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Augsburg

14.07.2018

Stadt lässt Herrenbachbäume untersuchen

Anfang Juni waren am Herrenbach Bäume gefällt worden. Alle anderen werden nun einzeln untersucht.

Ein Gutachter soll feststellen, von welchen der 69 noch zur Fällung vorgesehenen Bäume eine Gefahr ausgeht. Die Ergebnisse werden im Herbst vorliegen.

Ein Gutachter im Auftrag der Stadt wird am Herrenbach in den kommenden Tagen damit beginnen, die verbliebenen Bäume und den Damm genau zu untersuchen. Er soll feststellen, inwieweit Bäume von den Fällungsplänen ausgenommen werden können. Ab kommenden Mittwoch werden mit einem Minibagger Bodenproben des Dammes genommen. Die Fällung einer ersten Tranche von 27 Bäumen am Herrenbach Anfang Juni hatte nicht nur bei Anwohnern für Protest gesorgt. Die Stadt begründete die kurzfristige Maßnahme damit, dass im Fall eines starken Sturms die Gefahr bestünde, dass umfallende Bäume den Damm des Herrenbachs beschädigen. Weil der Bach höher liegt als das umliegende Gelände, würde im Fall eines Dammbruchs Hochwassergefahr drohen.

Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) gab im Nachgang der Fällung ein externes Gutachten in Auftrag, um feststellen zu lassen, inwieweit die verbliebenen 69 Bäume gerettet werden können. Die Fällung der 27 Bäume unmittelbar auf dem Damm in Wassernähe sei nach wie vor unstrittig, auch wenn die Kommunikation mit den Bürgern nicht gut gelaufen sei, so Erben gestern.

Größe der Wurzeln werden berechnet

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Das Gutachten soll nun für jeden einzelnen Baum errechnen, wie groß seine Wurzeln sind. Das ist der Knackpunkt: Würde ein Baum bei Sturm umgeworfen werden, könnte ein bis zu schrankgroßer Wurzelballen aus dem Damm ausbrechen. Im Zusammenspiel mit einer genauen Untersuchung des Damms soll das Gefahrenpotenzial jedes Baumes festgelegt werden. Erben rechnet damit, dass Mitte/Ende Oktober Ergebnisse vorliegen werden. Die nächsten Fällungen würden frühestens im November 2018 anstehen. Der nächste turnusgemäße Bachablass wäre ab Mitte September, allerdings ist dann noch Vogelbrutzeit.

Bei der Fällung der 27 ersten Bäume hatte die Stadt eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Erben betont, dass es entgegen anderslautender Gerüchte keine Verstöße gegen den Artenschutz gegeben habe. Ein Baumstammsegment mit einem Wespennest sei am Bach belassen worden, ebenso habe man mehrere Pappeln nur ausgelichtet, aber entgegen ursprünglicher Pläne nicht gefällt. „Alle Bäume wurden von Experten vor der Fällung von unten mit dem Fernglas auf Höhlungen untersucht. Wo es welche gab, ist man mit dem Hubsteiger hochgefahren und hat mit dem Endoskop reingeschaut, ob Fledermäuse da sind“, so Erben.

War die Fällung rechtmäßig?

Wie berichtet hat eine von Stadtrat Volker Schafitel (Freie Wähler) beauftragte Anwaltskanzlei inzwischen ein Schreiben an die Stadt verfasst, das die Rechtmäßigkeit der Fällungen in Frage stellt. Das Fällen von 96 Bäume sei keine Routinearbeit der Stadt, sondern hätte eines Stadtratsbeschlusses bedurft, so die Argumentation. Die von der Stadt geltend gemachte „Gefahr im Verzug“ habe es so konkret nicht gegeben. Vor diesem Hintergrund, so die Münchner Kanzlei, die auf Verwaltungsrecht spezialisiert ist, seien die noch ausstehenden Baumfällungen zwingend zu überprüfen. Die Stadt wollte sich am Freitag noch nicht inhaltlich zu dem Schreiben äußern. Stadtsprecher Richard Goerlich betonte, dass es sich bei dem Schreiben um keine Klage handelt.

Inzwischen scheint auch einigermaßen klar zu sein, dass die Fällaktion vom Herrenbach sich nicht an anderen Gewässern wiederholen wird. Erben hatte dies zunächst nicht ausgeschlossen, inzwischen sei aber klar, dass die Situation am Herrenbach mit dem hochliegenden Bachbett und dem Baumbewuchs ein Sonderfall ist. „Der Herrenbach ist keine Blaupause für andere Gewässer“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zuletzt. Auch Spekulationen, dass die Stadt auf diese Weise einem neuen Baugebiet im Herrenbach Vorschub leisten wolle, entbehrten jeder Grundlage, so Gribl. Entsprechende Gerüchte machen unter den Gegnern der Abholzaktion die Runde.

Ständiges Auf und Ab nach Gewittern

Gribl stellte auch klar, dass ein Ablassen des Baches bei Sturmwarnung aus seiner Sicht keine Dauerlösung sei, selbst wenn sie schneller als beim Testlauf mit den drei Stunden hinzubekommen wäre. In Monaten mit vielen Gewittern wäre dann ein ständiges Auf und Ab die Folge. Zudem müsste dafür die Wehrtechnik umgebaut werden. „In Augsburg haben wir seit Jahrhunderten ein System, bei dem sich das Wasser von allein in den Bächen verteilt. Mit jedem Eingriff verdrehe ich etwas“, so Markus Haller vom Tiefbauamt. Automatisch betätigte Wehranlagen hätten zudem das Problem, dass trotzdem Personal vor Ort sein müsste, um etwa Schwimmer zu warnen.

Info Am 27. Juli wird die Stadt um 18 Uhr eine Bürgerinformation im Pfarrheim Don Bosco veranstalten. Bürger können dort auch Standorte für Ersatzpflanzungen vorschlagen. Für die bereits gefällten 27 Bäume müssen 100 nachgepflanzt werden. Bereits am 23. Juli wird die Baumallianz ab 19 Uhr in Don Bosco Bürger informieren. Der Verein, der das Stadtgrün schützen will, sieht das bisherige Vorgehen der Stadt kritisch.

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