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Augsburg

27.06.2020

Staatstheater: Gibt es bei der Sanierung noch ein Zurück?

Auf dem Areal zwischen Großem Haus und Volkhartstraße könnte einmal die zweite, kleine Spielstätte des Theaters stehen. Fraglich ist, ob der Bau aufgrund der aktuellen Kostenexplosion zu halten ist.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Die Kosten für die Sanierung des Augsburger Staatstheaters steigen. Die Stadtregierung hätte die Entwicklung früher beziffern müssen – offenbar wollte sie das nicht.

Für einige Augsburger läuft das Staatstheater jetzt unter neuem Namen: Sie nennen es die „Lechphilharmonie“. Doch wirklich überrascht über die neuesten Kostensteigerungen sind offenbar wenige, im Gegenteil: Die Nachricht, dass die Sanierung statt 186 nun bis zu 321 Millionen Euro kosten könnte, scheint nur eine weitere in einer Reihe von Hiobsbotschaften der letzten Jahre zu sein. Nicht einmal von der neuen, erstarkten Opposition kam allzu viel Gegenwehr.

Und doch kann man diese Tatsache nicht einfach hinnehmen, ohne ein paar Punkte zu hinterfragen. Einer ist die Informationspolitik der Stadt. Erst jetzt – vier Jahre nach dem Grundsatzbeschluss für die Sanierung – haben Planer und Bauverwaltung eine Kalkulation für mögliche Baupreissteigerungen vorgelegt, aus denen konkret Zahlen abzulesen sind. Warum, fragt man sich, war das nicht bereits 2016 möglich? Auch damals gab es Richtwerte, wie sich die Baupreise entwickeln könnten. Doch womöglich hätte das Millionenprojekt im Stadtrat keine Mehrheit bekommen, wären damals schon Summen genannt worden.

Fehleinschätzungen bei der Sanierung des Staatstheaters Augsburg

Auch andere Aussagen müssen heute infrage gestellt werden: Die 25 Millionen Euro Kostenpuffer für die Sanierung des Großen Hauses verkauften die Planer als ausreichend großzügige Summe für Unwägbarkeiten. Doch das Geld war weg, noch bevor auch nur ein Stein bewegt war. Eine weitere Fehleinschätzung war, dass es beim Neubau keine bösen Überraschungen geben könne. Wenig später wurde bekannt, dass der hohe Grundwasserspiegel und die schlechte Statik der Nachbargebäude den Bau um 20 Millionen verteuern würden.

Nun also liegen neue Zahlen auf dem Tisch. Für den Neubau von Werkstätten, Verwaltung und zweiter Spielstätte sind die Planer wieder annähernd bei der Summe, die sie ganz am Anfang genannt hatten: Je nach Ausführung, hieß es 2015, würde das sogenannte Bauteil II zwischen 79 und 120 Millionen Euro kosten. Obwohl seitdem an vielen Ecken gespart wurde, könnte es – Stand heute – letztlich auf 115 Millionen Euro hinauslaufen. Und auch beim Großen Haus kann niemand sicher sein, dass die veranschlagten 113 Millionen am Ende Bestand haben. Noch sind dafür ja erst 30 Prozent der Arbeiten ausgeschrieben.

Kann sich Augsburg die Sanierung des Theaters noch leisten?

Kann sich Augsburg dieses Projekt noch leisten? Der Stadtrat steht vor einer schwierigen Entscheidung. Dennoch lässt sich mancher Vorschlag sofort vom Tisch wischen. Ein Ausstieg aus der Sanierung, wie ihn zum Beispiel Stadtrat Roland Wegner von der V-Partei fordert, macht keinen Sinn. Erstens hat Augsburg für die Sanierung bereits Kredite aufgenommen und einiges Geld ausgegeben. Zweitens ist das Gebäude denkmalgeschützt. Es kann also weder abgerissen, noch in seinem derzeitigen Zustand belassen werden – man muss es sanieren. Doch wie sollte die Stadt das Haus danach nutzen, wenn nicht in seiner Bestimmung als Theater? Es leer stehen zu lassen, ist keine Option. Die Stadt müsste ja trotzdem für den Bauunterhalt aufkommen.

Die Theatersanierung im großen Haus
29 Bilder
Baustellenrundgang: Bilder vom Stand der Theatersanierung
Bild: Silvio Wyszengrad

Man wird also nach weiteren Einsparmöglichkeiten suchen müssen. Ein Verzicht auf den kompletten Neubau ist nicht möglich, weil das Große Haus als Theater ohne Werkstätten, Verwaltung und Probebühnen nicht funktioniert. All diese Räume gibt es zwar auch an den Übergangsspielstätten Martinipark und Gaswerk. Doch sie sind zu klein, um das Große Haus nach seiner Wiedereröffnung daraus bedienen zu können. Man wird also zumindest einen Teil des Projektes realisieren müssen.

Wo Augsburg bei der Sanierung des Theaters sparen könnte

Einsparen könnte die Stadt durch den (vorläufigen) Verzicht auf die zweite, kleinere Bühne neben dem Großen Haus. Der Neubau würde laut Bauverwaltung damit um 27 Millionen Euro billiger. Doch auch diese Zahl ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn irgendwo wird das Staatstheater eine zweite Spielstätte brauchen. Egal, welche die Stadt behielte – sie müsste Miete bezahlen, die an einem Zeitpunkt X die Ausgaben für einen Neubau erreichen und später übersteigen würde. Zudem ist da ein weiteres Problem: Selbst durch den Verzicht auf die kleine Spielstätte am Kennedyplatz lägen die Baukosten immer noch bei bis zu 294 Millionen Euro – und damit auch weit über dem einst im Stadtrat beschlossenen Kostendeckel von 186 Millionen, auf dem SPD und Linke bestehen.

Die Theatersanierung in Augsburg wird deutlich teurer. Was halten die Augsburger von dieser Entwicklung?
Video: Andrea Wenzel

Eine reelle Chance, das Projekt ohne Änderungen weiterzuverfolgen, böte sich wohl nur, würde der Freistaat seine Förderquote von derzeit 75 Prozent entweder erhöhen oder die gesamten Mehrkosten übernehmen. Aufgrund der Mehrausgaben, die durch die Coronakrise auf das Land zukommen, ist dieses Szenario aber äußerst unwahrscheinlich.

CSU und Grüne stehen nach wie vor zur Sanierung, doch die Reihen der schwarz-grünen Regierung sind dem Vernehmen nach nicht mehr geschlossen. Irgendwelche Einsparungen wird die neue Koalition also präsentieren müssen, will sie sich eine Mehrheit für die weitere Sanierung sichern und die nach wie vor wichtige Sanierung des Theaters garantieren.

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27.06.2020

Unsere Damen und Herren der politischen Führungsriege sollten sich auch jetzt einfach nur folgende Frage stellen. Was ist wichtiger? Vernünftige Schulen die von allen Teilen der Augsburger Bewohner genutzt werden, oder ein Theater das nur von wenigen genutzt wird. Die Theater Escher können nach München ausweichen, unsere Kinder nicht. Von daher sollte die Entscheidung der entsprechend ausfallen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Dieses Projekt Theater in Augsburg abzubrechen und darauf zu verzichten würde von den Verantwortlichen sicherlich eine ganze Menge Mut erfordern. Mal sehen ob Sie diesen haben....

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27.06.2020

Ein derartiger Dilentantissmus gehört bestraft.
Es ist bezeichnend, welche "Prestigeobjekte" sich vor allem die CSU leistet und dafür die restliche Kultur am langen Arm verhungern lässt.

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27.06.2020

Das Problem ist: wer soll wen bestrafen?!? Die hängen doch alle irgenwie zusammen und keiner ist Schuld. Jetzt hatte man die enormen kostensteigerunge durch diesen Immobilienhype und nun, als "willkommene Entschuldigung", Corona. Aber wie so oft: den dummen Steuerzahlen kann man die "Story vom Pferd" erzählen, aber zahlen muss er, ob er will oder nicht! Denen da "Oben" kann man doch keinen Vorwurf machen, ist doch alles nicht absehbar gewesen"! Ach die armen Politiker! Vom gemeinen Volk völlig verkannt!.

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27.06.2020

Da muss es ein "Zurück" geben! Es kann nicht sein, dass bei solchen Projekten die Steigerungen ins Uferlose gehen. Da fehlen -zig Millionen für die Sanierung und Digitalisierung für Schulen und beim Theater, dessen Besuch sich eh nur "Gutbetuchte" leisten können, nimmt man solche Steigerungen in Kauf. Jetzt ist man ja "Staatstheater" und kann sich das leisten! Hier muss eine Bremse gezogen werden und wenn man dann so weiterbaut, sollten großzügige Sponsoren an Land gezogen werden, die eine Großteil der Steigerungen übernehmen oder man stoppt das Ganze! Man kann auch etliche "Nummern kleiner bauen". Wir haben in München eine große Auswahl von hervorragenden Schauspielhäusern und Konzertsäle mit weltberühmten Orchestern, da geht(fährt) der Opernfreund und Konzertliebhaber sowieso lieber hin, da auch die Qualität der auftretenden Künstler meist Weltformat hat. Man muss nicht mit Gewalt und auf Kosten der Allgemeinheit für Wenige solche Kunst/Kultur finanzieren. Die Bildung und Ausbildung unserer Kinder sind weitaus wertvoller und für die Allgemeinheit und Zukunft enorm wichtig. Dafür kann man auf Kunst und Kultur vor Ort etwas weniger "großzügig" sein.

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27.06.2020

Es ist doch ganz einfach; die ersten Kostenansätze waren zu niedrig (186 Millionen), damit das Projekt die politischen Hürden nimmt. Nun schlagen Wahrheit und Preissteigerungen gnadenlos zu.

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Verdoppeln-sich-Kosten-fuer-Sanierung-Stadt-weist-Rechnung-zurueck-id42986221.html

>> Das für die Theatersanierung zuständige Architekturbüro Achatz ( München) hat die Prognose von Stadtrat Volker Schafitel, der eine Verdoppelung der Kosten für die Theatersanierung für möglich hält, zurückgewiesen. Schafitels Rechnung sei „rein spekulativ“, so Architekt Walter Achatz in einer Stellungnahme gegenüber der Stadt. Baureferent Gerd Merkle ( CSU) sagt, Schafitel werfe grundlos „finanzielle Horrorszenarien“ an die Wand. <<

Man versteckt die Inflation vor der Bürgern halt noch hinter billigem Fleisch und Benzin.

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