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Ausstellung

19.10.2017

Staatsbibliothek packt ihre Kleinodien aus

Im Rad eines Pfaus ließ Philipp Hainhofer seinen Stammbaum und den seiner Ehefrau Regina Waiblinger vor Augsburger Silhouette malen.

Zu ihrem 480. Geburtstag gönnt sich die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek eine Schau ihrer Raritäten. Was Direktor Pfändtner damit zu tun hat, dass sie jetzt erstmals vollständig verzeichnet und beschrieben wurden

Ein großes Geschenk gönnt sich die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek zu ihrem 480. Geburtstag. Von allem, was ihr lieb und wert ist, legt sie die schönsten Stücke in die Vitrinen und betitelt diese Ausstellung dann sinnig mit dem Spruch: „Gold und Bücher lieb ich sehr…“ Jahrzehntelang musste man den Vers als einen egoistischen Anspruch verstehen. Die Bibliothek an der Schaezlerstraße packte ungern aus, was an Kleinodien über die reichsstädtische Überlieferung hinaus in ihren Beständen schlummert.

Karl-Georg Pfändtner, der neue Direktor im verstaatlichten Haus, präsentiert zum Jubiläum nun auch exotische Erwerbungen. Arabische und japanisch/chinesische Cimelien gehören genauso dazu wie eine Spielkarte mit dem Blumenkönig und eine mittelalterliche griechische Handschrift mit original byzantinischem Einband. All dies ergibt eine Best-of-Auswahl, die ihren Reiz gerade aus ihrer Buntheit bezieht.

Zum Jubiläum zeigt die Staats- und Stadtbibliothek Buntes und Exotisches

Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wundersam leuchtend koloriert wurde die persische Erzählung von einem Derwisch, der sich unsterblich in einen Prinzen verliebt hat. Unerreichbar ist er, den die fast 500 Jahre alte Buchmalerei beim Polospiel zeigt. Die islamische Mystik sah darin ein Gleichnis für die völlige Vereinigung mit Gott. Eingebettet sind die Miniaturen auf golden schimmernden Seiten mit üppigem Rankendekor. Auch ein Pracht-Koran mit blauen Zierbordüren und vergoldetem Einband kann sich sehen lassen. Die Stücke stammen aus der Sammlung von Hofrat Sigmund Röhrer, die 1924 erworben wurde.

Die Bibliothek verwahrt nämlich nicht nur altes Gut, sondern wächst beständig – auch indem sie zukauft. Etwa die 1959 erworbene Serie von 119 Holzschnitten nach Zeichnungen des Augsburger Künstlers Leonhard Beck (gest. 1542) mit den Heiligen des Hauses Habsburg – ein Nebenprodukt eines Stammbaums von Kaiser Maximilian I. Oder das 1829 erworbene Gebetbuch für Kaiserin Eleonore Gonzaga, eine blitzsaubere Handschrift auf blütenweißem Pergament aus dem Jahr 1667. Oder der 1913 in Madrid erworbene Adelsbrief aus der Kanzlei von Karl V. für einen Bürger Valladolids.

Neu geordnet hatte Bibliotheksdirektor Richard Schmidbauer die Cimelien. Sein 1934 getipptes Verzeichnis blieb bis zum jetzt herausgebrachten Katalog ohne Ergänzung und war hausintern in gerade drei Exemplaren vorhanden, berichtet Direktor Pfändtner. Er hat renommierte Fachkollegen gewonnen, die Cimelien erstmals vollständig zu erforschen und zu beschreiben. Die Publikation, gefördert von der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, solle helfen, die Staats- und Stadtbibliothek ihrem Rang entsprechend international zu präsentieren.

Zumal sie den Anspruch verfolgte, universal Zeugnisse der Buch-, Schrift- und Druckkunst sowie der Buchmalerei vorzuweisen. Gerade recht kam da das jüngst identifizierte Fragment einer Gutenberg-Bibel. Aus dem Besitz aufgehobener Klöster kamen echte Raritäten ins Haus, etwa unter den Druckstöcken das auf 1481 datierte ABC aus St. Ulrich und Afra und zusammen mit dem gedruckten Buch der Hausheiligen auch der originale Holzschnitt des gotischen Kirchbaus von Leonhard Beck. Bibliothekar Wolfgang Mayer hält so eine Doppelüberlieferung für einen ausgesprochenen Glücksfall. Erstaunlich gut, wenn auch rissig und bröckelig eingetrocknet, haben sich rund 600 Jahre alte Wirtschaftsnotizen aus einem Augsburger Kloster auf Wachstafeln erhalten.

Aus den Klöstern gelangten liturgische Prachtstücke in den Bestand. Etwa der Psalter aus St. Ulrich und Afra, den Leonhard Wagner 1495 schrieb und Georg Beck ausmalte – mit Witz zeigt er einen Narr beim Kartenspiegel, Kegeln und Trinken in einer allerfeinsten Initiale. Augsburg sei damals reich an Meistern der Buchkunst „auf allerhöchstem Niveau“ gewesen, weiß Pfändtner und zeigt auf Bordüren voller Blüten, Vögel, Insekten und Feldtiere, die auch das Gebetbuch der Äbtissin Susanne Ehinger (um 1525) ziert.

Augsburger Patriziertradition widerspiegelt sich etwa im Zunftehrenbuch des Clemens Jäger mit der Darstellung der Zunftstube oder im Augsburger Geschlechterbuch von Paul Hector Mair mit allen Wappen, beide um 1545 entstanden. Köstlich ausgeziert ist das Augsburger Stadtrechtsbuch, das sich 1447 Ulrich Langenmantel schreiben ließ, ebenbürtig gefolgt von der Augsburger Meisterlin-Chronik von 1457.

Ausstellung Laufzeit bis 15. Dezember, geöffnet Mittwoch bis Freitag 11–16 Uhr. Als Katalog erschien der Band „Gold und Bücher lieb ich sehr…“, Quaternio Verlag, 240 Seiten, 26 Euro

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