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Jubiläum

01.06.2015

St. Anna will sie noch handwerkerfrei erleben

2002 kam die Stadtdekanin Susanne Kasch nach Augsburg. Morgen wird sie 60 – und hat noch viel vor.
Bild: Anne Wall

Stadtdekanin Susanne Kasch feiert 60. Geburtstag. In Augsburg hat sie viel gelernt

An vieles hatte Susanne Kasch gedacht, als sie zur Jahresmitte 2002 von Münchberg in Oberfranken als Stadtdekanin nach Augsburg wechselte. Aber dass sie bald eine Tiefgarage im Annahof bauen würde, die noch dazu heiß umstritten war bis in kirchliche Gremien hinein, das kam ihr zuvor nicht in den Sinn. Inzwischen ist der Annahof mit den frisch renovierten Gebäuden ein urbanes Schmuckkästchen und die evangelische Visitenkarte in Augsburg. Ist Susanne Kaschs Gemeindekirche St. Anna endgültig saniert, dann hat die Stadtdekanin eines ihrer großen Ziele erreicht, das über ihren 60. Geburtstag am morgigen Dienstag hinausweist.

Sie habe hier eine Horizonterweiterung erlebt, die spannend war, resümiert die Theologin. In Münchberg war „man“ evangelisch und die lutherische Kirche überall dabei. Augsburg verschob die Maßstäbe: Hier in der Großstadt fand die Dekanin ein starkes katholisches Gegenüber und ein Nebeneinander verschiedener Religionen. Ökumene der christlichen Kirchen und interreligiöser Dialog wurden ein Anliegen für Susanne Kasch. Mit Dekan Helmut Haug von St. Moritz ist sie ein Herz und eine Seele: „Uns verbindet eine starke wechselseitige Liebe zu unseren Kirchen.“ Gemeinsam wirken sie in die Stadtgesellschaft, sei es beim Gedenken ans Kriegsende, beim Friedensfest oder bei der Eröffnung des Stadtrats.

Teamfähigkeit beweist Susanne Kasch auch im Kollegium der drei evangelischen Dekane. „Es ist das einzig vernünftige Modell, einen so großen Dekanatsbezirk zu leiten“, sagt sie. Die wöchentliche Konferenz stärkt sie in ihrem Dienst. Es kämen sehr gut vorgearbeitete Vorlagen in die Gremien. Was Kasch an Energie in die Verwaltung steckt, ist nicht gering zu veranschlagen. Das Dekanat muss den unterschiedlichen Bedürfnissen von Stadt- und Landgemeinden gerecht werden, es ist Erprobungsregion für eine neue landeskirchliche Buchhaltung, welche die Pfarrämter entlasten soll. Trotzdem: Ins Zentrum stellt die Theologin Susanne Kasch die Verkündigung. „Ich bin eine leidenschaftliche Predigerin“, bekennt sie. Was bedeutet der Bibeltext für die konkreten Probleme – dass Flüchtlinge Hilfe brauchen, dass ein behindertes Kind getauft werden soll. Sie spürt, was Menschen von ihr erwarten: Sag mir, was der liebe Gott mit meinem Alltag zu tun hat. Sag mir, warum es sinnvoll ist, in Verbindung mit Jesus Christus zu leben. Ja, die Leute beanspruchen individuelle Freiheit und dulden keine Gängelung. Aber wenn’s darauf ankommt, suchen sie Gemeinschaft, auch im christlichen Glauben. „Der Predigttext beschäftigt mich die ganze Woche“, erzählt die Dekanin. Es ist ihr Gebet, die Zwiesprache mit Gott begleite sie den ganzen Tag. Gelegentlich gönnt sich Susanne Kasch auch Schweigeexerzitien im Kloster.

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Nach dem Studium wollte sie die akademische Laufbahn einschlagen, hatte sich schon als Doktorandin eingeschrieben. „Im Vikariat erlebte ich dann, dass es so viel Nähe zu den Menschen und so viel Freiheit im Beruf nirgendwo sonst gibt.“ Seelsorge ist bis heute ihre Berufung: zu Taufe und Trauung hinführen, Trauernde begleiten. Den intellektuell geschliffenen Disput schätzt Susanne Kasch gleichwohl und würzt ihn mit Freimut.

Ein Leben nach dem Beruf kann sich die 60-Jährige durchaus vorstellen – mit sozialem Engagement. Erst kommen aber noch ein paar Dienstjahre. Im Zusammenspiel der Religionen in der Stadt möchte Kasch einen christlich-muslimischen Gesprächskreis ins Leben rufen und die St.-Anna-Kirche noch „handwerkerfrei“ erleben. Morgen freilich wird erst einmal Geburtstag gefeiert im Kreis ihrer Freunde.

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