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Prozess

03.07.2012

Stadt verbietet Knabber-Fische im Kosmetikstudio

Einem Kosmetikstudio in Augsburg hat die Stadt die Haltung von Haut fressenden Kangalfische verboten. Nun muss das Verwaltungsgericht über den kuriosen Fall entscheiden.
Bild: dpa (Archiv)

Einem Kosmetikstudio in Augsburg hat die Stadt die Haltung von Haut fressenden Kangalfische verboten. Nun muss das Verwaltungsgericht über den kuriosen Fall entscheiden.

Sie werden einige Zentimeter groß, und wenn sie an menschlicher Haut vorbeischwimmen, dann knabbern sie die oberste Schicht an: Sogenannten Kangalfische, eine Unterart der Barbe aus der Türkei, werden seit einigen Jahren zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt, weil sie abgestorbene Haut schonend entfernen. Einem Kosmetikstudio in Augsburg hat die Stadt nun aber die Haltung der Tiere verboten. Am Mittwoch liegt der Fall vor dem Verwaltungsgericht.

Der Fall erinnert – wenn auch sehr entfernt – an das Kaninchen beim Zauberer Hardy. Die Stadt hatte vergangenes Jahr aus Gründen des Tierschutzes bestimmte Vorgaben gemacht, etwa dass Blitzlicht und Applaus bei Auftritten zu vermeiden seien. Der Fall erregte wie berichtet bundesweit Aufsehen.

Nun geht es um mehrere Hundert Fische, die das Kosmetikstudio halten wollte bzw. schon im Einsatz hatte. Bei derartigen Behandlungen knabbern die Tiere an den Füßen von Kunden und befreien sie so von Hornhaut. „Pro Becken ging es bei uns um die Haltung von etwa 40 Fischen“, sagt Kadir Yücel, Geschäftsführer des Studios Fish Spa&More, auf Anfrage.

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Das städtische Marktamt, das auch fürs Veterinärwesen zuständig ist, sieht in der Haltung einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, so Amtsleiter Werner Kaufmann. Laut Gesetz darf keinem Tier ohne einen vernünftigen Grund Schmerz, Leid oder Schaden zugefügt werden.

Die Haltung von Kangalfischen wird von den Behörden in mehreren Bundesländern – darunter Bayern – kritisch gesehen, wenn sie kosmetischen Zwecken dient. In anderen Ländern, etwa Hamburg, gibt es derartige Fisch-Spas hingegen seit Jahren. Hintergrund für die Vorbehalte ist, dass die Fische bei den Behandlungen Stress ausgesetzt seien, etwa wenn Seifenrückstände von der Haut ins Wasser gelangen. Teils wurden in anderen Bundesländern schon Fälle beobachtet, wo die Fische nach der Behandlung eines Klienten aus hygienischen Gründen getötet wurden. Alternativ werden sie aber nach einer Behandlung in Quarantänebecken geschickt, bevor sie beim nächsten Klienten an der Haut knabbern.

Die Haltung der Fische für medizinische Behandlungen – etwa bei Neurodermitis – ist hingegen auch in Bayern zulässig. Hier rechtfertigt das Ziel, Menschen zu behandeln oder deren Beschwerden zu lindern, die Tierhaltung, lautet der Standpunkt. Besonderen Restriktionen unterliegt der Handel mit den Kangalfischen nicht.

Gegen das Haltungsverbot durch die Stadt hat das Kosmetikstudio geklagt. Beim Termin am Mittwoch soll auch ein Sachverständiger ein Gutachten zum Thema Fischhaltung abgeben.

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