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Augsburg

08.07.2019

Stadt prüft Leinenpflicht für Hunde im Augsburger Stadtwald

Müssen im Augsburger Stadtwald künftig alle Hunde an die Leine? Die Stadt erwägt eine solche Vorschrift, entschieden ist aber noch längst nichts.
Bild: Silvio Wyszengrad

Hunde seien eine Belastung für den geschützten Augsburger Stadtwald, argumentiert die Stadt. Deshalb wird eine Leinenpflicht geprüft.

Es ist ein Thema, das polarisiert: Die Stadt Augsburg erwägt, im Stadtwald eine Leinenpflicht für Hunde einzuführen. Das rund 21 Quadratkilometer große Waldgebiet im Süden der Stadt ist seit Langem größtenteils als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Naturschutzbehörde und der Naturschutzbeirat der Stadt seien nach "eingehender Diskussion" zum Ergebnis gekommen, dass freilaufende Hunde eine starke Beeinträchtigung für Biotope und Wildtiere im Schutzgebiet seien, heißt es in einem Bericht an den Umweltausschuss des Stadtrats. Deshalb sei eine Anleinpflicht für Hunde denkbar, verbunden mit der Vorgabe, dass sich Spaziergänger und Hunde nur auf den ausgewiesenen Wegen aufhalten dürfen.

Am kommenden Montag ist die mögliche Leinenpflicht ein Thema im Umweltausschuss. Einen Beschluss in diese Richtung soll es aber noch nicht geben. Die Stadt will zunächst am Südende des Siebentischparks - neben der Ilsungstraße - eine Freilauffläche für Hunde einrichten. Vom Parkplatz an der Sportanlage Süd wäre die Fläche schnell zu erreichen. Das Gelände soll rund 9000 Quadratmeter groß sein. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld in einem Bundesliga-Stadion kommt auf gut 7100 Quadratmeter.

 

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Vorgesehen ist, die Fläche mit einem rund 1,50 Meter hohen Zaun aus Holzpfosten und Drahtgeflecht einzuzäunen. Für die Einrichtung dieser Hunde-Lauffläche kalkuliert die Stadt mit Kosten von rund 10.000 Euro. Den jährlichen Unterhalt - unter anderem für das Mähen und Reinigen - gibt die Stadt mit etwa 8.500 Euro an.

Hunde in Augsburg: Die Freilauffläche soll zwei Jahre lang getestet werden

Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Freilaufflächen probehalber zunächst für zwei Jahre anzulegen. Noch in diesem Jahr soll das Areal eingerichtet werden, falls die Stadträte zustimmen. Je nachdem, wie sich das Angebot bewährt und von den Hundehaltern angenommen wird, könnten die Räte später darüber entschieden, ob es dauerhaft bleiben soll. Über die Frage einer Leinenpflicht im Stadtwald soll dann ebenfalls nach der Testphase entschieden werden.

Völlige Freiheit genießen Hunde schon jetzt nicht im Stadtwald. Die Schutzgebietsverordnung verbietet es eigentlich, die Tiere unkontrolliert laufen zu lassen. Eine konkrete Leinenpflicht gibt es bisher aber nicht. In dem städtischen Bericht dazu heißt es: "In der Praxis stellt sich der Vollzug dieser Vorschrift als schwierig dar." Die Stadt sieht sich aber zum Handeln verpflicht, weil das Bundesnaturschutzgesetz es vorschreibt, alles zu verbieten, was in einem Schutzgebiet zu einer "nachhaltigen Störung" führen könne.  Laut Stadt werden verschiedene Wildtierarten von freilaufenden Hunden aufgestöbert und gejagt, dies führe insbesondere während der Jungenaufzucht zu Verlusten und Bestandsschäden.

Dass es immer wieder auch zu Konflikten zwischen Hundehaltern und anderen Spaziergängern und Joggern kommt, spielt für die Pläne der Stadt in diesem Fall keine Rolle. Eine generelle Leinenpflicht im Stadtgebiet sei ohnehin weder geplant noch rechtlich zulässig, heißt es bei der Stadt. Aktuell besteht nur in Augsburgs Naherholungsgebieten am Kuhsee, am Autobahnsee und am Hettenbachufer eine generelle Leinenpflicht. An diesen Orten müssen die Hunde an einer maximal zwei Meter langen Leine geführt werden. Im Bereich des Naturschutzgebiets "Firnhaberauheide" gilt ein Verbot, Hunde frei laufen zu lassen.

Strenger sind die Regeln für Tiere, die als sogenannte Kampfhunde eingestuft sind. Sie müssen auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im Stadtgebiet zu jeder Tages- und Nachtzeit ständig an einer reißfesten, höchstens zwei Meter langen Leine geführt werden.

Schon jetzt gibt es Widerstand gegen eine Leinenpflicht

Gegen eine mögliche Leinenpflicht im bei Spaziergängern beliebten Stadtwald formiert sich bereits jetzt Widerstand. Die Tierärztin und Vorsitzende des "Vereins für Bürger in Augsburg", Bettina Müller sagt, eine solche Leinenpflicht widerspreche dem Tierschutzgesetz. Hunde hätten ein Recht auf Freilauf. In der Stadt sei das aber wegen des Verkehrs nicht möglich, an den Seen nicht wegen der Badegäste und am Lech wegen der Radfahrer. Eine kleine Freilauffläche für über 8500 Hunde in Augsburg sei absolut ungenügend.

Peter Hummel, der Kandidat der Freien Wähler für die Oberbürgermeister-Wahl im kommenden Jahr, spricht sich ebenfalls gegen eine Leinenpflicht aus. Hummel - selbst Hundehalter - schreibt dazu auf Facebook: "Ich kenne keinen Hund, der Plastikmüll wegwirft, Kaugummi ausspuckt, seltene Blumen abzupft, Grillfeuer anzündet oder im Wald raucht." Verständnis hat Hummel allerdings dafür, wenn sich Passanten über schlecht erzogene Tiere ärgern: "Schlecht erzogene Hunde sind mir ein Graus und wenn mir so was passiert, dann werde ich richtig stinkig. Ebenso, wenn jemand meint, das Geschäft des Hundes nicht mitnehmen zu müssen."

Falls es zu einer Leinenpflicht kommen sollte, muss diese aber nicht unbedingt für den ganzen Stadtwald gelten. In der Vorlage für den Umweltausschuss heißt es, es sei auch denkbar, die Vorschrift auf die besonders betroffenen Bereiche des Schutzgebiets - dazu gehören etwa die Heideflächen - zu beschränken.

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Die Diskussion ist geschlossen.

10.07.2019

Gut, dann sparen wir uns in Zukunft die Erziehung der Hunde. Wir sparen uns die Auseinadersetzung mit dem Tier und seine Eigenarten.
Es macht keinen Sinn an der Leine Befehle zu üben, Gehorsamkeit anzuerziehen.
Mein Hund zumindest erzeugt fast ausnahmslos Freude unter den Menschen und vor allem den Kindern, wenn er mit ihnen auf den Wiesen spielt! Er wird zum Menschensuchunde ausgebildet, um den Menschen helfen zu können.

Und es ist zutiefst ungerecht, wegen ein paar unbelehrbaren Idioten, die ihren Hund nicht verstehen und nicht im Griff haben, alle anderen in Generalverdacht zu nehmen.
Erhöht von mir aus die Strafen bei Zuwiderhandlung, kontrolliert mehr, aber beendet nicht, was seit 100 Jahren funktioniert.
Führt einen Hundeführerschein ein, was ich schon lange fordere, , aber versucht doch bitte ein miteinander zu gestallten und kein Ausgrenzen!



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09.07.2019

Ich kann den Widerstand gegen die Leinenpflicht in unserem Stadtwald, der gleichzeitig ja auch das Trinkwassereinzugsgebiet für unsere Stadt ist, nicht nachvollziehen.

Der Stadtwald ist kein Hundespielplatz, sondern ein Naturschutz-und Trinkwasserschutzgebiet.

Die Anzahl der Hunde im Stadtwald wird stetig höher und leider haben nicht alle Besitzer ihre vierbeinigen Freunde unter Kontrolle und entsorgen zum Beispiel deren Hinterlassenschaften gewissenhaft. Dies kann schon gar nicht funktionieren, wenn der Hund unkontrolliert durch das Unterholz streift und dabei auch die Tiere im Stadtwald stört. Andere, ganz intelligente Hundebesitzer, sammeln die Exkremente ihres Hundes ordentlich in einer Plastiktüte, um diese dann in den Wald zu schmeißen. Ordnung muss ja sein.
Viele Hunde suhlen sich in den Bächen, Pfützen und Rinnsalen, die im Stadtwald zu finden sind und stören somit zusätzlich die Natur im Stadtwald.
Schon alleine der Anstand anderen Besuchern gegenüber sollte jedem Hundebesitzer sagen, dass der Hund im Stadtwald anzuleinen ist, in der Praxis sieht es da aber leider anders aus.

Hunde mögen ein Recht auf Freilauf haben, aber es besteht kein Recht auf Freilauf im Stadtwald. Wer seinen Hund freilaufen lassen möchte, kann dies ja an anderer Stelle tun und muss nicht unbedingt in den Stadtwald fahren.

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