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Umwelt

26.05.2018

Stadt will ab Dienstag am Herrenbach fällen

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An der Heinestraße bei Don Bosco hat die Stadt eine Rampe ins Kanalbett geschüttet, damit Fahrzeuge dort hineinfahren können.

Anwohner gehen auf die Barrikaden, doch die Verwaltung verweist auf die Hochwassergefahr durch die zu nahe am Ufer stehenden Bäume. Obwohl das Wetter sehr gut wird, ist das Baden im Eiskanal nun verboten

Die Stadt will ab kommenden Dienstag mit den Baumfällungen am Herrenbach beginnen. Im ersten Schritt gehe es um 34 Bäume, die durch Windwurf als besonders gefährdet gelten, so die Stadt. Im Herbst sollen dann weitere 44 Bäume gefällt werden, im Jahr darauf nochmals 18 Stück. Die Fällungen der 96 Bäume sind bei Anwohnern umstritten. Sie haben bereits Protestaktionen angekündigt.

Wie berichtet geht es der Stadt und dem staatlichen Wasserwirtschaftsamt bei der Fällung zwischen Friedberger und Reichenberger Straße darum, Hochwassergefahren zu beseitigen. Das Wasserwirtschaftsamt ist der Auffassung, dass Bäume bei Sturm umkippen und entwurzelt werden könnten. Bei den nahe am Wasser stehenden Bäumen könnte dann ein Bruch des Dammes (der Bach liegt aufgrund von Kraftwerken teils höher als das umgebende Gelände) die Folge sein. Selbst wenn die Stadt die Schleusen oberhalb sofort schließe, seien immer noch 30 Millionen Liter Wasser im Oberlauf, die ins Wohngebiet fließen könnten. Auch eine Verstopfung des Bachlaufs könne zum Problem werden. Eine ähnliche Situation hatte vor 19 Jahren zum Pfingsthochwasser an der Wertach geführt.

Susanne Altmann wohnt direkt am Herrenbach, wo sie schon als Kind geschwommen ist. „Die Bäume stehen schon seit Jahrzehnten da. Jetzt sind sie plötzlich eine Gefahr“, wundert sie sich. Altmann organisierte am Freitag eine erste Protestaktion mit Flugblättern an den Bäumen („Ich bleibe hier stehen“). Sollte am Dienstag dann gefällt werden, sei eine weitere Aktion geplant.

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Dass die Behörden die Bäume begutachten, sei ja richtig. „Aber ich habe den Eindruck, dass jetzt die Angst regiert. Und bei allem Bemühen, Risiken zu vermeiden, muss noch irgendwo Leben stattfinden.“ Der Bach werde durch den Kahlschlag sein Gesicht verändern. Das betreffe Anwohner genauso wie Spaziergänger und Badende im Sommer. Die Stadt plant für Montagabend, 18 Uhr, eine Infoveranstaltung in der Grünanlage am Alten Heuweg/Heinestraße. Die, so Altmann, komme aber reichlich spät, zumal schon alles entschieden ist. „Hier wird etwas übers Knie gebrochen.“

Ursprünglich waren die Fällungen, die auch innerhalb der Stadtverwaltung unterschiedlich gesehen wurden, für den Herbst geplant. Zuletzt hatte es zwischen dem für Bäume zuständigen Umweltreferat und dem für den Gewässerunterhalt zuständigen Baureferat Diskussionen gegeben. Die vom Grünamt vorgeschlagene Fällung von nur etwa 30 besonders gefährdeten Bäumen reichte dem Tiefbauamt nicht aus. Schließlich verfügte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU), dass sofort gehandelt werden muss. Es sei „Gefahr im Verzug“, so Stadtsprecher Richard Goerlich. „Diese Baumfällaktion, die uns allen nicht gefällt, ist eine Frage der Verantwortung für die Menschen, die in diesem Stadtteil leben. Das Vorgehen ist daher in der gesamten Stadtspitze abgestimmt“, so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne).

Dessen eigene Partei kritisierte das Vorgehen allerdings scharf. „Das Einzige, was sicher am Baumschutzkonzept unserer Stadt ist, ist, dass eine Möglichkeit gefunden wird, die Bäume dennoch zu fällen“, ätzte Vorsitzender Peter Rauscher. Die Freien Wähler fordern, die Betoneinfassungen des Kanals zu erneuern, um sie zu stabilisieren. So könnten Bäume erhalten bleiben. Allerdings hatte die Stadt vorher schon signalisiert, dass bauliche Maßnahmen wie Spundwände aus ihrer Sicht untauglich sind.

Die schnelle Fällung bedeutet freilich, dass die Stadt nun Bäume in der Vogelbrutzeit fällen wird – was eigentlich verboten ist. Bei der Regierung von Schwaben ist eine naturschutzrechtliche Befreiung beantragt, die voraussichtlich am Montag oder Dienstag gewährt werden wird. Die Stadt begründet das Tempo damit, dass zunächst angedachte provisorische Lösungen, um die Zeit bis zum Herbst zu überbrücken, nicht funktionieren. Bisher gab es die Überlegung, bei Sturmwarnung die Schleusen zu schließen und den über den Hochablass gespeisten Herrenbach trocken zu legen. Dies dauere aber mehrere Stunden. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk hätten auch durchgespielt, inwieweit man mit einer temporären Hochwasserwand oder mobilen Absperrsystemen im Fall eines Dammbruchs eine Überschwemmung vermeiden könnte. Die Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend gewesen, so die Stadt.

Die Stadt kündigte an, als Ersatz insgesamt 357 neue Bäume zu pflanzen, zum Teil in der näheren Umgebung. Zudem bleibe die Grünanlage am Herrenbach mit ihren 20 Meter hohen Bäumen grundsätzlich bestehen – es gehe um die Bäume direkt am Wasser. CSU-Stadtrat Ralf Schönauer, der am Freitag zu der Protestaktion kam, um mit Anwohnern zu sprechen, fordert, dass die Stadt nach einer Fällung auch das Geld bereitstellt, um die Ufer mit Bänken und einer Liegewiese herzurichten.

Weil der Wasserspiegel im Herrenbach gesenkt wurde, ist er am Abzweig auf Höhe des Alten Heuwegs abgeriegelt. Die Wasserwacht hatte Badende aufgefordert, sich von dem Wehrschütz fernzuhalten (wir berichteten). Seit Freitag hat die Stadt in dem Bereich ein Badeverbot erlassen. Betroffen ist davon auch der Badeabschnitt am Eiskanal (Damaschkeplatz). Die Fällungen werden eine Woche dauern. Zudem ist die Grünanlage am Herrenbach während der Fällarbeiten für Besucher gesperrt. "Kommentar

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