin Zoch vom Rotary-Club Augsburg. "Ich hatte schon immer die Idee, die Wand des Gebäudes besprühen zu lassen", sagt Dinges-Dierig. Nur an der praktischen Umsetzung habe es bisher gefehlt. Als sie erfuhr, dass Benjamin Zoch über seinen Sohn Kontakte in die legale Augsburger Graffiti-Szene hat, reifte die Idee. Die Lagerhalle, auf der das Wandbild jetzt entsteht, wird wohl im Sommer 2021 abgerissen, weil auf dem Dierig-Gelände Wohnbebauung entstehen soll. Doch bis dahin können Nachbarn und Spaziergänger das knallbunte Kunstwerk genießen, so die Dierig-Vorständin. Für die Aktion, die vom Rotary-Club und mehreren Sponsoren unterstützt wird, konnten Dinges-Dierig und Zoch "Die Bunten" gewinnen, die in Augsburg die legale Sprayer-Szene fördern und in der Stadt für viele Gemälde auf Unterführungen oder Trafohäuschen verantwortlich sind.

Auch Augsburger Schulklassen sollen mitmachen

Nach dem Wochenende könnten noch Schulklassen an die unteren Bereiche der Mauer, wo zwei große Flächen für sie freigehalten wurden, sagt Ellen Dinges-Dierig. Allerdings sei das davon abhängig, ob nach den Allerheiligen-Ferien die Corona-Situation eine Schulaktion erlaube.

In der Graffiti-Szene nennt man eine Aktion wie das Kunstwerk auf der großen Hallenwand einen "Jam". Die ganze Szene trifft sich, sprayt und hat Spaß, sagt Daniel Tröster, der Vorsitzende der "Bunten". "Wenn nicht gerade Corona wäre, hätten wir noch Rapmusik aufgefahren, dann wären sicher auch noch ein paar Jungs und Mädels zum Breakdance aufgetaucht", so Tröster. Aber auch so scheinen alle Beteiligten großen Spaß zu haben.

Die Hallenwand ist auf der ganzen Breite mit einem professionellen Gerüst versehen, auf dem, vier Stockwerke hoch, die jungen Sprayer stehen und an ihren Kunstwerken arbeiten. Tage zuvor war die Halle bereits blau grundiert und mit den Umrissen von bekannten Augsburger Gebäuden, einer alles verbindenden Wäscheleine und dem Rotary-Symbol bemalt worden. An diese Wäscheleine, "hängen" die Sprayer jetzt ihre Bilder. Im ersten Stock beispielsweise hat sich "Mozo" bereits verewigt - mit vier Bommelmützen, die seinen Sprayer-Namen tragen.

Auf dem Gerüst können die Sprayer sicher ihrer Arbeit nachgehen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Die Künstler schätzen das professionelle Gerüst in Pfersee

Uli alias "Aloha" gehört zu den Urgesteinen der Augsburger Graffiti-Szene. Der 44-Jährige ist bekannt für seine Variationen einer Ananas und eben den Buchstaben "Aloha". "Ich gehe gerne mit den Leuten malen, auch wenn ich nur noch vier, fünf Mal im Jahr dazu komme", sagt der Künstler, der im Hauptberuf Tätowierer ist. Auch er ist von dem Jam angetan. "Es ist etwas Besonderes, mit so einem professionellen Gerüst arbeiten zu können - sonst müssen wir in der Regel auf Leitern balancieren", sagt der Sprayer.

Unter den Künstlern sind auch einige, die das Sprayen mittlerweile zum Beruf gemacht haben. "Louzeh" hat eine Stoffbahn mit seinen Initialen gesprayt, zwischen die Buchstaben hat er wie Teile eines Uhrwerks das Rotary-Zahnrad eingewoben. "Das Projekt ist phänomenal", findet der Sprayer, der zuletzt den Wettbewerb für die Graffiti-Gestaltung des Jugendhaus 13 im Hochfeld gewonnen hat. Die Idee mit der Wäscheleine als gestaltendes Element findet Louzeh pfiffig, auch wenn sie die Künstler zu noch mehr Kreativität zwinge. "Die meisten sprayen eher in geraden Blöcken - damit es an der Leine "hängt", müssen an den Skizzen einige Anpassungen vorgenommen werden", sagt der Street-Art-Künstler.

Graffiti-Kunstwerke haben oft ein kurzes Leben

Dass das Kunstprojekt vergänglich ist, sei allen Akteuren klar, so Daniel Tröster. Dabei hätte das Kunstwerk auf der Dierig-Mauer ein erheblich längeres Leben als sonst in Unterführungen oder anderen Wänden. In der Szene sei es Ehrenkodex, dass man warte, bis ein Sprayer das Bild fertig gemacht und fotografiert habe. Danach werde es häufig schnell wieder übermalt.

Fotografiert wird das Wandbild natürlich schon von sämtlichen Künstlern - darüber hinaus wird über eine Live-Kamera die komplette Aktion dokumentiert und für die Nachwelt festgehalten, sagt Benjamin Zoch. Der Vater freut sich vor allem über die künstlerische Entwicklung, die sein Sohn durch das Sprayen durchlaufen habe. "Wir hätten sein Talent nie so fördern können, wie das jetzt bei den Bunten der Fall ist", sagt der stolze Vater.

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