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Verkehr

05.02.2015

Stadt will Radlern Schnee aus dem Weg räumen

Heute ist neuer Schnee angekündigt – der Frühling muss also später wiederkommen. Während Spaziergänger – hier in einer Kleingartenanlage am Lech – die schönen Seiten des Winters genießen, schimpfen Radfahrer über schlecht geräumte Radlspuren.
Bild: Michael Hörmann

Vom Projekt „Fahrradstadt 2020“ ist im Winter wenig zu spüren. Der Räumdienst wurde zuletzt sogar reduziert. Das soll sich ändern, verursacht aber einen Haufen Probleme

Das Urteil, das Radler zum Winterdienst abgeben, ist verheerend: Ein Viertel gab in einer Umfrage der Stadt vergangenes Jahr die Note 6. Die Probleme sind bekannt: Vor vier Jahren hatte die Stadt die Streuhäufigkeit auf Radwegen aus Spargründen reduziert und grundsätzlich ist ein Problem, dass die Radfahrstreifen auf der Fahrbahn – wie sie seit einigen Jahren verstärkt gebaut werden – im Winter zum Verschiebeplatz für den Schnee von der Fahrbahn werden. Janos Korda vom ADFC sagt: „Jetzt werden die Vorteile des Radfahrstreifens zum Nachteil.“

Nun will die Stadt, die sich für ihr Projekt „Fahrradstadt 2020“ die Steigerung des Radverkehrs auf 25 Prozent auf die Fahnen geschrieben hat (von 13 Prozent in 2008), das Radeln im Winter etwas komfortabler machen. Man sei „vom Idealzustand weit entfernt“, räumt Baureferent Gerd Merkle (CSU) ein, der für die städtischen Straßen zuständig ist. Zusammen mit Umweltreferent Reiner Erben (Grüne), der den Winterdienst verantwortet, soll nun ein Konzept erarbeitet werden, das dem Stadtrat vorgelegt wird. Das heißt: In diesem Winter wird es noch keine Verbesserungen geben, 2016 könnte sich aber etwas ändern, hofft Erben.

Wie die Stadt den Räumdienst genau umstrukturieren will, steht noch nicht fest. Allerdings dürften, will man den Schnee von den Radfahrstreifen auf den Straßen wegbekommen, neue Fahrzeuge und somit zusätzliches Personal nötig sein – das kann zusammengerechnet jährlich einen sechsstelligen Betrag kosten. Ob dieses Geld dann vom Etat des Projekts „Fahrradstadt 2020“ abgezogen wird, ist unklar. Für dieses stehen dieses Jahr 500000 Euro im Haushaltsentwurf, ab 2016 sollen es 2,5 Millionen Euro jährlich sein.

Stadt will Radlern Schnee aus dem Weg räumen

Aktuell werden Radwege, die erhöht auf Gehweg-Niveau liegen, ab 4 Uhr morgens mit 20 Kleinfahrzeugen geräumt und mit einem Splitt- Salz-Gemisch gestreut. Damit schaffe der Winterdienst es, pro Tag zwei- bis dreimal zu streuen, sagt Erben. Vor vier Jahren hatte die Stadt den Standard auf eine Räumung pro Tag reduziert und ihren Bestand um fünf Kleinfahrzeuge abgebaut, um zu sparen. Allerdings gab es damals Klagen von Radlern.

Der ADFC verweist darauf, dass Hauptrouten mehrmals täglich geräumt werden sollten. „Es ist schlecht, wenn fünf Tage nach dem letzten Schneefall noch die Reste auf der Radspur liegen“, sagt Korda. Hauptradlrouten sollten seiner Meinung nach die gleiche Priorität haben wie Hauptverkehrsstraßen. Allerdings ist es einfacher, Straßen schnee- und eisfrei zu bekommen als Radwege. Denn durch den Druck der Autoreifen kann das Streusalz besser wirken als durch die deutlich geringere Kraft der Fahrradreifen.

Insgesamt verlief der Winter für den städtischen Streudienst bisher eher ruhig. Von November bis Anfang dieser Woche wurden rund 45 Einsätze gefahren. Teils gab es das volle Programm mit Räumen und Streuen, teils nur punktuelle Streuungen. 2900 Tonnen Salz und 3100 Tonnen Splitt wurden auf den Straßen verteilt.

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