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Augsburg

11.10.2010

Staats- und Stadtbibliothek vor der Spaltung?

Die Staats- und Stadtbibliothek in Augsburg. Bild: Wall

Wenn man sich etwas nicht mehr leisten kann, stößt man es ab. Diesem ökonomischen Prinzip folgt derzeit die Stadt Augsburg. Aktuell in der Debatte: die Staats- und Stadtbibliothek.

Wenn man sich etwas nicht mehr leisten kann, stößt man es ab. Diesem ökonomischen Prinzip folgt derzeit die Stadt Augsburg. Aktuell in der Debatte: die knapp 475 Jahre alte Staats- und Stadtbibliothek mit ihren über 500 000 teils sehr wertvollen Schriften.

Weil Unterhalt - eine Million Euro jährlich - und notwendige Sanierungen - 4,3 Millionen Euro - den städtischen Etat belasten, erwägt die Stadtverwaltung, den Bestand zu verteilen und das denkmalgeschützte Gebäude aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu verkaufen.

Die Ursprünge der Stadtbibliothek gehen auf die Reformation zurück. Im Jahr 1537 wurden in Augsburg bedeutende Schriften aus aufgehobenen städtischen Klöstern zusammengeführt. Der Bestand wurde seitdem kontinuierlich von gebildeten Bibliothekaren durch wertvolle Ankäufe und Schenkungen - und vor allem 1803 durch die Säkularisation schwäbischer Klöster erweitert.

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Der kleinere, wertvollere Teil der Bibliothek mit frühmittelalterlichen Handschriften und Wiegendrucken gehört dem Freistaat Bayern, der größere der Stadt Augsburg. Deren Kämmerer Hermann Weber schlug vergangene Woche vor, die in Jahrhunderten gewachsene Sammlung zu teilen. Der städtische Bestand könne künftig vom Stadtarchiv, der staatliche von der Uni Augsburg verwaltet werden. Das Gebäude, das 1892 für die Staats- und Stadtbibliothek gebaut wurde, würde verkauft. Die Stadt käme derart um eine teure Sanierung herum.

Auslöser für diese Überlegung ist der notorische Geldmangel in Augsburg. Der Freistaat beteiligt sich am jährlichen Unterhalt der Bibliothek lediglich mit 18 900 Euro; zur Sanierung wurden zwölf Prozent Zuschuss in Aussicht gestellt. "Wir sind der Ansicht, dass Bayern in beiden Fällen die Hälfte zahlen sollte", begründet Augsburgs Kulturreferent Peter Grab den Vorstoß. Mit solchen Forderungen stieß man bisher in München auf taube Ohren.

Ein ähnlicher Fall hatte vor einigen Monaten in Augsburg zu Protesten der Bürger geführt: Die Stadtverwaltung hatte angekündigt, das Alte Stadtbad, das in einem Jugendstil-Bau untergebracht ist, an einen privaten Betreiber zu verkaufen, weil der Unterhalt zu teuer sei. Die Augsburger sammelten Unterschriften gegen den Verkauf. Die Stadt knickte ein. Sie betreibt die Einrichtung nun wieder selbst. Nicole Prestle und Alois Knoller

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